Erotik-Friseur: Traumjob oder Ausgeburt der Phantasie?

Erotik-Friseur: Traumjob oder Ausgeburt der Phantasie?

Pin It

Von Zeit zu Zeit geistert der Erotik-Friseur durch die Presse, zumal durch das Internet. Da fragt man sich doch schon mal, was sich dahinter verbirgt. Die Fotos zu den Artikeln sind meist textilbefreit, die sichtbaren Blicke lassen tief blicken.

Der Erotik-Friseur: In-Arbeitsplatzfür Extrovertierte

Zweifel hin und Zweifel her, es gibt ihn tatsächlich, den Erotik-Friseur. Auf YouTube findet man auch Video-Clips von dem einen oder anderen YouTube-Friseur, die einem Einblick in das Geschehen in dem aufmerksamkeitsstark benannten Friseursalon geben. Wer arbeitet dort? Kann ich das auch? Was muss ich da tun?

Eigentlich ist es recht simpel. Auch beim Erotik-Friseur geht es ums Haare schneiden. Insofern ist hier eine Ausbildung zum Friseur / zur Friseurin eine wichtige Voraussetzung für eine Tätigkeit beim Erotik-Friseur. Eine Besonderheit kommt ins Spiel, wenn es um das Auftreten im Frisörsalon geht, denn der Erotik-Friseur als Unternehmen lebt davon, dass eben auch ein Hauch von Erotik in der Luft liegt. Das muss nicht unbedingt ausschließlich nackte Haut sein. Das kann auch bedeuten, den Bikini zu tragen, während man den Kunden zur neuen Frisur verhilft.

Ob man im Bikini durchs Freibad über die Wiese schlendert oder im Friseursalon den Kunden die Haare schneidet, ist sicher nicht unähnlich, aber doch schon etwas anderes. Klar. Die kurzen Distanzen am Friseurstuhl schaffen eine ganz besondere Nähe, die für eher schüchterne Persönlichkeiten nicht gut auszuhalten sind.

Mancher Erotik-Friseur lässt auch Reizwäsche statt dem Bikini tragen, was natürlich noch etwas Öl ins Feuer gießt. Und eines muss man sich auch ins Gedächtis rufen: tendentiell werden die Kunden eher männlich sein und wir wissen, wie der Anblick der leicht bekleideten Friseurin auf die Typen wirkt. Da wird schnell der Wunsch nach „Mehr“ wach, den man für den Rest der Sitzung nicht mehr aus dem Kopf bekommt – sofern dieser überhaupt noch aktiv ist.

Will Frau das? Will Mann das? Für den Friseurbetrieb ist diese Art der Leistungserbringung sicher eine aufmerksamkeitsstarke Marketing-Angelegenheit, die Kundschaft in den Laden spült. Für das Personal ist es tagtäglich neu eine besondere Situation, der man sich nicht unbedingt aussetzen will.

Erotik-Friseur „Aktschnitt“ in Berlin

Wir haben mal mehrere Exemplate der Gattung „Erotik-Friseur“ im digitalen Zoo besucht. Auf YouTube finden wir einige Clips, welche Einblicke in Details zulassen. Das erste Exemplar steht – oder genauer stand – in einem Berliner Gehege. Der Erotik-Friseur „Aktschnitt“ eröffnete im Jahr 2009 seine Pforten. Der Friseursalon lag inmitten eines Wohngebiets. Die Bild-Zeitung berichtete. Man darf sicher sein, dass das generierte Medienecho für sofortige Bekanntheit sorgte.

Wer einen Blick in den Salon werfen will, der klicke doch bitte auf den nachfolgenden YouTube-Clip.

Die erwartete Anziehungskraft war offenbar größer als die tatsächliche. Oder sie war da und „mann“ scheute sich dann doch ein wenig, unter den kritischen Blicken der Nachbarschaft den Salon des Erotik-Friseurs zu betreten. Mittlerweile hat Aktschnitt jedenfalls schon wieder geschlossen. Der Rummel ist vorüber.

Der Erotik-Friseur „Le521“ in Frankreich

Auch unser Nachbarland Frankreich kennt einen Erotik-Friseur. Klar, im Land der Liebe ist ein Etablissement dieser Gattung auch recht stimmig beheimatet – zumindest, wenn wir unseren gängigen Vorurteilen folgen. Wir haben uns natürlich sofort die Frage gestellt „Was ist bei einem Erotik-Friseur in Frankreich anders als in einem solchen in Deutschland?“. Egal, was eine Französin tut und lässt, jeder Bewegung haftet mehr verführerische Weiblichkeit an. Wie wirkt sich das beim Erotik-Friseur aus? Hält das die französische Kundschaft überhaupt aus? Oder ist man alldort etwas abgestumpfter und erträgt die höhere „Sendeleistung“ besser?

Okay, jetzt haben wir den Mund recht voll genommen. Wir wollen dann aber mal gleich mit allen Gerüchten aufräumen und Fakten folgen lassen. Wir begeben uns alsodann tief in die französische Provinz, denn der uns bekannte Erotik-Friseur wurde nicht in der Capitale de l’armour Paris eröffnet, wie man es sich hätte erwarten dürfen. Völlig abseits der ville lumière zog es den Unternehmensgründer im Jahr 2011 in das Örtchen Cavaillon. Der Ort Cavaillon liegt übrigens im Departement Vaucluse in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur.

25.636 Einwohner zählt der Ort. Das Projekt „Le521“ weckte sie allesamt aus ihrem Dornröschenschlaf auf. Der Sturm des Protests, den die Eröffnung des Le521 hervorrief, lässt einen Tsunami als laues Sommerlüftchen erscheinen. So dauerte es denn auch nicht allzulange bis das Le521 wieder schließen musste. Es ist durchaus erstaunlich, dass sich hier ausgerechnet die Franzosen als prüde uns konservativ gezeigt haben.

Wer einen neugierigen Blick in den Salon „Le521“ werfen möchte, kann dies hier rasch tun. Der nachstehende Clip blieb uns gottlob erhalten.

Sehr verheissungsvoll klangen auch die werbenden Worte des Le521, mit denen man die Klientel auf sich aufmerksam machte. Natürlich klingt im Französischen alles wesentlich verführerischer, als es das im Deutschen kann. Das liegt nicht nur aber auch am Klang der Sprache. Das liegt aber auch an der Art, die Dinge zu benennen, zu formulieren. Das Le521 empfängt seine Kunden in einer „ambiance intimiste et chaleureuse“. Was immer mit „chaleureuse“ gemeint war, man bekommt sofort einen Eindruck davon, was es sein könnte… Der Haarschnitt wird im Erotik-Friseur „par une professionnelle“ ausgeführt. Das leicht zweideutige Wortspiel macht die Schwierigkeit der Abgrenzung zu einem anderen Gewerbe deutlich, denn der Begriff der „Professionellen“ ist in der französischen Sprache recht eindeutig besetzt. War dieser Wortgebrauch nun Absicht? Zufall? Honi soit qui mal y pense!

Erotik-Friseur „Bikini-Cuts“ in West Jordan

In Amerika ist bekanntlich alles „brighter“ und „shiny“. So ist es denn auch beim Thema Erotik-Friseur. Der Amerikaner Mike Fuller eröffnete gleich mehrere Erotik-Friseur-Salons. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten durfte man auch nicht weniger erwarten. Mike Fuller war sehr erfolgreich mit seinem Geschäftsmodell und beschloss, weitere Filialen zu eröffnen.

Seine ersten Filialen eröffnete der Erotik-Friseur „Bikini Cuts“ in Sandy und West Jordan. Beide Orte liegen im US-Bundesstaat Utah. Seine Expansion startete Mike Fuller denn auch im gleichen Bundesstaat. Ob Utah die Eröffnung von Friseursalons begünstigt, wissen wir nicht. Jedenfalls war es im Jahr 2005, als Mike Fuller beschloss, als nächste Standorte Provo bzw. Orem und Salt Lake City anzuvisieren.

Seine Aktivitäten in Provo/Utah stießen auf massiven Widerstand in der Bevölkerung. Die 116.288 Bewohner der US-Kleinstadt in der Nähe von Salt Lake City gingen auf die Barrikaden. Dass die Amerikaner recht prüde sind, weiß man. Dass sie so wenig Toleranz besitzen, überrascht dennoch.

Der Anwalt und Nachbarschaftsaktivist Jacki DeGaston führte die Gegenbewegung. Auch das Blatt „Deseret News“ berichtete darüber. Jacki DeGaston erklärte ohne rot zu werden – „Provo ist ein Ort, an den Leute ziehen, die eine gute Umgebung für ihre Kinder suchen. Es ist ein Ort mit religiösen Standards. Wir brauchen Gesetze, welche eine Erosion dieses Image verhindern.“. Diese Äußerung stammt aus dem Jahr 2005, auch wenn man mehr das Mittelalter vermuten würde.

Mike Fuller zeigte sich wesentlich geschickter im Umgang mit den Medien. Aufmerksamkeitsstarke und rhetorisch geschickte Auftritte in der Öffentlichkeit halfen ihm. Seine Äußerung „Unsere Friseurinnen schneiden Haare im gleichen Outfit, in welchem man Frauen im Swimming Pool oder im Fitness-Center sieht.“ waren ein Stoß ins Herz von Jacki DeGaston.

Wie sah er aus, der Erotik-Friseur Bikini-Cuts in West Jordan? Wir zeigen es euch. Nachfolgender Video-Clip enthüllt schamlos, was alles dort zu sehen gibt und was Jacki DeGaston in Rage brachte.

Sicher gäbe es noch weitere Beispiele an Erotik-Friseuren auf dieser Welt. Wir wollen es mal dabei belassen. Als Berufsbild taugt der Erotik-Friseur nicht wirklich, da diese Frisörsalons offenbar nie lange aktiv sind. Wer sich dennoch mal den Spaß geben möchte – sei es als Besucher oder als Friseur/In, der sollte aufmerksam die Presse im Auge behalten. Es wird sicher wieder mal einen geben…


Bildnachweis: © Fotolia – razoomanetu

Pin It

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

Marius BeilhammerErotik-Friseur: Traumjob oder Ausgeburt der Phantasie?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.