Patchwork Karriere: Arbeitsmodell der Zukunft im Detail

Patchwork Karriere: Arbeitsmodell der Zukunft im Detail

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Als noch recht neuer Begriff auf dem Arbeitsmarkt zeigt sich die Patchwork Karriere. Der eigene Lebenslauf ist eine gute Möglichkeit um zu schauen, ob es hier möglicherweise Potenzial für Veränderungen gibt. Vielleicht gibt er sogar schon Aufschluss darüber, dass eine Patchwork Karriere besteht.

Der unbefristete Arbeitsvertrag und seine Bedeutung für die Patchwork Karriere

Die Bedeutung von einem unbefristeten Arbeitsvertrag für die Patchwork Karriere lässt sich relativ gut zusammenfassen: Es gibt keine. Viele Jahre lang haben die Menschen immer versucht, in eine unbefristete Stelle zu kommen. Dafür haben Angestellte häufig auch einige Dinge auf sich genommen, die einem selbst nicht gut getan haben. So wussten Unternehmen den Vorteil zu nutzen, dass die befristeten Arbeitsverträge mit Aussicht auf eine Entfristung gerne angenommen werden. Der rechtliche Anspruch auf die Entfristung besteht jedoch nur in seltenen Fällen.

Während die Unternehmen selbst immer mehr die Vorzüge von befristeten Lösungen genossen haben, haben sich Arbeitnehmer stetig mehr nach einer Konstanz in ihrem Arbeitsleben gesehnt. Sie wollten sicher sein, dass das Einkommen fließt und es keinen Grund gibt, sich nach einem oder zwei Jahren nach einer neuen Stelle umzusehen. Doch was bedeutet dies nun genau? Deutsche Arbeitnehmer mussten feststellen, dass die Zahl der befristeten Arbeitsstellen zunimmt. Damit war der Weg für die Patchwork Karriere geebnet. Inzwischen wird sie sogar als Zukunftsmodell gehandelt und tritt immer mehr in den Vordergrund.

Damit war der Weg für die Patchwork Karriere geebnet. (#01)

Damit war der Weg für die Patchwork Karriere geebnet. (#01)

Jobhopping – die Patchwork Karriere hat ihren Charme

Die Patchwork Karriere wird gerne auch als Jobhopping bezeichnet und galt lange als ein Hinweis auf einen unsteten Charakter. Gern gesehen waren in Unternehmen Mitarbeiter, die lange an einem Arbeitsplatz waren. Sie waren beständig und haben dazu auch noch gewusst, was sie tun. Wenn ein Lebenslauf mit einer Bewerbung eingegangen ist, bei dem viele verschiedene Stellen zu sehen waren, dann hat dies immer für einen schalen Beigeschmack gesorgt. Die Begründung war, dass Unternehmen hier Sorge haben müssen, den Arbeitnehmer schnell wieder zu verlieren. Teilweise kam sogar der Gedanke auf, dass er möglicherweise nicht anpassungsfähig ist. Daher lauteten die Tipps, den Lebenslauf möglichst geradlinig zu halten, um eine Arbeit zu finden.

Diese Zeiten sind nun vorbei. Die Patchwork Karriere verweist auf Kompetenz und Wissen und lässt die Routine weit hinter sich zurück. Natürlich muss Routine dabei nicht als ein negativer Faktor gesehen werden. Dennoch sind es gerade die vielseitigen Kompetenzen und Skills, die Arbeitnehmer heute so unheimlich attraktiv machen. Die Arbeitswelt ändert sich. So werden Unternehmen immer mehr darauf achten, dass ihre Mitarbeiter vor allem kreativ und vielseitig sowie selbstbestimmt sind. Dazu gehört auch das Interesse daran, an verschiedenen Arbeitsstellen aktiv zu werden. Die berufliche Orientierung wird eine längere Phase sein. Das heißt, es wird ganz normal werden, wenn hier verschiedene Stationen im Berufsleben durchlaufen werden.

Die Veränderungen in der Arbeitswelt – warum die Patchwork Karriere auf dem Vormarsch ist

Doch warum wird die Patchwork Karriere nun nicht mehr als ein negativer Aspekt gesehen? Früher war es vor allem so, dass Angestellte von einem Vorratswissen profitiert haben. Das heißt, sie haben während der Ausbildung oder dem Studium das Wissen erhalten, das für ihr Arbeitsleben wichtig war. Dies reichte aus, damit sie eine unbefristete Stelle in einem Unternehmen erhalten haben. Die Karriere-Chancen waren abhängig von dem Beruf an sich. Die Unterschiede in der Branche waren teilweise deutlich.

Sie sehen sich nicht mehr in nur einer Branche behaftet, sondern sind auch bereit, gänzlich die Branche zu wechseln. (#02)

Sie sehen sich nicht mehr in nur einer Branche behaftet, sondern sind auch bereit, gänzlich die Branche zu wechseln. (#02)

Heute hat sich dies bereits geändert. Inzwischen stehen Weiterbildungen auch nach der Ausbildung hoch im Kurs. Angestellte möchten darauf vorbereitet sein, vielleicht neue Wege zu gehen. Sie sehen sich nicht mehr in nur einer Branche behaftet, sondern sind auch bereit, gänzlich die Branche zu wechseln. Viele Deutsche haben zudem einen Nebenjob, der oft in einer ganz anderen Branche seine Basis hat. Dies ist nicht immer nur eine Frage des Geldes, sondern auch die persönlichen Interessen stehen dabei im Vordergrund.

Auch die Gründe für die Veränderungen in der Arbeitswelt können benannt werden. Experten sehen diese in erster Linie in der Digitalisierung und der Globalisierung. Die Arbeitnehmer stehen neuen Herausforderungen gegenüber und müssen sich diesen stellen. Nur so haben sie auch die Chance, weiter im Berufsleben bleiben zu können. Die Patchwork Karriere ist dabei fast schon ein schleichender Prozess. Durch den Wandel der Gesellschaft und der Industrie sinkt die Verweildauer in den Unternehmen. Dafür entsteht eine höhere Flexibilität bei der Arbeitszeit und bei den Arbeitsverträgen. Nach und nach werden die Vollzeitstellen durch die Unternehmen abgebaut. Stattdessen halten Teilzeit und flexible Job-Modelle Einzug.

Für was steht die Patchwork Karriere?

Die Patchwork Karriere setzt sich aus zwei wesentlichen Bestandteilen zusammen. Hier gibt es einmal die Kompetenzerweiterung, die innerhalb von einem Unternehmen durchgeführt werden kann. Die andere Variante ist der Unternehmenswechsel, der sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene stattfinden kann. In der Definition wird bei der Patchwork Karriere davon gesprochen, dass ein Arbeitnehmer verschiedene einzelne Schritte während seiner Karriere macht. Diese ergeben zusammen ein Muster und führen ans Ziel. Es gibt im Lebenslauf also mehrere Karrieren. Zu den Tipps gehört es, diese einzelnen Schritte im Lebenslauf mit ihren Vorteilen aufzuzeigen. Dies bedeutet, der Arbeitnehmer sollte darauf hinweisen, was genau ihm die Wechsel gebracht haben.

Die Patchwork Karriere muss dabei nicht unbedingt stringent sein. Es ist durchaus möglich, dass sich hier sowohl Höhen als auch Tiefen zeigen und diese ihre Vorzüge mit sich bringen. Vom Berufswechsel über das Unternehmenshopping ist alles möglich. Dabei werden verschiedene Aufgabenfelder bedient und Nebentätigkeiten aufgenommen.

In welchen Branchen zeigt sich die Patchwork Karriere besonders stark?

Natürlich gibt es einige Branchen, in denen die Patchwork Karriere sehr stark ausgeprägt ist. Gerade in internationalen Unternehmen ist die Tendenz deutlich zu erkennen. Auch in kreativen Branchen geht der Trend zur Patchwork-Variante. Je mehr Einblicke es in die Branche gibt, desto besser ist es. Anders sieht es bei kleinen und mittelständischen Unternehmen aus. Hier geht es nach wie vor darum, dass Führungskräfte vor allem Mitarbeiter suchen, die an einer langen Karriere innerhalb des Unternehmens Interesse haben. Dies hängt damit zusammen, dass die Mitarbeiter die internen Abläufe und das Unternehmen selbst gut kennen und somit einen hohen Mehrwert haben.

Gerade in internationalen Unternehmen ist die Tendenz deutlich zu erkennen. (#03)

Gerade in internationalen Unternehmen ist die Tendenz deutlich zu erkennen. (#03)

Gerade für die Angestellten ist die Flexibilität im Arbeitsleben jedoch ein wichtiger Faktor. Durch die Digitalisierung und die Globalisierung wird es notwendig, schnell reagieren zu können. Wer nicht flexibel in seiner Arbeit ist, der steht vor dem Problem, dass er möglicherweise seine Arbeit verliert oder nicht mehr wettbewerbsfähig ist. Zudem sollten die Vorteile der Patchwork Karriere nicht unterschätzt werden. Diese sind:

  1. Abwechslung: Die Abwechslung bei der Patchwork-Karriere ist besonders groß. Gerade auch in Hinblick auf die Dauer des Arbeitslebens hat dies seinen Charme.
  2. Know-how ist gut aufgestellt: Für das Unternehmen bedeutet die Anstellung von Mitarbeitern mit einer Patchwork Karriere, dass es deutlich mehr Know-how in den Bereichen gibt und deutlich weniger Mitarbeiter, die nur auf einen Bereich spezialisiert sind.
  3. Familienfreundlichkeit: Die Veränderungen in der Arbeitswelt bringen eine größere Familienfreundlichkeit mit sich. Es muss sich nicht mehr zwischen Kind und Karriere entschieden werden. Stattdessen sorgt gerade die Flexibilität dafür, dass man hier wählen kann.

Tipp: Wer gerne selbst zum Patchworker werden möchte, der sollte seine Karriere vorher durchaus planen. Dies bedeutet nicht, dass die Jobs ständig gewechselt werden. Es ist auch wichtig, sich Ziele zu setzen, die erreicht werden sollen.


Bildnachweis: © Shutterstock-Titelbild: g-stockstudio, #01: OPOLJA, #02: Mert Toker, #03: kurhan

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Klaus Müller-Stern (25) studiert aktuell Maschinenbau, beschäftigt sich daneben jedoch schon lange mit allen Aspekten rund um Selbstständigkeit und Unternehmensgründung. Eloquent und scharfsinnig bringt er Themen wie Social Media oder den Finanzsektor auf den Punkt. Darüber hinaus blickt der passionierte Laufsportler in seinen Beiträgen hinter die Kulissen erfolgreicher Startup-Firmen.

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