Fussballprofi: Lohnt es sich, aus dem Hobby den Beruf zu machen?

Wer in jungen Jahren mit dem Fußballspielen anfängt, denkt spätestens als Jugendlicher über eine Profikarriere nach. Wir hart der Sport wirklich ist, wissen nur die wenigsten.

Was reizt am Profisport?

Die meisten gehen etwas blauäugig an die Sache heran und davon aus, dass sie als Profi den lieben, langen Tag Fußball spielen könnten. Doch es handelt sich um einen Profisport mit der nötigen Disziplin. Auch dann, wenn jemand keine Lust hat oder sich nicht gut fühlt, steht das Training oder das wichtige Spiel an. Zeit für die Familie bleibt kaum, Spielen und Reisen stehen auf dem Programm.

Hinzu kommt das Risiko, dem alle Profisportler ausgesetzt sind: Die zeitige Rente. Denn ab Mitte 30 geht es langsam bergab und spätestens mit Absinken der Leistungskurve ist es an der Zeit, sich über einen alternativen Job Gedanken zu machen. Nun werden sich viele vielleicht fragen, ob sie bis dahin nicht genug verdient haben werden, um sich einen frühen Lebensabend zu gönnen?

Bei einigen Spielern mag das durchaus stimmen, wenn wir uns die nachfolgende Liste mit den durchschnittlichen Gehältern anschauen:

  • Spieler beim FC Bayern München
    Durchschnittsgehalt von 5,28 Mio. Euro im Jahr
  • Bayer Leverkusen
    Durchschnittsgehalt von 1,79 Mio. Euro im Jahr
  • Borussia Dortmund
    Durchschnittsgehalt von 2,54 Mio. Euro im Jahr
  • TSG 1899 Hoffenheim
    Durchschnittsgehalt von 1,03 Mio. Euro im Jahr
  • SV Darmstadt 98
    Durchschnittsgehalt von 0,38 Mio. Euro im Jahr
Durchschnittlich verdienen die Spieler der Bundesliga 1,34 Mio. Euro pro Jahr, was pro Woche rund 111.000 Euro ausmacht.Durchschnittlich verdienen die Spieler der Bundesliga 1,34 Mio. Euro pro Jahr, was pro Woche rund 111.000 Euro ausmacht.

Durchschnittlich verdienen die Spieler der Bundesliga 1,34 Mio. Euro pro Jahr, was pro Woche rund 111.000 Euro ausmacht.

Diese Liste stellt nur eine Auswahl dar und beinhaltet nicht alle Bundesligisten. Gleichzeitig zeigt sie aber auch, wie groß der Abstand zwischen den am besten verdienenden Spielern beim FC Bayern München und den zweitplatzierten Spielern von Bayer Leverkusen ist. Natürlich lässt sich auch mit dem Letzten der Liste bzw. mit dessen Gehalt gut leben und die meisten uns wissen auf Anhieb wahrscheinlich nicht, was sie mit 380.000 Euro im Jahr anfangen sollten. Doch mit dem Gehalt wachsen auch die Ansprüche und so stellt dieses ein vergleichsweise mageres Einkommen dar.

Durchschnittlich verdienen die Spieler der Bundesliga 1,34 Mio. Euro pro Jahr, was pro Woche rund 111.000 Euro ausmacht.
Interessant sind auch die Ablösesummen, die auf bonus.net  in der Sparte News zu lesen sind. Neymar wurde für 222 Millionen von Paris eingekauft und damit für die höchste Summe, die je für einen Fußballer gezahlt worden ist. Ebenfalls aus dieser Quelle ersichtlich ist das Topgehalt des Carlos Tevez, als er noch für Shanghai Shenua spielte und 38 Millionen Euro pro Jahr bekam. Lionel Messi stellt aber alles in den Schatten und verdient pro Saison rund 46 Millionen Euro. Da lohnt sich das Fußballspielen wirklich!

Spieler beim FC Bayern München Durchschnittsgehalt von 5,28 Mio. Euro im Jahr (#01)

Spieler beim FC Bayern München Durchschnittsgehalt von 5,28 Mio. Euro im Jahr (#01)

Was brauchen angehende Profi-Fußballer?

Zuerst einmal braucht es natürlich jede Menge Begeisterung für den Fußballsport. Meist fangen die Jungen (und auch wenige Mädchen) mit dem Spielen an, wenn sie noch im Kindergartenalter sind. Danach geht es weiter: Förderung über die Schule, Mitglied im Fußballverein des Ortes, Kreis- und Landesliga. Danach ist aber oft Schluss, weil Disziplin oder Talent fehlt oder weil einfach ein anderer Lebensweg nach Beenden der Schule eingeschlagen wird.

Vielleicht hat sich der Betreffende auch davon überzeugen lassen, dass der Sport auf Dauer nicht die richtige Wahl sein könnte, vielleicht war das Talent bei Sichtungen als zu gering eingeschätzt worden. Vielleicht hat aber auch nur das Glück gefehlt, denn auch davon hängt der Fußballjob ab. Treffen bei einer Talentsichtung mehrere sehr gute Spieler aufeinander, hängt die eigene Auswahl oft vom Glück ab. Insofern ist die Profikarriere am Anfang oft mit einer Wette vergleichbar, denn auch hierfür sind das richtige Händchen (Talent) und Glück ausschlaggebend.

Wichtig ist allerdings auch, dass der Nachwuchs für den Fußball brennt, dass dieser nicht nur Spaß macht, sondern eine wirkliche Leidenschaft ist. So wie bei der Ü16-Trainerin Ulrike Ballweg, die ihr Hobby zum Beruf gemacht hat. Sie ist zwar nicht selbst als Sportlerin auf dem Feld aktiv, sondern als Trainerin, dennoch musste sie sich durch Talent und Fachwissen von den anderen abgrenzen.

Nicht nur die Bundesliga ist begehrt, sondern auch die Regionalliga. Amateurfußballer spielen hier in der für sie höchsten Klasse und nutzen eine Organisation und Infrastruktur, die wie in der Profiliga aufgebaut ist. (#02)

Nicht nur die Bundesliga ist begehrt, sondern auch die Regionalliga. Amateurfußballer spielen hier in der für sie höchsten Klasse und nutzen eine Organisation und Infrastruktur, die wie in der Profiliga aufgebaut ist. (#02)

Regionalligen als Alternative

Nicht nur die Bundesliga ist begehrt, sondern auch die Regionalliga. Amateurfußballer spielen hier in der für sie höchsten Klasse und nutzen eine Organisation und Infrastruktur, die wie in der Profiliga aufgebaut ist. Es gibt Ärzte und Physiotherapeuten, mehrere Menschen kümmern sich um die Spieler und deren Wohlergehen. Sogar die Trainer sind qualifiziert und längst keine Hobby-Trainer mehr. Da jedoch nicht nur der Spaß und ein wenig Ruhm im Fokus stehen, sondern auch das Geld, wenn mit dem Sport das Einkommen erzielt werden muss, ist die Frage, wie hoch denn der Verdienst in der Regionalliga sein könnte.

Genaue Angaben sind dabei schwer, denn das individuelle Gehalt hängt unter anderem von der Leistung und vom persönlichen Potenzial, von der Position auf dem Spielfeld und vom Alter des Spielers ab. Natürlich ist auch die finanzielle Leistungsfähigkeit des Vereins wichtig, denn dieser kann seinen Spieler nun einmal nur so viel zahlen, wie er selbst erwirtschaften kann. Ist der Verein gut und kann Sponsoren für sich gewinnen, profitieren auch die Spieler durch höhere Gehälter.

Es ist davon auszugehen, dass ein guter Stammspieler rund 1.500 bis 2.500 Euro im Monat netto verdient, wenn er eine gute Position in der Regionalliga bekommt. Ein Ersatzspieler wird sicherlich weniger verdienen. Die Spieler, die besonders leistungsstark sind und die Aufstiegschancen des Vereins maßgeblich beeinflussen können, bekommen oft mehr. Da es für die Regionalspieler meist nur ein Nebenjob ist, kann sich der Verdienst durchaus sehen lassen.

Wer sein Hobby zum Beruf machen möchte, muss also wirklich gut sein und viel Glück haben, damit er mindestens den Sprung in die Wer sein Hobby zum Beruf machen möchte, muss also wirklich gut sein und viel Glück haben, damit er mindestens den Sprung in die Regionalliga schafft. (#03)Regionalliga schafft. (#03)

Wer sein Hobby zum Beruf machen möchte, muss also wirklich gut sein und viel Glück haben, damit er mindestens den Sprung in die Regionalliga schafft. (#03)

Zusatzverdienst in der Regionalliga

In der Regionalliga bleibt es nicht beim Grundgehalt, das die Spieler ausgezahlt bekommen. Oft gibt es zusätzliche Prämien oder Zuschüsse von Sponsoren, die für Spieler in niedrigen Ligen oft die einzigen Einkommensquellen sind. Sie erhalten dann diese Zuschüsse und Prämien, dazu eine Erstattung der Fahrtkosten, wenn es zu einem Auswärtstraining oder Spiel geht.

Teilweise gibt es am Ende des Monats eine Ausschüttung von Sonderprämien. Diese Gelder stehen den Spielern in der Regionalliga meist zusätzlich zu, in Kreis- oder Landesligen machen sie das einzige Einkommen aus. Hier geht es nur um eine Aufwandsentschädigung, kaum um ein wirkliches Gehalt.

Wer sein Hobby zum Beruf machen möchte, muss also wirklich gut sein und viel Glück haben, damit er mindestens den Sprung in die Regionalliga schafft. Darunter steht eher der Spaß am Spiel im Vordergrund, mit einem Einkommen im Sinne der Lebenssicherung ist hier nicht zu rechnen. Da muss ganz klar gesagt werden, dass sich der Aufwand nicht lohnt, wenn es um die Sicherung des Lebensunterhalts geht. Das ist mit den minimalen Geldern schlichtweg unmöglich!

Die meisten gehen etwas blauäugig an die Sache heran und davon aus, dass sie als Profi den lieben, langen Tag Fußball spielen könnten.

Die meisten gehen etwas blauäugig an die Sache heran und davon aus, dass sie als Profi den lieben, langen Tag Fußball spielen könnten.

Kein Profifußballer geworden: Was nun?

Die Liebe zum runden Leder ist oft sehr stark ausgeprägt und so stellt sich für alle, die nicht das Zeug zum Profifußballer haben, die Frage, welche kreativen Ideen für die Selbstständigkeit infrage kommen. Hier gibt es zum Beispiel den Physiotherapeuten, der sich nach beendeter Ausbildung um das Wohl der Spieler kümmern kann und selbst noch in der Freizeit auf dem Platz steht. Die Ausbildung dauert drei Jahre, doch auch hier gehört wieder Glück dazu, um nach verschiedenen Qualifikationen und Weiterbildungen zum Mannschaftsarzt zu werden.

Auch das Management der Vereine und Spieler muss gemeistert werden, viele Vereine gleichen eher einem wirtschaftlichen Unternehmen. Fan-Arbeit, Verkauf der Tickets, Verträge für Spieler und Werbepartner: All das muss gemeistert werden und verlangt Profis, die sowohl vom Management als auch vom Spiel Ahnung haben. Sogar Quereinsteiger haben hier eine Chance, denn es kommt nicht auf die sportliche Leistungsfähigkeit an.

Auch im Bereich Presse und Öffentlichkeitsarbeit braucht es Profis, die ihr Handwerk verstehen und bestenfalls Fans des Fußballs sind. Ob Pressesprecher oder Sportjournalist, Social-Media-Betreuer oder Werbeprofi: Im Medienbereich lassen sich unzählige Jobs für Fußballbegeisterte finden, die teilweise eine Ausbildung voraussetzen, teilweise auch für Quereinsteiger zugänglich sind. E gilt nur, den nötigen Biss mitzubringen, um sich gegen die wachsende Konkurrenz durchzusetzen.

Diese ist übrigens im Umfeld einer Weltmeisterschaft besonders groß, denn zu dieser Zeit kommen viele Fußballfans auf die Idee, selbstständig tätig zu werden und so ein bisschen Glamour des großen Sports zu genießen. Ob nun die Betreuung der Imbissbude am Stadion zwingend etwas von der großen Welt hineinlässt, sei dabei allerdings dahingestellt. Sportluft gibt es hier auf alle Fälle!


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: Eugene Onischenko  -#01: _lev radin  -#02:  Bjoern Wylezich-#03: matimix

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

Leave A Reply