Betriebliche Weiterbildung: Rechte und Chancen

Nach der Ausbildung oder dem Studium sind viele Mitarbeiter noch lange nicht fertig. Das Lernen im Beruf geht über die gesamte Laufbahn. Noch besser ist es aber, eine betriebliche Weiterbildung in Anspruch nehmen zu können. Diese hat auch für das Unternehmen selbst viele Vorteile.

Betriebliche Weiterbildung: Was ist darunter zu verstehen?

Die betriebliche Weiterbildung ist ein Begriff, der häufiger fällt und aktuell für viel Interesse sorgt. In der Definition wird immer dann von einer betrieblichen Weiterbildung gesprochen, wenn das Unternehmen oder der Vertrieb die Weiterbildung teilweise oder auch komplett finanziert. Diese Weiterbildungen schließen an eine berufliche Erstausbildung an. Das heißt, das Personal kann sich in seinem eigenen Aufgabenfeld weiterentwickeln und so noch mehr Kompetenzen erlangen.

Diese Form der Weiterbildung hat einen hohen Stellenwert bei der Personalentwicklung. Im Job sollen Mitarbeiter stetige Leistung erbringen. Dabei ist es aber wichtig, dass sie sich an den aktuellen Geschehnissen orientieren können und inhaltlich auf dem neuesten Stand bleiben. Nicht immer lässt sich dies umsetzen. Das Unternehmen ist daher im Zugzwang und muss reagieren.

Auf dieser Basis wurde die betriebliche Weiterbildung entwickelt. Die Arbeitsfelderweiterung bringt dem Mitarbeiter und dem Unternehmen nur Vorteile.

Video: Welche Bedeutung hat die berufliche Weiterbildung?

Die Vorteile der betrieblichen Weiterbildung

Nicht jedes Unternehmen oder jeder Betrieb bietet diese Fortbildungen an. Dies ist natürlich auch ein enormer Kostenfaktor. Grundsätzlich ist es jedoch empfehlenswert, als Unternehmen darüber nachzudenken, die Ausbildung in dieser Form mit in die Personalentwicklung aufzunehmen.

Dafür sprechen verschiedene Vorteile:

  • Höhere Leistung durch die Mitarbeiter
    Eine Weiterbildung, die durch den Betrieb unterstützt wird, sorgt dafür, dass die Mitarbeiter eine höhere Leistung und mehr Motivation mitbringen. Dadurch sind sie innerhalb des Betriebes meist auch vielseitig einsetzbar. Davon profitieren auch die Mitarbeiter, die so vielleicht auch innerhalb des Unternehmens wechseln können.
  • Innovation im Unternehmen
    Die betriebliche Weiterbildung bringt die Mitarbeiter weiter, wenn es um neue Innovationen geht. Gerade bei den Technologien, aber auch bei den Geschäftsabläufen, werden diese Punkte interessant. Die Informationen über die Innovationen können auch dem Unternehmen Mehrwert bringen. Dies ist einer der Gründe, warum die Kosten teilweise durch die Betriebe übernommen werden. Dadurch möchten Unternehmen die Mitarbeiter ein Stück weit an sich binden. So gibt es teilweise Regelungen, bei denen sich die Mitarbeiter verpflichten, nach der Weiterbildung einen bestimmten Zeitraum weiter in dem Unternehmen zu arbeiten. So möchten die Firmen verhindern, dass die Mitarbeiter zwar die Fortbildung in Anspruch nehmen, anschließend aber zur Konkurrenz wechseln.
  • Mehr Zufriedenheit bei den Kunden
    Die Kunden werden durch die Mitarbeiter des Unternehmens betreut. Das heißt, die Angestellten sind die erste Anlaufstelle bei Fragen und Problemen. Da ist es ganz besonders ärgerlich, wenn die Antworten den Kunden nicht reichen. Mit einer stetigen Fort- oder Weiterbildung wird verhindert, dass die Angestellten nicht auf dem aktuellen Stand der Dinge sind. Dazu kommt, dass Weiterbildungen die Effizienz der Mitarbeiter steigern. Effizienter arbeitende Mitarbeiter sind natürlich auch für die Kunden von Vorteil.
  • Die Erhöhung der Mitarbeiterbindung
    Das Angebot an Weiterbildungsmöglichkeiten ist für Bewerber teilweise sogar ein Punkt, der die Entscheidung für oder gegen einen Arbeitgeber beeinflussen kann. Angestellte möchten in der heutigen Zeit nicht mehr auf der Stelle treten. Sie haben selbst auch ein Interesse daran, die Karriereleiter nach oben zu gehen und möchten dabei durch das Unternehmen unterstützt werden. Die individuelle Entwicklung der Angestellten sorgt damit also für eine höhere Mitarbeiterbindung. So zeigen Forschungen, dass Trainingsmöglichkeiten die Bindung der Arbeitnehmer an das Unternehmen um immerhin bis zu 70 % erhöhen können.
  • Besseres Risikomanagement
    Das Unternehmensrisiko ist ein wichtiger Punkt, der bei Firmen immer wieder für Probleme sorgt. Natürlich soll dieses so gering wie möglich gehalten werden. Auch in diesem Fall ist die betriebliche Weiterbildung ein wichtiges Thema. So wird sie gerne in einem Atemzug genannt mit dem Sicherheits- und Gesundheitstraining. Dieses dient dazu, Krankheiten bei den Angestellten zu vermeiden. Weiterbildungen in diesem Bereich helfen den Angestellten zudem, sich gegen sexuelle Belästigung durchzusetzen und sicherzustellen, dass die Mitarbeiter auf verschiedene Eventualitäten vorbereitet sind. Dadurch kann das Unternehmensrisiko auf Personalebene noch einmal verändert werden.
  • Besserer Wissenstransfer
    Bei den betrieblichen Weiterbildungen wird natürlich ein spezielles Wissen vermittelt. Dieses Wissen wird durch die Mitarbeiter an die Kollegen weitergegeben. Dadurch kommt es zu einem hervorragenden Wissenstransfer, der im Vordergrund steht. So sorgen die Weiterbildungen also nicht nur dafür, dass die Angestellten, die daran teilnehmen, profitieren. Auch das gesamte Unternehmen hat Vorteile davon, wenn das Erlernte unter den Kollegen weiter transportiert wird.

Video: Aus- und Weiterbildung – Weiterbildungsfinanzierung in Deutschland

Die Kosten der betrieblichen Weiterbildung

Fortbildungen kosten Geld und dieses Geld muss natürlich auch investiert werden. An dieser Stelle stellt sich die Frage, wer die Kosten für die betriebliche Weiterbildung eigentlich übernimmt. Tatsächlich gibt es für die Zahlung vier verschiedene Säulen. Hier steht einmal der Arbeitnehmer, der einen Teil der Kosten selbst tragen muss, da er für seine Karriere natürlich stark profitiert.

Dann gibt es den Arbeitgeber. Auch dieser hat ein großes Interesse daran, dass die Angestellten an den Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen und übernehmen daher einen Kostenanteil. Schließlich gibt es noch den Staat und die Bundesagentur für Arbeit. Die Kosten verteilen sich in der Regel in unterschiedlichen Prozenten.

  1. Unternehmen tragen einen Kostenanteil von 30 Prozent.
  2. Mitarbeiter zahlen rund 38 Prozent der betrieblichen Weiterbildung.
  3. Die Bundesagentur zahlt einen Anteil von 11 Prozent.
  4. Der Staat übernimmt Kosten in Höhe von bis zu 21 Prozent.

Die Kosten der Weiterbildung haben dabei verschiedene Anteile. So gibt es die direkten und die indirekten Kosten. Bei den direkten Kosten handelt es sich um Gebühren, die für das Kursmaterial gezahlt werden müssen. Die indirekten Kosten sind unter anderem die Kosten, die durch den Ausfall der Mitarbeiter für die Zeit der Weiterbildung dem Unternehmen entstehen. Da es verschiedene Arten der Weiterbildung gibt, kann die Höhe der Kosten auch unterschiedlich ausfallen.

So gibt es die folgenden Varianten:

  1. Externe Lehrveranstaltungen
  2. Interne Lehrveranstaltungen
  3. Informationsveranstaltungen
  4. Selbst gesteuertes Lernen
  5. Weiterbildungspersonal
  6. Umschulungsmaßnahmen
In Zeiten von Industrie 4.0 und der Digitalisierung der Unternehmen stellt sich natürlich die Frage, wie sich auch bei der Weiterbildung etwas verändert. (#01)

In Zeiten von Industrie 4.0 und der Digitalisierung der Unternehmen stellt sich natürlich die Frage, wie sich auch bei der Weiterbildung etwas verändert. (#01)

Wie werden betriebliche Weiterbildungen durchgeführt?

In Zeiten von Industrie 4.0 und der Digitalisierung der Unternehmen stellt sich natürlich die Frage, wie sich auch bei der Weiterbildung etwas verändert. Fakt ist, dass die Unternehmen in diesem Bereich noch relativ wenig fortschrittlich sind. So wurde 2016 eine Umfrage durch den Digitalverband Bitkom durchgeführt. Hier wurde festgestellt, dass es durchaus ein großes Interesse an digitalen Weiterbildungsmöglichkeiten gibt.

Die Unternehmen nutzen dabei in erster Linie webbasierte Lösungen, auf die Mitarbeiter zurückgreifen können. Dicht gefolgt werden die Lösungen durch Lernprogramme, die sich direkt auf dem Computer installieren lassen. Jedes fünfte Unternehmen nutzt die Variante, Online-Seminare in Anspruch nehmen zu können. Interaktive Videos werden dagegen nur von jedem 8. Unternehmen eingesetzt.

Damit interessieren sich die Unternehmen vor allem für klassische Lösungen, die ihnen geboten werden. Dafür kommen neue Lernformen kaum zum Einsatz. Apps für das Smartphone oder das Tablet sowie E-Books werden für die betriebliche Weiterbildung kaum genutzt. Auch Lernspiele oder die Angebote, die von Online-Universitäten online gestellt werden, finden nur wenig Absatz. Gerade weil es bei den Weiterbildungen jedoch häufig um die aktuellen Technologien geht, ist es empfehlenswert, dass diese Technologien auch bei der Fortbildung zum Einsatz kommen.

Viele Unternehmen behalten sich vor, dass der Arbeitnehmer einen Anteil der Kosten an das Unternehmen erstatten muss, wenn er nach der Weiterbildung aussteigt. (#02)

Viele Unternehmen behalten sich vor, dass der Arbeitnehmer einen Anteil der Kosten an das Unternehmen erstatten muss, wenn er nach der Weiterbildung aussteigt. (#02)

Rückzahlungskosten im Rahmen der betrieblichen Weiterbildung

Viele Unternehmen behalten sich vor, dass der Arbeitnehmer einen Anteil der Kosten an das Unternehmen erstatten muss, wenn er nach der Weiterbildung aussteigt. Die Rückzahlungsklauseln sollen als Sicherheit dienen, dass eine Firma nicht umsonst in einen Mitarbeiter investiert und dieser dann durch das von der Firma bezahlte zusätzliche Wissen eine andere Stelle in Anspruch nimmt. Allerdings ist zu beachten, dass diese Klauseln das Recht der Arbeitnehmer auf einen Arbeitsplatzwechsel einschränken können. Hier gibt es daher klare Vorgaben bei der Rechtsprechung:

a) Klare Vereinbarungen treffen
Die Rückzahlungsklauseln müssen sich dann an dem BGB orientieren, wenn vorformulierte Vertragsbedingungen zum Einsatz kommen. Diese Vertragsbedingungen werden dem Arbeitnehmer durch den Arbeitgeber vorgelegt und nicht in beidseitigem Einverständnis erst erstellt. Direkt ausgehandelte Rückzahlungsklauseln werden in der Praxis nur selten eingesetzt. Dies hängt damit zusammen, dass die Vertragsbedingungen durch den Arbeitgeber bestimmt werden.

Damit ein Anspruch auf die Rückerstattung der Kosten besteht, muss eine Vereinbarung vorliegen. Diese Vereinbarung muss eine klare Formulierung erhalten, damit der Arbeitnehmer auch erkennen kann, welche Pflichten er mit Unterzeichnung hat.

b) Zeitliche Klarheit
Die Rückzahlungsbedingungen müssen in einem angemessenen zeitlichen Rahmen vor Beginn der Maßnahme vorliegen. Nur so hat der Arbeitnehmer auch die Möglichkeit, diese zu kontrollieren und zu entscheiden, ob er sie nutzen möchte. Wenn die Maßnahme schon begonnen wurde, darf der Arbeitgeber die Klausel nicht nachreichen. Wenn es sich nicht anders lösen lässt, dann muss der Arbeitnehmer ausreichend Zeit haben um entscheiden zu können, ob er die Klausel akzeptieren möchte.

c) Prüfung der Klausel
Die Klausel muss klar geprüft werden. So soll sichergestellt werden, dass diese auch zulässig ist und erstellt werden darf. Wichtig ist zu schauen, ob der Arbeitnehmer durch die Weiterbildung auch von einer hohen Gegenleistung profitiert oder ob hier möglicherweise sogar ein geldwerter Vorteil vorliegt. Nur dann können die Klauseln auch geschrieben werden.

Dass sich ein Arbeitnehmer an den Kosten beteiligen muss, ist meist dann der Fall, wenn diese für ihn berufliche Vorteile mit sich bringt. Auch die Bindungsdauer, die in der Klausel angegeben ist, muss im Verhältnis zu den Vorteilen stehen, die eine Weiterbildung mit sich bringt.


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Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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