Berufswahl: Was soll ich werden?

Berufswahl: Was soll ich werden?

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Was willst du werden?“ Kinder beantworten diese Frage nach dem späteren Beruf oft sehr spontan und emotional. Später wird es schwieriger: Für viele Schulabgänger ist die Berufsfindung sehr kompliziert. Welcher Beruf passt zu mir? Soll ich eine Ausbildung oder ein Studium beginnen? Welche Stärken und Schwächen habe ich wirklich? In welchem Job kann ich mich verwirklichen, viel Geld verdienen oder eine gute Karriere machen? Für welchen Arbeitgeber will ich tätig sein? All diese Fragen zur Berufswahl sind schwer zu beantworten und machen die Berufswahl kompliziert. Dazu kommt die scheinbar unbegrenzte Auswahl an Berufen und Jobs und die Einschränkungen, die sich durch ein Studium oder eine Ausbildung ergeben können.

„Was wollen Sie werden?“

Wir geben Tipps, wie Sie der Antwort auf diese Frage näherkommen. Und wir verraten Ihnen, warum Sie die Frage vielleicht sogar anders stellen müssen.

Das Berufsleben hat sich verändert!

Und, was machst du beruflich?“ Meist ist das eine der ersten Fragen, wenn wir eine neue Person kennenlernen. Der Beruf, die Ausbildung, das Studium oder der Arbeitgeber scheinen uns gute Aspekte, um jemanden einschätzen zu können. Und: Unser Beruf ist sehr eng mit unserem Selbstbild verbunden, wir identifizieren uns mit unserem Job und (im Idealfall) mit unserem Arbeitgeber. Nicht umsonst ist Arbeitslosigkeit auch für das Selbstbewusstsein und das Lebensglück oft so schädlich. Im Gegensatz zu früheren Zeiten hat sich jedoch die Berufswelt deutlich geändert: Der lineare Weg – nach der Ausbildung oder dem Studium einen Job zu ergreifen und diesen bis zur Rente auszuführen – ist heute eine Seltenheit geworden. Die meisten Menschen wechseln in ihrem Leben häufiger den Arbeitgeber oder sogar den kompletten Beruf. Das ist einerseits erleichternd: Eine Fehlentscheidung nach der Schule wirkt sich nicht unbedingt auf das komplette Leben aus, wir können immer noch eine andere Richtung im Job einschlagen. Andererseits macht es aber die Berufswahl für viele fast beliebig und damit noch schwieriger. Welches Studium, welche Ausbildung und welchen Job soll man denn ergreifen, wenn so gar nicht klar ist, wie das Leben weiterlaufen wird? Ein Berufstest kann die richtige Richtung andeuten.

Berufstests – ein Test genügt nicht!

Ein Test bei einer Berufsberatung, und schon ist die Sache klar? So einfach ist es bei Weitem nicht! Ein Berufstest kann an verschiedenen Punkten der Berufsfindung sehr hilfreich sein, aber er nimmt uns die Arbeit nicht ab, uns mit unseren eigenen Wünschen, Träumen, Stärken und Schwächen zu beschäftigen. Wer noch gar nicht weiß, in welche Richtung es gehen könnte, ist gut damit beraten, schon zu Beginn der Suche einen Test durchzuführen. Er hilft, den Blick dafür zu schärfen, wie viele verschiedene Jobs es überhaupt gibt und welche Fragen man sich stellen kann, um den perfekten Beruf, die ideale Ausbildung oder das perfekte Studium zu finden.

Ein Anfang kann zum Beispiel dieser Test sein: http://www.erdbeerlounge.de/tests/karriere/karrieretest/ Er soll einen Anhaltspunkt dafür liefern, welcher Job-Typ Sie sind, und besteht aus 19 nicht immer ganz ernst gemeinten Fragen rund um Beruf, Studium und Interessen. Wichtiger als das Ergebnis sind die Fragen selbst: Sie geben Hinweise darauf, welche Faktoren bei der Berufswahl eine Rolle spielen können.

(Natürlich ist dies nicht der einzige Test, den Sie durchführen können. Wir stellen Ihnen später noch weitere vor.)

Hören Sie auf ihr Bauchgefühl. Massive Zweifel am Ergebnis des Tests zeigen Ihnen, dass das scheinbare Ergebnis nicht real ist, nicht zu Ihnen passt. (#1)

Hören Sie auf ihr Bauchgefühl. Massive Zweifel am Ergebnis des Tests zeigen Ihnen, dass das scheinbare Ergebnis nicht real ist, nicht zu Ihnen passt. (#1)

TIPP:
Wenn bei einem Berufstest ein Ergebnis herauskommt, dass Ihrem Empfinden nach gar nicht zu Ihnen passt, dann haben Sie vermutlich recht. Einen Test zu machen und dann unüberlegt eine Bewerbung abzuschicken, ist sicher der falsche Weg. Gerade ein kurzer Test kann Ihnen nicht zuverlässig den passenden Beruf herausfinden. Aber selbst wenn das Ergebnis nicht stimmt, haben Sie trotzdem einiges über sich selbst gelernt, das Sie bei einer späteren Bewerbung berücksichtigen können. Und darum geht es in erster Linie.

Welcher Beruf passt zu mir? – Die richtigen Fragen stellen!

Die Frage „Was will ich werden?“ greift sehr häufig zu kurz. Wichtiger sind andere Fragen, zum Beispiel:

  1. Was ist mir bei der Arbeit besonders wichtig: Guter Verdienst? Eine schnelle Karriere? Die Möglichkeit, mich zu verwirklichen? Eine gute Vereinbarkeit mit der Familie?
  2. Welche Arbeitszeiten passen zu mir: Macht es mir etwas aus, sehr früh mit der Arbeit zu beginnen? Oder am Wochenende zu arbeiten? Sind mir Jobs mit geregelten Arbeitszeiten wichtig?
  3. Arbeite ich lieber geistig oder körperlich?
  4. Bin ich gerne mit vielen Menschen zusammen oder arbeite ich lieber alleine und in Ruhe?
  5. Für welchen Arbeitgeber möchte ich gerne tätig sein: Lieber für einen kleinen, familiären Betrieb oder ein bekanntes Großunternehmen? Für eine Firma, die in der Wirtschaft erfolgreich ist oder für eine Non-Profit-Organisation mit nachhaltigem Hintergrund?
  6. Welche Rolle nehme ich in Gruppen ein: Bleibe ich lieber im Hintergrund oder bin ich der geborene Gruppenleiter?
  7. Kommt für mich ein Studium infrage? Oder will ich lieber eine Ausbildung machen?

Das Wissen um diese und ähnliche Fragen gibt schon deutliche Hinweise darauf, welche Ausbildung, welches Studium und welcher Beruf sich eignen könnte.

TIPP:
Auch für eine Bewerbung ist dieses Wissen sehr wichtig. Wer sich selbst gut kennt, kann sich in der schriftlichen Bewerbung gut darstellen und in Gesprächen viel souveräner auf Fragen reagieren. Und das kann entscheidend sein: Von einer guten Bewerbung hängt sehr vieles ab.

Die eigenen Stärken und Schwächen herausfinden:

Für viele Menschen ist der Gedanke "Stärken fördern statt Schwächen eliminieren" neu. Dennoch: es ist der schnellere und nachhaltig bessere Weg zum beruflichen Erfolg. (#2)

Für viele Menschen ist der Gedanke „Stärken fördern statt Schwächen eliminieren“ neu. Dennoch: es ist der schnellere und nachhaltig bessere Weg zum beruflichen Erfolg. (#2)

Viele Menschen haben große Schwierigkeiten damit, ihre eigenen Stärken und Schwächen zu benennen. Das Wissen darüber ist aber nicht nur für eine Bewerbung wichtig. Es ist auch nötig, um herauszufinden, welcher Beruf passt. Mit diesen Tipps finden Sie leichter heraus, wo Ihre Stärken liegen und welcher Job für Sie infrage kommt:

  • Tipp 1: Frage nach den Lieblingsfächern in der Schule
    Wenn Sie noch Schüler sind oder die Schulzeit noch nicht lange her ist, ist diese Frage sehr hilfreich: Was sind Ihre Lieblingsfächer in der Schule? Je länger die Schulzeit (oder Ausbildung bzw. Studium) her ist, umso stärker können sich die Fähigkeiten und Vorlieben geändert haben. Fragen Sie sich dann also, ob Sie diese Fächer auch heute noch gerne mögen würden.
  • Tipp 2: Frage nach den Hobbys
    Dinge, die wir gerne machen, fallen uns meistens auch leicht. Oder umgekehrt: Meist machen wir die Dinge gerne, die uns besonders gut von der Hand gehen. Deshalb können Sie sich Ihre Hobbys und Leidenschaften ansehen und daraus Wissen schöpfen, wo Ihre Stärken liegen. Sie lesen viel? Das spricht für ein breit gefächertes Interesse, für Fantasie und dafür, dass Sie gerne für sich sind. Sie joggen leidenschaftlich gerne? Dann liegen Ihre Stärken vielleicht im körperlichen Bereich oder in Geduld und Ausdauer. Gerade Hobbys, die auf Ihre Stärken hinweisen, sollten Sie übrigens auch in einer Bewerbung angeben!
  • Tipp 3: Die Meinung von anderen einholen
    Das Selbstbild reicht oft nicht aus, um die eigenen Stärken und Schwächen herauszufinden. Es ist viel zu oft von Wunschbildern oder Selbstkritik geprägt. Fragen Sie deshalb andere Menschen nach Ihrer Meinung. Das können Freunde und Verwandte sein. Wenn Sie noch Schüler sind, ist auch die Einschätzung von (vertrauenswürdigen und netten) Lehrern sehr hilfreich.

Übrigens:
Die meisten Menschen verwenden viel Energie darauf, ihre Schwächen loszuwerden. Viel effektiver ist es jedoch, an den eigenen Stärken zu arbeiten. Eine Schwäche können Sie nur mit viel Energie reduzieren. Bei Ihren Stärken können Sie dagegen mit weniger Energie und Spaß Höchstleistungen erzielen. Konzentrieren Sie sich deshalb lieber darauf, in der Freizeit und im Beruf.

Was bringen Berufstests?

Ein Berufstest ist dafür gedacht, klare Hinweise darauf zu geben, welcher Beruf für Sie geeignet sein könnte. Solche Tests werden zum Beispiel im Rahmen der Berufsberatung durchgeführt, die sich vor allem an Schüler richtet. Aber natürlich können Sie auch später noch eine Berufsberatung und einen Berufstest in Anspruch nehmen.

Online-Tests liefern sicher kein Ergebnis mit bestand bis in alle Ewigkeit. Aber für einen ersten Eindruck taugen sie allemal. Und zudem geben die Testate aus mehreren verschiedenen Online-Tests einen sehr guten Vergleich, da oftmals unterschiedliche verfahren zugrunde gelegt werden. (#3)

Online-Tests liefern sicher kein Ergebnis mit bestand bis in alle Ewigkeit. Aber für einen ersten Eindruck taugen sie allemal. Und zudem geben die Testate aus mehreren verschiedenen Online-Tests einen sehr guten Vergleich, da oftmals unterschiedliche verfahren zugrunde gelegt werden. (#3)

Außerhalb der Beratung gibt es auch jede Menge Tests, die online zur Verfügung stehen. Manche geben konkrete Hinweise darauf, für welche Jobs Sie geeignet sein könnten. Andere bleiben allgemeiner und geben eher Auskunft über Eignungen und Stärken. In der Berufsberatung und bei dem einen oder anderen Berufstest im Netz können Sie außerdem gleich wichtige Informationen über den jeweiligen Job, die Ausbildung oder das Studium und über eine mögliche Karriere bekommen. Und: Sie bekommen Tipps für eine gute Bewerbung.

Wir stellen Ihnen einige Berufstests vor, die Sie im Netz finden, und verraten Ihnen, ob diese Tests Ihnen wirklich sagen kann, welcher Beruf passt.

  1. 1. Der Berufstest bei erdbeerlounge.de:
    www.erdbeerlounge.de
    Auf diesen Test haben wir zu Beginn des Artikels schon hingewiesen. Er geht schnell und regt zum Nachdenken an. Das Ergebnis bezieht sich nicht auf konkrete Jobs, sondern gibt einen Hinweis, für welche Berufsgruppe Sie geeignet sein könnten: Manager(in)? Selbstständige(r)? Angestellte(r)? Der Test ist also gut, um eine erste Idee zu vermitteln, in welche Richtung es gehen könnte. Ein konkreter Beruf wird in diesem Berufstest aber nicht empfohlen.
  2. 2. Der Berufstest bei jolie.de
    www.jolie.de
    Dieser Test ist noch kürzer und schneller. Auch er gibt eher Denkanstöße als echte Empfehlungen für einen passenden Job. Der Test bietet sich vor allem für Schüler an, die einen ersten Eindruck von ihren Möglichkeiten bekommen wollen oder sich auf eine Bewerbung vorbereiten. Ein konkreter, sicher passender Tipp für die Berufswahl ist hier eher nicht zu erwarten. Aber das gilt für die meisten Tests, die so kurz sind. Hilfreiches Wissen können sie trotzdem vermitteln.
  3. 3. Die Tests des Geva-Instituts
    www.was-soll-ich-werden.de
    Die Tests von Geva sind sehr bekannt und bekommen auch immer wieder gute Bewertungen, zum Beispiel von Stiftung Warentest. Sie können gute Hinweise darauf geben, welcher Job oder Beruf passt. Es gibt unterschiedliche Berufstests für Schüler am Gymnasium oder an der Haupt-/Realschule. Die Tests sollen konkrete Hinweise darauf geben, welche Ausbildung oder welches Studium für Sie geeignet ist. Im Gegensatz zu anderen Tests gehen hier Psychologen und Berufsexperten die einzelnen Bögen durch und versenden ausführliche Auswertungen mit Tipps zur Berufswahl. Der Haken dabei: Die Tests sind nicht kostenlos. Ein Berufstest kostet rund 25 Euro, ist aber auch sehr umfangreich.
  4. 4. Der Berufstest den AK Oberösterreich
    www.berufsinteressentest.at
    Dieser Test ist unser Favorit unter den kostenlosen Berufstests im Netz. Er ist umfassend und erstellt ein klares Interessensprofil. Beim Beantworten der Fragen bekommt man selbst schon viele Ideen, welcher Job passend sein könnte. Viele unterschiedliche Aspekte der eigenen Stärken und Interessen werden abgefragt. Am Ende stehen gleich mehrere konkrete Hinweise darauf, welcher Beruf oder Job besonders gut zu den Antworten passt. Zusätzlich sind gleich Informationen zur Ausbildung oder zum Studium verlinkt. Mit diesem Test bekommen Sie also viele Tipps, welcher Beruf oder Job für Sie passen könnte. Er ist dabei so konkret, dass man direkt mit der Bewerbung für Ausbildung oder Job anfangen möchte.

TIPP:
Auch wenn Sie schon lange nicht mehr zur Schule gehen und eigentlich längst einen Beruf gefunden haben, kann ein Berufstest für Sie sinnvoll sein. Zum Beispiel dann, wenn Sie unzufrieden mit Ihrem Job sind. Oder wenn Sie sich fragen, ob ein zusätzliches Studium oder eine weitere Ausbildung Sie weiterbringen könnte. Oder wenn Sie gerne den Arbeitgeber wechseln möchten (oder müssen). Oder wenn Sie mal wieder eine Bewerbung versenden wollen und sichergehen möchten, dass Sie Ihre eigenen Wünsche und Stärken gut betonen. Oder, oder, oder … Die wenigsten Menschen üben heute einen einzigen Beruf von der Schule bis zur Rente aus. Egal, welche Ausbildung oder welches Studium Sie einmal durchlaufen haben: Orientieren Sie sich ruhig immer mal wieder mit einem Berufstest, ob Ihr Job noch zu Ihnen passt.


Bildnachweis: © unsplash.com – Titelbild + #1 Matthew Wiebe, pixabay.com – #2 907572, #3 skeeze

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Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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