Existenzgründung - In elf Schritten zur Selbstständigkeit

Existenzgründung: In elf Schritten zur Selbstständigkeit

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Der eigene Boss sein, seine eigenen Entscheidungen treffen und den Unternehmenserfolg selbst ernten – für viele ist die Selbstständigkeit ein Traum. Mit den ganzen Freiheiten geht jedoch ein ganzes Bündel Verpflichtungen einher, die einer Menge Disziplin bedürfen. Nicht jeder ist der Typ, der mit so viel Verantwortung klarkommt, deswegen ist es wichtig sich bereits im Vorfeld reichlich Gedanken über die Existenzgründung zu machen, damit diese nicht von vorne herein zum Scheitern verdammt ist. Hier sind zwölf hilfreiche Tipps, die einem auf dem Weg in die Selbstständigkeit zumindest auf der richtigen Spur halten sollen.

Schritt 1:  Geschäftsidee

Am Anfang steht die Idee. Ohne vernünftige Geschäftsidee wird es gar nicht erst möglich sein erfolgreich seine eigene Existenz aufzubauen. Daher gilt es vorher abzuwägen, ob bei vorhandener Geschäftsidee auch ein Bedarf für diese da ist. Eine kurze Recherche im Internet oder Umfragen im Freundeskreis kann schnell Gewissheit verschaffen, ob es sich lohnt daran weiterzuarbeiten. Natürlich ist es möglich sich beispielsweise als Webdesigner selbstständig zu machen, auch wenn die Stadt nur so vor welchen wimmelt. Dann bedarf es jedoch Faktoren, die einen von den anderen abheben. Entweder die Leistungen fallen qualitativ hochwertiger aus als die der anderen oder es werden spezielle Leistungen angeboten, die niemand sonst in seinem Portfolio hat. Eine gute Geschäftsidee vereint in der Regel Eigenständigkeit mit anschließender hochwertiger Umsetzung.

Schritt 2: Persönliche Rahmenbedingungen

Wie schon eingangs erwähnt ist nicht jeder der Typ für die eigene Existenzgründung, weswegen es unabdinglich ist sich selbst zu reflektieren, um die persönlichen Rahmenbedingungen zu ermitteln. Ein Online-Test für Existenzgründer gibt schnell einen Anhaltspunkt, ob das mit der Selbstständigkeit wirklich so eine gute Idee ist. Aber eigentlich reichen schon ein paar simple Fragen, die es sich selbst zu stellen gilt: Lässt mein familiäres Umfeld eine Selbstständigkeit zu? Komme ich mit der Belastung der Existenzgründung zu Recht? Habe ich die notwendige Disziplin, um ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen? Kann ich zur Not finanzielle Ausfälle und eine schlechte Auftragslage überbrücken? Wer all diese Fragen mit einem klaren Ja beantworten kann, ist auf jeden Fall schon mal auf dem richtigen Weg. Es ist jedoch sehr wichtig ehrlich zu selbst zu sein und zu versuchen sich richtig einzuschätzen.

 

Zu einer erfolgreichen Existenzgründung gehört ein entsprechender Business-Plan (#01)

Zu einer erfolgreichen Existenzgründung gehört ein entsprechender Business-Plan (#01)

Schritt 3: Business-Plan

Das Fundament eines erfolgreichen Gründungsvorhabens ist ein ausgetüftelter Business-Plan. Er gibt mit einer ersten einfachen Einnahmen-Ausgaben-Rechnung Aufschluss darüber, ob das geplante Projekt überhaupt wirtschaftlich ist. Dazu gehört einen Stunden- oder Tagessatz zu berechnen, Personal- und Geschäftsräumekosten zu überschlagen und geplante Kosten für Reisen, Telekommunikation, Steuerberater usw. anzusetzen. Daraus ergibt sich dann die Umsatzrentabilität.

Schritt 4: Fördermittel

Der Staat lässt Existenzgründer nicht auf verlorenem Posten steht und bietet verschiedene Arten der Förderung an. Es ist möglich einen Gründungszuschuss der Bundesagentur für Arbeit zu beantragen. Dieser setzt allerdings den bereits erwähnten Business-Plan voraus, wodurch die Existenzgründung sich nicht im kompletten Anfangsstadium befinden darf.
Des Weiteren ist es möglich das Gründercoaching der KfW in Anspruch zu nehmen. Dies ist eins der wichtigsten bundesweit einheitlichen Förderprogramme für Existenzgründer und kann in den ersten fünf Jahren der Selbstständigkeit in Anspruch genommen werden. Ganz wichtig: das KfW Gründercoaching fördert nur Beratungsangebote NACH der Gründung und soll Selbstständigen, die sich bereits im Berufsleben befinden, dabei helfen sich dauerhaft zu etablieren.

Video: Selbstständigkeit: Existenzgründung richtig gemacht Teil 1

Schritt 5: Marketing-Unterlagen

Damit das Unternehmen erfolgreich starten und sich im weiteren Verlauf etablieren kann, ist es wichtig, dass potentielle Kunden auch davon erfahren. Das heißt: Präsenz zeigen! Es bringt nichts zu hoffen, dass Klienten allein durch Mund-zu-Mund-Propaganda in Scharen auf der Fußmatte stehen. Ein Internetauftritt ist unabdinglich. Eine Tatsache, die trotzdem ein Großteil kleiner und mittelständischer Unternehmen zur Kenntnis genommen hat. Social Media Auftritte sind zwar ein guter Anfang, aber reichen in aller Regel nicht aus. Das ist jedoch auch stark von der Branche abhängig. In jedem Fall sollten aber ausreichend Werbematerialien existieren: Flyer, Broschüren, gedruckte Preislisten sind ein guter Anfang, aber auch stark abhängig von der Branche und der Art des Produktes oder der Dienstleistungen. Visitenkarten schaffen ein höheres Maß an Professionalität und sind für erfolgreiches Networking und Kundenakquise unverzichtbar.

Schritt 6: Behördengänge

In Deutschland geht selbstverständlich nichts ohne Bürokratie. Die Anmeldung beim Finanzamt muss in jedem Fall durchgeführt werden und es sollte sich intensiv Gedanken über die Angaben im sogenannten Betriebserfassungsbogen gemacht werden. Hingegen nicht erforderlich ist die An- oder Abmeldung bei der Deutschen Rentenversicherung – dies geschieht automatisch. Viele Existenzgründer können den Status eines Freiberuflers anstreben. Für sie ist die Anmeldung eines Gewerbes eher kontraproduktiv, da sonst zusätzlich zur Gewerbesteuer, Beiträge bei der IHK und Berufsgenossenschaft sowie doppelte Buchführung und Bilanzierungspflicht drohen.

 

Wem es an Disziplin mangelt kann sich in einem Co-Working Space einmieten (#02)

Wem es an Disziplin mangelt kann sich in einem Co-Working Space einmieten (#02)

Schritt 7: Coworking Space oder Büro

Ausschlafen, Kaffee kochen und am besten direkt aus dem Bett arbeiten. Auch wenn Home Office zunächst traumhaft klingen mag, tappen viele Selbstständige immer wieder in die gleichen Fallen. Zu dem Berg Arbeit kommen noch die fehlenden sozialen Kontakte hinzu, da Freunde und Bekannte in der Regel auch arbeiten müssen und nicht mal ebenso Zeit für einen Kaffeeplausch haben. Zu denken, dass sich die Arbeitszeit willkürlich einteilen lässt, ist auch direkt schon die zweite Falle. Die Arbeit muss ja auch irgendwann erledigt werden und sich verleiten zu lassen Arbeits- und Freizeit zu mischen ähnelt einer Katastrophe. Arbeiten im Home Office bedarf einem hohen Maß an Disziplin und einer Tendenz zur Selbstoptimierung. Selbstständigen, denen diese Charaktereigenschaften fehlen, sollten sich daher überlegen ein eigenes Büro oder einen Platz in einem Co-Working Space anzumieten. Seine Arbeit in einem Co-Working Space zu verrichten kommt dem alltäglich Gang zur Arbeit um Büro am nächsten, da dort in der Regel auch noch weitere Selbstständige anzutreffen sind.

Schritt 8: Mobilität

Unter all den Dingen, die für eine Selbstständigkeit zwingend notwendig sind, ist ein Auto keins davon. Es spricht absolut nichts dagegen zu Meetings mit Partnern oder Kunden mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad anzureisen. Einige Branchen, in denen regelmäßig etwas transportiert werden muss, setzen einen Firmenwagen natürlich voraus, aber für die meisten Selbstständigen kommen sie wohl eher nicht in Frage. Allerdings gibt es natürlich immer diese gewissen, extrem wichtigen Meetings, wo es um einen hoch dotierten Vertragsabschluss mit einem wichtigen Klienten oder die Aussicht auf einen einflussreichen Geschäftspartner geht. Da gilt es zu glänzen und zu überzeugen. Ein Limousinenservice verschafft einem den richtigen Auftritt zu wichtigen Geschäftsterminen. Oder noch besser: den Gesprächspartner abholen lassen. Das überrascht nicht nur, sondern schindet mächtig Eindruck.

Video: Selbstständigkeit: Existenzgründung richtig gemacht Teil 2

Schritt 9: Networking

Die bloße Präsenz im Internet reicht nicht aus, um sich ein immer größer werdendes Netzwerk aus Kunden und Partnern zu spinnen. Auf der einen Seite ist es wichtig Kontakte aus der Vergangenheit aufzufrischen, aber die vorhanden müssen auch stets gepflegt und neue geknüpft werden. Dazu eignet sich Präsenz auf Kongressen, Messen, Tagungen zu zeigen oder sich bei branchenspezifischen Online-Plattformen zu registrieren. So hat zum Beispiel fast jedes Bundesland regionale Anlaufstellen für die Kultur-und Kreativwirtschaft, wo sich Akteure der Branche verbinden und austauschen können. Oftmals organisieren sie zu diesem Zweck auch regelmäßig stattfindende Treffen oder Veranstaltungen, die natürlich ein hervorragender Ausgangspunkt zum Knüpfen neuer Geschäftsbekanntschaften sind.

Schritt 10: Wissen und Kompetenzen

Auch wer bereits über ein breites, in seiner Branche erfordertes Wissen, verfügt, dem sei gesagt: es steht niemals. Entwicklungen schreiten ständig voran und es werden immer neue Fähigkeiten gefordert. Daher ist es wichtig sich immer über Trends und Entwicklungen im eigenen Arbeitsbereich zu informieren und vielleicht auch neue Kompetenzen anzueignen. Dies geht am besten mit fachspezifischen Magazinen und Websites, Fachliteratur oder Kursen und Workshops. Es kann nichts schaden interdisziplinär zu denken, da die Kundenwünsche dies oftmals voraussetzen.

Video: Selbstständigkeit: Existenzgründung richtig gemacht Teil 3

Schritt 11: (Selbst)optimierung

Ist die Selbstständigkeit erstmal erfolgreich gestartet, gilt es wiederkehrende Fehler auszumerzen und die Arbeitsprozesse zu optimieren. Dabei geht es jedoch nicht nur darum, alle Bereiche des eigenen kleinen Unternehmens produktiver zu gestalten, sondern auch sich selbst – die zentrale Figur, bei der alle Verantwortung liegt. Nur der, der es geschafft hat seinen Ein-Mann-Betrieb zu optimieren, sollte darüber nachdenken Angestellte ins Boot zu holen.


Bildnachweis:Fotolizenz- Titelbild: Lisa S- #01: Syda Productions   -#02: YURALAITS ALBERT

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Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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