Fernstudium: Karriereturbo oder zeitaufwendige Fehlinvestition?

Selbst nach jahrelanger Berufserfahrung hört das Lernen und Bilden nicht zwangsläufig auf. Um höhere Karrierepositionen zu erreichen hilft eine Weiterbildung oder sogar ein Fernstudium. Letzteres hat es vor allem in den vergangenen Jahren dank einem breit gefächertem Studienangebot zu großer Beliebtheit gebracht. Doch ist ein Fernstudium wirklich die richtige Entscheidung? Oder ist es doch nur Zeit und Geld, die falsch investiert sind?

Ein Fernstudium bietet Menschen in erster Linie die Möglichkeit, den eigenen Interessen nachzugehen. Wer bereits mitten im Berufsleben ist, hat nach jahrelanger Arbeit wahrscheinlich erkannt, wo die eigenen Stärken und Interessen liegen. Genau diese lassen sich mit Hilfe eines Fernstudiums vertiefen. Vielleicht ist ein Fernstudium auch die Eintrittskarte in eine höhere Position. Aber ein Fernstudium kann auch die Chance sein, sich zu verändern und neue Wege einzuschlagen. Sicher ist, dass ein Fernstudium eine Belastung und erheblichen Druck darstellen. Daher ist es durchaus sinnvoll, Vor- und Nachteile abzuwägen und möglichst viele Informationen zu sammeln.

Video: MEIN FERNSTUDIUM | Fakten und Aufbau meines Studiums

Positive Effekte des Fernstudiums

Ein Fernstudium bringt viele Vorteile gegenüber einem herkömmlichen Studium mit sich. Die körperliche Situation des Studierenden spielt bei einem Fernstudium keine Rolle. Denn ganz gleich, ob der Student im Rollstuhl sitzt, eine körperliche Einschränkung oder eine ansteckende Krankheit hat, das Studieren ist möglich. Diese Faktoren schließen ein Selbststudium dank der äußeren Umstände nicht aus.
Zudem ist ein Fernstudium schneller begonnen als ein Studium an der Universität vor Ort. Präsenzzeiten gibt es nur vereinzelt und während des Semesters lässt sich die Zeit je nach eigenem Bedarf einteilen. Denn nicht jeder Student ist morgens um acht Uhr topfit. Wer abends aufnahmefähiger ist oder tagsüber arbeitet, findet im Fernstudium die nötige Flexibilität.

Auch für Eltern, die sich intensiv um ihre Kinder kümmern müssen, ist ein Fernstudium durchaus möglich.Darüber hinaus ist die schulische Hürde zum Teil nicht so hoch wie bei einem Studium an einer Universität. Manche Fernstudiengänge sind auch ohne Abitur möglich.
Auch der Austausch mit anderen Kommilitonen ist gegeben und zudem völlig zwanglos. In Foren oder Chats finden Diskussionen und Online-Learning statt. Für weitere Hilfestellungen stehen die Lehrkräfte in einem Selbststudium zur Verfügung. Im Gegensatz zu einem Präsenzstudium erfolgt der Kontakt via E-Mail und ist daher sowohl direkter als auch intensiver.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Hochschulen erhalten Studenten eines Fernstudiums per Post die Vorlesungsunterlagen und können diese zu Hause durcharbeiten. Während im herkömmlichen Studium Präsenzveranstaltungen mit aufwendigen eigenen Mitschriften erforderlich sind, ist das gedruckte Studienmaterial fester Bestandteil des Selbststudiums.

Video: Wie anerkannt ist ein Fernstudium?

Negative Aspekte des Fernstudiums

Wo es Vorteile gibt, finden sich natürlich auch Nachteile. Das Selbststudium verlangt den Studenten viel Eigeninitiative und Selbstmanagement ab. Um ein Fernstudium erfolgreich abzuschließen bedarf es an Disziplin, denn keine Kommilitonen und keine Anwesenheitslisten zwingen zum Studium. Daher sind ein Interesse am Fach und der Wille zum Selbststudium unerlässlich.

Wer sich in Lerngruppen und auf Studentenpartys mit anderen Kommilitonen sieht, wird in einem Fernstudium nicht glücklich. Das Studium findet hauptsächlich zu Hause oder in Onlineforen statt. Zwar lenken Kommilitonen und Partys nicht vom Wesentlichen ab. Doch soziale Kontakte im Fernstudium zu gewinnen ist eher schwierig.

Auch die Kosten eines Fernstudiums sind nicht zu vernachlässigen. Je nach Fernhochschule können die Kosten monatlich wesentlich höher sein als an einer Hochschule mit verhältnismäßig kleinen Semesterbeiträgen.

Nicht zu verachten ist auch die Dauer des Fernstudiums. Wer sich in einem Vollzeitjob befindet, kann das Selbststudium nur in Teilzeit betreiben. Die Lebensqualität kann darunter leiden, da vor allem die Freizeit für das Studium benötigt wird.

Ist der Entschluss für einen Fernstudiengang getroffen, ist auch eine Betrachtung der Kosten notwendig. (#01)

Ist der Entschluss für einen Fernstudiengang getroffen, ist auch eine Betrachtung der Kosten notwendig. (#01)

Die Kosten eines Fernstudiums können variieren

Ist der Entschluss für einen Fernstudiengang getroffen, ist auch eine Betrachtung der Kosten notwendig. Diese hängen von der jeweiligen Fernhochschule ab und können stark variieren. Mit mindestens 50 Euro im Monat ist in jedem Fall zu rechnen. Je nach Studiengang, Universität und Abschluss können sich die Kosten auf bis zu 300 Euro im Monat erhöhen. Im besten Fall ist die Wahl des Studiums nicht an die Kosten gebunden, doch die Realität sieht für viele Studenten anders aus.

Viele berufstätige Studenten finanzieren das Fernstudium aus eigenen Kräften und Ersparnissen. Doch nicht jeder befindet sich in einer so positiven Finanzlage, die solche zusätzlichen Kosten zulassen. Daher gibt es durchaus Möglichkeiten, sich bei einem Fernstudium unterstützen zu lassen. Wer in einem festen Beschäftigungsverhältnis steht, hat durchaus die Option, den Arbeitgeber um finanzielle Unterstützung zu bitten. Im besten Fall profitiert auch er von einem Fernstudium seines Angestellten und hat Interesse an einem erfolgreichen Studienabschluss.

Ein Studienkredit ist ebenfalls eine Chance, das Fernstudium zu finanzieren. Im Gegensatz zu herkömmlichen Krediten sind die Konditionen weitaus besser und die Rückzahlung flexibel gestaltbar. Eine weitere Option sind Stipendien, die ein Studium ganz oder teilweise finanzieren. Hier sind jedoch ganz unterschiedliche Voraussetzungen zu erfüllen.

Der Abschluss an einer Fernhochschule sollte staatlich anerkannt und akkreditiert sein (#02)

Der Abschluss an einer Fernhochschule sollte staatlich anerkannt und akkreditiert sein (#02)

Unterschiede der Fernhochschulen

Nicht nur die Kosten unterscheiden sich bei den einzelnen Fernhochschulen. Wie auch bei herkömmlichen Universitäten gibt es besonders angesehene Adressen. Jedoch sind bei der Betrachtung unbedingt eigene Kriterien zu berücksichtigen.
Die Webseite „Fernstudiumcheck“ vergleicht knapp 120 Fernhochschulen miteinander. Anhand von Bewertungen und Erfahrungsberichten lässt sich ein Ranking erstellen. Für die Entscheidungshilfe ist es durchaus sinnvoll, Bewertungen zu lesen und hierüber Informationen zu sammeln.

Die einzige staatliche Fernhochschule in Deutschland ist die Fernuniversität in Hagen. Mehr als 70.000 Studenten sind hier eingeschrieben und können Abschlüsse wie den Bachelor oder den Master erreichen, aber auch an Weiterbildungen oder Teilstudien teilnehmen.
Das Institut für Lernsysteme (ILS) ist Deutschlands größte Fernschule und bietet ein breit gefächertes Angebot an Weiterbildungen und Fernstudien an. Als mehrfacher Testsieger im nationalen Vergleich ist hier Studieren auf höchstem Niveau möglich. Dank moderner Serviceleistungen und dem Online-Lernzentrum studieren vor allem Berufstätige an der ILS sehr angenehm.

Checkliste: Welche Punkte sind wichtig zu beachten?

  • Der Abschluss an einer Fernhochschule sollte staatlich anerkannt und akkreditiert sein
  • Das Angebot in Ruhe betrachten und nach eigenen Kriterien abwägen
  • Die Kosten genau kennen und einen Finanzplan erstellen
  • Unverbindliche Studienbroschüren anfordern
  • Ein persönliches Beratungsgespräch klärt letzte Fragen
  • Präsenzzeiten nicht außer Acht lassen
  • Ist die Bereitschaft vorhanden, Freizeit gegen Lernen auszutauschen?

Video: Fernunterrricht – Fernstudium – ARD-alpha

Fazit

Bildung und das Streben, mehr Wissen zu erhalten, können nie eine Fehlinvestition sein. Wer sich für ein Fernstudium entscheidet und die richtige Fernhochschule auswählt, lernt nicht nur für den Abschluss, sondern auch für sich selbst.

Ein erfolgreicher Studienabschluss symbolisiert viele positive Fähigkeiten. Nebenberuflich ein Fernstudium abzuschließen zeigt von außerordentlichem Willen, ein Ziel zu erreichen. Die zusätzliche Belastung sowie die Einschränkung der Freizeit ist in einem Fernstudium nicht unerheblich. Durch die damit verbundenen Kosten ist auch der Druck nicht außer Acht zu lassen. Wer diesen Faktoren Stand hält, beweist nicht nur überdurchschnittlich viel Engagement und Belastbarkeit. Zeitmanagement ist für Studenten an Fernhochschulen ebenfalls unerlässlich und spätestens während des Fernstudiums notwendig.

Bei der Wahl des Studienfachs sollten eigene Interessen mit den beruflichen Zielen verschmelzen. Da ein Selbststudium viel Eigeninitiative abverlangt, ist Spaß und Interesse an dem Fach unabdingbar. Natürlich kann ein Fernstudium rein aus Karrierezielen begonnen werden. Doch dies ist keine Voraussetzung dafür, ein Selbststudium positiv zu nutzen.

Die Aussichten nach einem Fernstudium sind durchweg positiv. Da der Abschluss staatlich anerkannt ist, finden sich keine Unterschiede zu herkömmlichen Studienabschlüssen. Meinungen, dass Abschlüsse an Fernhochschulen gekauft sind, sind heutzutage längst überholt. Personalverantwortliche wissen um den Druck, die Leistungsbereitschaft und Belastbarkeit, die mit einem Fernstudium einhergehen.
Darüber hinaus hat eine Studie der Hochschule Fresenius gezeigt, dass Personalverantwortliche den Abschluss eines berufsbegleitenden Fernstudiums gleichwertig und sogar positiver als ein Vollzeitstudium sehen.

Gute Gründe für ein Fernstudium gibt es demnach viele. Doch jeder bestreitet seinen eigenen Weg und sollte demnach abwägen, inwiefern ein Fernstudium den weiteren Lebensweg positiv beeinflusst.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: ESB Professional -#01: Agenturfotografin  -#02: GaudiLab

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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