Berufsbild: Einzelhandelskaufmann

Nur wenige Ausbildungsberufe sind derart vielseitig und abwechslungsreich: Einzelhandelskaufleute haben in vielen Branchen gute Aufstiegsmöglichkeiten. Doch was gehört alles zum Berufsbild von Einzelhandelskauffrau und -mann?

Darum geht es bei Ausbildungsstellen für Einzelhandelskaufleute

Der Kaufmann bzw. die Kauffrau im Einzelhandel hat vielfältige Aufgaben, um Konsumgüter jeglicher Art in Geschäften des Einzelhandels zu verkaufen. Sie zeichnen sich durch besondere Fachkunde im Hinblick auf Produktpräsentation bzw. Verkauf bestimmter Waren aus und können Kunden eine professionelle Beratung bieten. Typische Einsatzgebiete für Einzelhandelskauffrau bzw. -mann sind Supermärkte, Kaufhäuser, Modehäuser oder Schuhgeschäfte. Aufgrund der Vielzahl der unterschiedlichen Branchen findet man Einzelhandelskaufleute eigentlich überall, wo Läden und Shops ihre Waren anbieten.

Wo liegt der Unterschied zwischen Einzelhandelskaufmann und einfachem Verkäufer?

Wer eine Bewerbung um Ausbildungsstellen für Einzelhandelskaufleute verfasst, ist sich manchmal nicht der Unterschiede bewusst, die Kaufmänner und Kauffrauen zu einfachen Verkäuferinnen und Verkäufern aufweisen. Letztere haben mit zwei Jahren eine viel kürzere Ausbildungszeit und oftmals werden ungelernte Hilfskräfte als „Verkäuferinnen“ beschäftigt. Tatsächlich kann man den Ausbildungsgang zur Verkäuferin bzw. zum Verkäufer als eine Art Vorstufe zur weiteren Fortbildung als Einzelhandelskaufmann bzw. -frau betrachten, deren Ausbildungszeit drei Jahre beträgt. Doch auch inhaltlich unterscheiden sie sich in wichtigen Punkten.

So wird das Wissen über Buchhaltung und betriebswirtschaftliche Abläufe bei der Berufsausbildung zum Verkäufer nur am Rande verlangt, während es für Kaufleute ein wesentlicher Bestandteil der Ausbildung ist. Dieser Unterschied in der Qualifikation spiegelt sich nicht nur im Schwierigkeitsgrad der Abschlussprüfung wider, sondern auch bei den Einsatzmöglichkeiten. Einzelhandelskaufleute können beispielsweise auch als Bürokräfte eingesetzt werden, da diese Tätigkeiten zum Ausbildungsgang gehören.

Für Verkäufer und Verkäuferinnen ist das eher die Ausnahme. Aufgrund des breiteren Spektrums bei den Tätigkeiten und Fähigkeiten werden voll ausgebildete Einzelhandelskaufleute in der Regel auch besser bezahlt als Verkäuferinnen und Verkäufer. Unterschiede von bis zu zwanzig Prozent sind keine Seltenheit.

Nicht jedem liegt der Umgang mit Menschen im Berufsalltag, insbesondere der Kundenkontakt. Das sollte man schon bei der Bewerbung für eine Ausbildungsstelle als Einzelhandelskaufmann bzw. -frau bedenken. (#01)

Nicht jedem liegt der Umgang mit Menschen im Berufsalltag, insbesondere der Kundenkontakt. Das sollte man schon bei der Bewerbung für eine Ausbildungsstelle als Einzelhandelskaufmann bzw. -frau bedenken. (#01)

Wichtigster Aspekt: Der Umgang mit Menschen

Nicht jedem liegt der Umgang mit Menschen im Berufsalltag, insbesondere der Kundenkontakt. Das sollte man schon bei der Bewerbung für eine Ausbildungsstelle als Einzelhandelskaufmann bzw. -frau bedenken. Wer nicht gerne mit fremden Menschen spricht und dabei freundlich bleiben kann, ist in diesem Beruf sicherlich nicht richtig. Dieser Aspekt wird von Bewerbern häufig unterschätzt, denn der berufliche Alltag gestaltet sich im Einzelhandel oft schwierig und stressig.

Lange Öffnungszeiten und unfreundliche Kunden erfordern eine entsprechende Belastbarkeit. Dabei immer authentisch, freundlich und offen zu bleiben, ist eine Grundvoraussetzung, um in diesem Beruf erfolgreich zu sein. Doch das Berufsbild bietet natürlich noch weitaus mehr als nur den Kundenkontakt, so wichtig er sein mag. Die Beratung von Kunden, die Bearbeitung von Reklamationen und das Abkassieren sind nur die offensichtlichsten Tätigkeiten von Einzelhandelskaufleuten.

Die Abwicklung von Einkauf und Verkauf von der Bestellung über die Warenannahme und Kommissionierung bis hin zum Beratungsgespräch und dem Abschluss des Verkaufs bieten den Bezugsrahmen für einen typischen Arbeitsalltag. Im Gegensatz zu reinen Verkäufern muss der Einzelhandelskaufmann aber auch viel Zeit „hinter den Kulissen“ verbringen. Büroarbeiten, Lagerhaltung und andere wichtige Aufgaben der Betriebswirtschaft gehören in vielen Geschäften zum Alltag.

Zu den typischen Tätigkeiten zählen unter anderem:

  • Buchführung und Buchhaltung
  • Kalkulation und Preisgestaltung
  • Lagerewerbung um eine Ausbildungsstelle als Kaufmann oder Kauffrau im Einzelhandel sollte man daher ein Praktikum in einem geeigneten Betrieb in Erwägung ziehen. Hier lässt sich in der Regel schnell ermitteln, ob die Bewerber zukünftige Kaufmänner und Kauffrauen sind oder sich vielleicht eher in einem anderen Beruf wohlfühlen.
Die Gesamtarbeitszeit pro Woche ist (abhängig von tarifvertraglichen Regelungen) durchschnittlich bei 38 Stunden anzusiedeln. Diese können sich aber je nach Öffnungszeiten durchaus ungünstig verteilen.(#02)

Die Gesamtarbeitszeit pro Woche ist (abhängig von tarifvertraglichen Regelungen) durchschnittlich bei 38 Stunden anzusiedeln. Diese können sich aber je nach Öffnungszeiten durchaus ungünstig verteilen.(#02)

Arbeitszeiten können je nach Branche stark schwanken

Die Frage, in welcher Branche man als Einzelhandelskaufmann bzw. -frau arbeitet, ist schon zu Beginn der Berufsausbildung ein wichtiger Aspekt. Ein Beschäftigter in einem kleinen Laden auf dem Land hat in der Regel andere Öffnungs- und Arbeitszeiten als die Einzelhandelskauffrau in einem großen Verbrauchermarkt, Discounter oder im Einkaufszentrum einer Großstadt. Die Gesamtarbeitszeit pro Woche ist (abhängig von tarifvertraglichen Regelungen) durchschnittlich bei 38 Stunden anzusiedeln. Diese können sich aber je nach Öffnungszeiten durchaus ungünstig verteilen.

Manche Supermärkte haben beispielsweise in Großstädten von 7 Uhr früh bis Mitternacht geöffnet und erfordern daher eine entsprechend flexible Belegschaft, die bereit ist, in entsprechenden Schichten zu arbeiten. Aber selbst auf dem Land haben Discounter und ähnliche Läden mittlerweile fast immer bis 20 oder 21 Uhr geöffnet. Die in ländlichen Gebieten noch üblichen Mittagszeiten, zu denen der Laden geschlossen bleibt, sind inzwischen die Ausnahme. Das gilt auch für begrenzte Öffnungszeiten am Samstag: In den meisten Einzelhandelsgeschäften ist dieser Tag mittlerweile ein ganz normaler Vollzeit-Arbeitstag geworden. Eine entsprechende Flexibilität und Belastbarkeit ist also neben den sonstigen Anforderungen mitzubringen. Speziell zu Stoßzeiten kann die Stressbelastung im Beruf der Einzelhandelskauffrauen und -männer stark ansteigen.

Gute Nachricht: Viele Tarifverträge sehen großzügige Urlaubsregelungen vor, die über das vom Gesetzgeber geforderte Maß hinausgehen. Besonders bei großen Handelsketten und Discountern liegen sowohl die Ausbildungsvergütungen als auch die sonstigen Sozialleistungen oft über dem Durchschnitt.

Die Vielseitigkeit des Berufs ergibt sich nicht nur aus der Bandbreite der möglichen betrieblichen Tätigkeiten in Buchhaltung, Büroorganisation, Lagerhaltung und Kundenkontakt, sondern auch aus den zahlreichen Branchen, die je nach Ausrichtung alle ein unterschiedliches Spektrum mit sich bringen. (#03)

Die Vielseitigkeit des Berufs ergibt sich nicht nur aus der Bandbreite der möglichen betrieblichen Tätigkeiten in Buchhaltung, Büroorganisation, Lagerhaltung und Kundenkontakt, sondern auch aus den zahlreichen Branchen, die je nach Ausrichtung alle ein unterschiedliches Spektrum mit sich bringen. (#03)

Vielseitigkeit und verschiedene Schwerpunkte für den Einzelhandelskaufmann

Die Vielseitigkeit des Berufs ergibt sich nicht nur aus der Bandbreite der möglichen betrieblichen Tätigkeiten in Buchhaltung, Büroorganisation, Lagerhaltung und Kundenkontakt, sondern auch aus den zahlreichen Branchen, die je nach Ausrichtung alle ein unterschiedliches Spektrum mit sich bringen. So sind Kenntnisse über die Produktpalette ein Muss bei der kompetenten Kundenberatung. Klar ist, dass hier die Branchen sehr unterschiedliche Schwerpunkte setzen.

Generell muss man aber immer die folgenden Abläufe beherrschen:

  • Kunden kompetent beraten und Waren präsentieren, verkaufen
  • Kundenwünsche berücksichtigen: Reklamationen, Bestellungen bzw. Reservierungen, Umtausch durchführen. Am Ende sollte der Kunde immer zufrieden sein
  • Besondere branchenspezifische Dienstleistungen (z. B. Lieferdienst, Reparaturen)
  • Rund um die Kasse: Verkaufspreise kalkulieren, Rabatte einbeziehen, moderne (bargeldlose) Zahlungsmethoden anwenden, Gutscheine und Quittungen ausstellen, Abrechnung und Kassenbericht anfertigen
  • Mitgestalten: Sortiment mitplanen und Marketingaspekte sowie Marktforschung einfließen lassen
  • Lagerhaltung: Warenbedarf, Einkaufsmengen und Bestellzeitpunkte ermitteln. Lieferfristen berücksichtigen, Kontakt mit Lieferanten, Qualitätskontrollen, Lieferkontrollen, ggf. Rücksendungen veranlassen
  • Waren auszeichnen, Regale auffüllen und Bestandskontrollen bzw. Inventur durchführen

Darüber hinaus sind Tätigkeiten bei der Verwaltung und Organisation je nach Betrieb möglich. Wie weit der Einzelhandelskaufmann mit solchen Tätigkeiten befasst wird, hängt natürlich vom jeweiligen Betrieb und dessen Strukturen ab. Generell wird aber vorausgesetzt, dass die erforderlichen Fähigkeiten vorhanden sind.

Gut ausgebildete Einzelhandelskaufleute können in entsprechend großen Betrieben mit guten Aufstiegsmöglichkeiten rechnen.

Gut ausgebildete Einzelhandelskaufleute können in entsprechend großen Betrieben mit guten Aufstiegsmöglichkeiten rechnen.(#04)

Aufstiegschancen: Personalführung, Filialleitung

Gut ausgebildete Einzelhandelskaufleute können in entsprechend großen Betrieben mit guten Aufstiegsmöglichkeiten rechnen. Selbst in kleinen Geschäften suchen die Inhaber häufig nach geeigneten Nachfolgern und wählen dabei nicht selten einen vertrauenswürdigen Mitarbeiter mit Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann aus. Besonders gut sind die Aufstiegschancen aber in Ausbildungsbetrieben, die ihren eigenen Nachwuchs konsequent heranziehen.

Hier stechen vor allem die großen Discounterketten hervor, die eigene Ausbildungsprogramme haben, die besonders auf die speziellen Anforderungen der Ladenketten ausgerichtet sind. Neben den in der Regel wesentlich besseren Ausbildungsvergütungen bieten diese Arbeitsplätze aufgrund der Expansionstätigkeit vieler Einzelhandelsketten gute Aufstiegsmöglichkeiten. In relativ jungen Jahren bereits die eigene Filiale zu leiten, ist bei diesen Arbeitgebern keine Ausnahme. Allerdings verlangen sie im Gegenzug eine entsprechend hohe Flexibilität und Belastbarkeit, die nicht unterschätzt werden sollte.

Das Berufsbild des Einzelhandelskaufmanns ist so vielseitig wie kaum ein anderes. Die vielen unterschiedlichen Branchen bringen eine große Bandbreite an möglichen Tätigkeitsfeldern mit sich. (#04)

Das Berufsbild des Einzelhandelskaufmanns ist so vielseitig wie kaum ein anderes. Die vielen unterschiedlichen Branchen bringen eine große Bandbreite an möglichen Tätigkeitsfeldern mit sich. (#04)

Fazit: Einzelhandelskaufleute haben einen interessanten und vielseitigen Beruf

Das Berufsbild des Einzelhandelskaufmanns ist so vielseitig wie kaum ein anderes. Die vielen unterschiedlichen Branchen bringen eine große Bandbreite an möglichen Tätigkeitsfeldern mit sich. Neben der reinen Verkaufstätigkeit, die oft einen großen Teil der Arbeit als Einzelhandelskaufmann ausmacht, werden Kaufmänner und Kauffrauen auch für betriebswirtschaftliche Aufgaben eingesetzt. Planung, Organisation und Durchführung von neuen Konzepten gehören ebenfalls dazu.

Die umfassende Einbindung in den Zahlungsverkehr (vom Bezahlen von Rechnungen der Lieferanten bis hin zum Abkassieren der Kunden und allen buchhalterischen Abwicklungen) rundet das Berufsbild ab. Wer gerne mit Menschen (insbesondere mit Kunden) umgeht und Freude an organisatorischer Vielfalt hat, findet oft gute Aufstiegsmöglichkeiten im Betrieb vor. Dem gegenüber stehen allerdings lange Öffnungszeiten und eine entsprechende Stressbelastung.


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Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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