Einstellungstest bei der Polizei: So schwer ist das Auswahlverfahren

Polizeibeamte erfüllen vielfältige Aufgaben mit hohem Anspruch und so ist es auch verständlich, dass nur die am besten geeigneten Anwärter für die Ausbildung zugelassen werden. Ein Einstellungstest entscheidet über die Auswahl.

Viele Kriterien sind zu erfüllen

Es ist nicht allein der Einstellungstest selbst, der es den potenziellen Anwärtern auf den Polizei-Job schwer macht. Angehende Polizeischüler müssen sich erst einmal einigen harten Prüfungen unterziehen, nach denen entschieden wird, ob sie psychisch und physisch dazu in der Lage sind, den Anforderungen des Berufs im mittleren oder gehobenen Dienst gerecht zu werden.

Die genauen Einstellungstests sind je nach Bundesland verschieden, doch alle beinhalten den theoretischen Teil, den praktischen Teil, den Sporttest sowie das Assessment Center, in dem beim Rollenspiel Rückschlüsse auf die Charaktereigenschaften der Bewerber gezogen werden. Außerdem steht eine polizeiärztliche Untersuchung an, bei der die Bewerber auf Herz und Nieren geprüft werden. Und das sogar wortwörtlich! Nur diejenigen, die die erforderliche Punktzahl erreichen, können sich über eine Anstellung als Anwärter in der Polizei freuen.

Insgesamt bewerten sowohl Bewerber als auch erfolgreich bestandene Anwärter und ausgebildete Polizisten den Polizei Einstellungstest als zu schwer. Dennoch stellt sich für die Polizeiakademien nicht das Problem, dass Stellen unbesetzt bleiben müssen, weil es keine geeigneten Bewerber gibt.

Video: Polizei Einstellungstest kostenlos online üben

Polizei Einstellungstest: Grundvoraussetzungen für Bewerber

Wer sich für den mittleren Dienst bewerben möchte, muss mindestens die Gesamtschule bzw. Mittelschule abgeschlossen haben, danach eine Berufsausbildung absolviert haben oder es liegt ein mittlerer Schulabschluss vor. Bewerber müssen deutsche Staatsangehörige sein und je nach Bundesland eine bestimmte Größe aufweisen. In NRW müssen Frauen wenigstens 1,63 m und Männer 1,68 m sein, in Einzelfällen sind bis zu vier Zentimeter weniger erlaubt. Diese Bewerber müssen dann allerdings mit anderen Dingen überzeugen können und sollten schon besonders gute Leistungen mit dem Schul- oder Berufsabschluss nachweisen.

Das Höchstalter ist auf 31 Jahre festgesetzt, wer älter ist, muss schon sehr viel Glück haben und ausgezeichnete Leistungen vorweisen, um dennoch angenommen zu werden. Natürlich dürfen keine Vorstrafen vorliegen, dafür muss ein Führungszeugnis vorgelegt werden. Tattoos sind erlaubt, dürfen aber nicht staatsfeindlich, diskriminierend, sexuell herabstellend oder gewaltverherrlichend sein. Außerdem dürfen sie nicht zu sehen sein, wenn der Betreffende seine Uniform trägt. Das gilt auch im Sommer!

Diese Bedingungen betreffen erst einmal nur die Grundvoraussetzungen, die ein Bewerber mitbringen muss. Weitaus schwieriger zu erfüllen dürften die Einstellungstests sein, die recht umfangreich und vor allem anspruchsvoll sind.

Zu den Voraussetzungen, um die Ausbildungsstelle zu bekommen, zählt auch die erfolgreiche Teilnahme an den Eignungstests, die aus

  • einem schriftlichen Teil
  • einer sportlichen Prüfung
  • einer dienstärztlichen Untersuchung
  • der Teilnahme am Assessment Center

bestehen.

Tipp: Nicht nur die Test selbst sind wichtig, deutlich interessanter sind die Lösungen, die seitens der Ausbilder bzw. der Polizeiakademien gesucht werden. (#01)

Tipp: Nicht nur die Test selbst sind wichtig, deutlich interessanter sind die Lösungen, die seitens der Ausbilder bzw. der Polizeiakademien gesucht werden. (#01)

Theoretische Einstellungstests mit hohen Anforderungen

Es gibt umfassende Einstellungstests bei der Polizei, wobei der größte Teil der Tests durch den schriftlichen Teil ausgemacht wird, an dem auch die meisten Bewerber scheitern. Hier gilt es, in 90 Minuten mit Sprachwissen zu überzeugen: Rechtschreibung und Grammatik stehen ebenso auf dem Plan wie das Schreiben eines kurzen Aufsatzes.

Ein weiterer Test prüft dann das logische Denken, außerdem müssen Mathe- und Sachaufgaben gelöst werden. Hierbei wird auch gleich die Gedächtnisleistung überprüft, außerdem lassen sich aus der Bearbeitung Rückschlüsse über die Auffassungsgabe und die Belastbarkeit der Bewerber ziehen.

Des Weiteren wird in diesem Teil das Allgemeinwissen zu Wirtschaft, Politik und anderen Fachbereichen getestet. Es gibt einen Fragebogen mit Multiple-Choice-Aufgaben, der in vorgegebener Zeit bearbeitet werden muss. Außerdem sind Grafiken zu analysieren, aus denen die Bewerter später Rückschlüsse auf Motivation und Arbeitseifer ziehen.

Ein Tipp: Niemals auf die arbeitenden Männchen auf den Bildern konzentrieren, sondern die Waage halten zwischen arbeitenden und ausruhenden Figuren! Übermotivierte Beamte sind nämlich ebenso wenig erwünscht wie solche, die den Job zum Ausruhen suchen.

Ein Polizist muss sportlich sein, daher steht auch ein Sporttest auf dem Auswahlprogramm. (#03)

Ein Polizist muss sportlich sein, daher steht auch ein Sporttest auf dem Auswahlprogramm. (#03)

Im Test geht es sportlich zu

Ein Polizist muss sportlich sein, daher steht auch ein Sporttest auf dem Auswahlprogramm. Hierbei geht es vor allem darum, die körperliche Belastbarkeit einschätzen zu können und herauszufinden, ob der Bewerber den Anforderungen des Polizeijobs gerecht werden kann. Es stehen Übungen zu Ausdauer und Kraft an, Sprints, Langstreckenlauf, Bankdrücken, Liegestütze usw. werden gefordert.

Außerdem gilt es, das schwimmerische Können nachzuweisen und so muss in vorgegebener Zeit eine feste Schwimmstrecke zurückgelegt werden. Teilweise wird auf den Schwimmtest verzichtet, dann muss aber der Nachweis über das Können durch Vorlegen des Schwimmabzeichens (mindestens in Silber) erfolgen.

Der Sporttest nimmt meist einen halben Tag ein, der andere halbe Tag steht dann für die ärztliche Untersuchung zur Verfügung.
Gut zu wissen: Der Sporttest muss nur bestanden werden. Seine Punktzahl wird nur dann ausschlaggebend, wenn mehrere Bewerber auf einem Rang gelandet sind und es darum geht, denn Besten darunter zu ermitteln.

Auch diejenigen, die augenscheinlich gesund und belastbar sind, müssen sich der polizeiärztlichen Untersuchung unterziehen. (#02)

Auch diejenigen, die augenscheinlich gesund und belastbar sind, müssen sich der polizeiärztlichen Untersuchung unterziehen. (#02)

Bewerber müssen zum Arzt gehen

Auch diejenigen, die augenscheinlich gesund und belastbar sind, müssen sich der polizeiärztlichen Untersuchung unterziehen. Geprüft werden das Hör- und Sehvermögen, des Weiteren wird ein EKG geschrieben. Sind bestimmte Befunde aus Vorerkrankungen zu berücksichtigen, sollten diese gleich zur Untersuchung mitgebracht werden. Andernfalls werden sie nachgefordert und müssen durch den Facharzt oder Bewerber eingesandt werden.

Bewerber sollen zudem zeigen, wie sportlich sie sind und wie sich ihr Kreislauf unter Belastung verhält. Daher wird der Arzt das Ergometer zur Hilfe nehmen, auf dem es nun gilt, um den Job zu strampeln. Teilweise überprüfen die Ärzte den BMI, das allerdings nur bei augenscheinlichem Über- oder Untergewicht. Außerdem kann die Urinabgabe gefordert werden, mit der gestestet wird, ob sich verbotene Substanzen im Körper befinden.

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Teamwork im Assessment Center

Nach all diesen Tests ist das Auswahlverfahren noch nicht überstanden. Die Bewerber, die in die engere Wahl kommen, müssen noch das Assessment Center durchlaufen und sich dabei beweisen. Die Tests werden verschieden gestaltet und so können beispielsweise Vorträge ebenso gefordert werden wie Rollenspiele. Manche Gruppen müssen auf eine gemeinsame Diskussion zu einem vorgegebenen Thema einstellen, wieder andere müssen einen typischen Bürotag des Polizisten nachstellen.

Mit diesen Tests sollen Verhalten und Umgang mit anderen Menschen geprüft werden, außerdem gilt es, zu zeigen, wie ausgeprägt der Teamgeist ist oder ob es sich bei dem Bewerber eher um einen Einzelkämpfer handelt. In den Rollenspielen soll versucht werden, die eigene Meinung zu vertreten, es gilt aber auch, angemessene Kompromisse zu finden.

In den Rollenspielen soll versucht werden, die eigene Meinung zu vertreten, es gilt aber auch, angemessene Kompromisse zu finden. (#04)

In den Rollenspielen soll versucht werden, die eigene Meinung zu vertreten, es gilt aber auch, angemessene Kompromisse zu finden. (#04)

Vorbereitung auf die Tests

Im Handel sind unzählige Ratgeber erhältlich, die sich mit den Einstellungstests der Polizei befassen. Hier werden wertvolle Tipps zur Bearbeitung einzelner Aufgaben gegeben und es besteht die Möglichkeit, typische Tests zu durchlaufen. Auch die Beratungen zu den Einstellungstests sind wichtig: Spezielle Einstellungsberater informieren zu vorgegebenen Terminen über den Ablauf des Verfahrens, über Einstellungsvoraussetzungen und Karrieremöglichkeiten bei der Polizei.

In einigen Bundesländern ist die Teilnahme an den Einstellungsberatungen sogar verpflichtend, wer diese nicht wahrgenommen hat, braucht sich nicht erst zu bewerben. Im Grunde wählen die Berater hier bereits aus, wer eine Empfehlung zur Bewerbung bekommt und wer sich besser nach einem anderen Job umsehen sollte. Insofern sind die Beratungsgespräche eine gute Orientierung für die eigene Zukunft und es können gegebenenfalls Alternativwege gesucht werden.

Tipp: Nicht nur die Test selbst sind wichtig, deutlich interessanter sind die Lösungen, die seitens der Ausbilder bzw. der Polizeiakademien gesucht werden. Denn Fehler sind erlaubt und sogar gewünscht! Den perfekten Bewerber, der alles richtig macht, möchten die Ausbildungsstätten ebenso wenig haben wie denjenigen, der unmotiviert und unwissend seine Stelle antritt. Das gesunde Mittelmaß wird gesucht!

Video: Der EINSTELLUNGSTEST der POLIZEI Berlin | plakos-akademie.de

Wer bekommt den Job?

Im Rahmen der Eignungstests für die Polizei werden Punkte vergeben, auf diesen baut sich der Rangordnungswert (ROW) auf. Pro Jahr gibt es eine feste Anzahl an Ausbildungs- bzw. Studienplätzen, die mit den Rangbesten belegt werden. Ausschlaggebend ist darüber hinaus die Note, mit der die Schule abgeschlossen wurde, wobei die Durchschnittsnote ähnlich des Numerus Clausus an den Universitäten Jahr für Jahr neu festgelegt wird.

Da die Bewerbungen im Vorjahr des Schulabschlusses stattfinden, muss dieses Endzeugnis entsprechend gut sein und ein ähnlich gutes Abschlusszeugnis vermuten lassen. Selbiges wird später nachgereicht und kann sogar zum Ausschluss führen. Wer im letzten Schuljahr komplett versagt, muss die bereits zugesagte Polizeiausbildungsstelle gegebenenfalls wieder abtreten.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: Jan Schneckenhaus -#01: Leonard Zhukovsky-#02: Africa Studio-#03: Jason Ogulnik -#04: Photographee.eu

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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