Löhne + Gehälter: Frankreich bietet geringeren Verdienst

Löhne + Gehälter: Frankreich weist einige Differenzen zu Deutschland und anderen Ländern auf. Arbeitnehmer bekommen hier netto mehr ausgezahlt, dennoch haben sie letzten Endes weniger auf der Hand.

Löhne + Gehälter Frankreich: Abzüge vom Netto?

Hier in Deutschland wird die Einkommenssteuer vom Bruttogehalt abgezogen. Der Arbeitnehmer bekommt sein Nettogehalt oder seinen Nettolohn als festen Auszahlungsbetrag. Auch die Sozialversicherung ist bereits vom Brutto abgezogen worden. Die Löhne und Gehälter in Frankreich hingegen sind anders konzipiert. Doch entspricht das Nettogehalt dem deutschen Brutto, nachdem hierzulande die Sozialversicherung abgezogen worden ist.

Das wiederum bedeutet, dass der französische Arbeitnehmer von seinem Netto Geld zurücklegen muss, denn immerhin wird Steuer später noch verlangt. Sie wird im Rahmen der Steuererklärung fällig. Damit ist klar, warum Löhne und Gehälter in Frankreich netto höher ausfallen. Dabei liegt das Durchschnittseinkommen bei 2403 Euro, welches sich im Ländervergleich in Deutschland auf rund 2860 Euro beläuft.

Allerdings sind diese Durchschnittseinkommen branchenabhängig und so verdienen auch die Mitarbeiter in der Industrie und im Dienstleistungssektor in Frankreich rund 300 Euro mehr im Monat.

Video: Frankreichs Regierungschef: „Einkommensteuer an der Quelle“

Löhne + Gehälter: Frankreich bietet den Mindestlohn

Der Mindestlohn wird in Frankreich als „Salaire minimum interprofessionel de croissance“ (SMIC) bezeichnet. Er soll auch ungelernten Kräften die Chance auf einen angemessenen Verdienst bieten, auch wenn sich der Mindestlohn sicherlich nicht mit den Löhnen und Gehältern in Frankreich vergleichen lässt.

Er liegt derzeit bei 10,03 Euro pro Stunde (2019). Auch nicht gelernte Kräfte arbeiten in Frankreich in der Regel 35 Stunden pro Woche. In Deutschland beträgt der Mindestlohn 9,19 Euro in der Stunde, die Arbeitszeit liegt zwischen 35 und 40 Stunden in der Woche bei Vollzeitarbeit.

Löhne, Gehälter: Frankreich und seine Unterschiede

Nicht nur bei einem Ländervergleich zeigen sich teils gravierende Unterschiede. Auch innerhalb der Regionen des Landes sind Löhne und Gehälter in Frankreich sehr verschieden. Der Durchschnittslohn in Paris liegt bei rund 40 Prozent über dem Durchschnitt des Landes. Dieser Durchschnitt wird auch in Grenznähe zu Deutschland und an der Mittelmeerküste in der Region Monaco überschritten.

Im Binnenraum hingegen verdienen die Menschen am wenigsten, die genannten Durchschnittswerte für das gesamte Land sind daher nur bedingt aussagekräftig. Wer beispielsweise als Außendienstmitarbeiter in Frankreich eingesetzt wird, muss sich somit nach der Region richten und nach dem dort veranschlagten Verdienst, wenn ein Referenzwert gewünscht ist.

Weitere Unterschiede gibt es auch zwischen Führungskräften und Angestellten sowie zwischen den einzelnen Berufsgruppen. Angestellte bekommen eine durchschnittliche Erhöhung des Lohns oder Gehalts von 0,8 Prozent im Jahr, Führungskräfte hingegen verdienen bis zu 1,5 Prozent mehr pro Jahr. Das durchschnittliche Bruttogehalt liegt bei Führungskräften bei etwa 5.560 Euro, Angestellte verdienen rund 2.170 Euro im Monat.

Bei einer Betrachtung der Löhne und Gehälter in Frankreich muss aber auch der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen berücksichtigt werden. Durchschnittlich verdienen Frauen rund 18 Prozent weniger als Männer, bei Führungskräften sind es rund 19 Prozent. Und das, obwohl bei der Einstellung selbst kaum Unterschiede zwischen Männern und Frauen gemacht werden!

Die Unterschiede sind allerdings auch hier wieder branchenspezifisch, und während in einigen Berufen der Gehaltsunterschied recht gering ist, kann er in anderen bis zu 27 Prozent betragen.

Experten gehen davon aus, dass Frauen öfter in Teilzeit tätig sind, daher verdienen sie auch in der gleichen Position deutlich weniger Geld.

Experten gehen davon aus, dass Frauen öfter in Teilzeit tätig sind, daher verdienen sie auch in der gleichen Position deutlich weniger Geld.(#01)

Unterschiede bei Männern und Frauen: Trennen Löhne + Gehälter Frankreich?

Die Erklärungsansätze für die unterschiedlichen Löhne und Gehälter in Frankreich sind vielfältig. Experten gehen davon aus, dass Frauen öfter in Teilzeit tätig sind, daher verdienen sie auch in der gleichen Position deutlich weniger Geld. Ein Teil des Lohngefälles lässt sich zudem dadurch erklären, dass Männer häufiger Überstunden machen, die wiederum vergütet werden. Sie üben auch häufiger risikoreiche Berufe aus, die dazu führen, dass sie entsprechende Zuschläge erhalten.

Weitere Einflussfaktoren auf die Höhe der Löhne und Gehälter in Frankreich sind:

  • Ausbildungsniveau und Schulabschluss
  • Berufserfahrung und Dienstalter
  • Arbeitsbereich
  • Unternehmensgröße

Ob das System bewusst Frauen diskriminiert oder nicht, lässt sich anhand der Vergleichsstudien über die Höhe der Löhne und Gehälter in Frankreich bzw. deren Aufteilung auf Männer und Frauen nicht sagen. Fakt ist aber, dass das Ergebnis derartiger Studien vorsieht, dass rund 10 Prozent der Gehaltsunterschiede nicht erklärbar sind, wenn die oben genannten Faktoren berücksichtigt werden.

Video: Frankreich will die Steuern massiv senken

Löhne + Gehälter Frankreich: Lohnnebenkosten kurz erklärt

Wer sich für das Leben und Arbeiten in Frankreich interessiert, sollte sich auch der Sozialversicherung bewusst sein, wenn es um Löhne und Gehälter in Frankreich geht. Das Sozialversicherungssystem wird hier durch die Abgaben von Arbeitnehmern und Arbeitgebern finanziert, außerdem fließen Steuern mit hinein.

Die Beiträge zur Sozialversicherung werden durch den Arbeitgeber abgeführt, die Steuer muss hingegen der Arbeitnehmer im Rahmen der Steuererklärung und in Höhe von zwei bis drei Monatsgehältern erbringen. Für den Arbeitgeber zählen die Abgaben zu den Lohnnebenkosten und belaufen sich auf rund 20 Prozent.

Damit zahlen Arbeitgeber die etwa ein Fünftel der fälligen Beiträge, zwei Fünftel muss der Arbeitnehmer entrichten. Der Rest wird aus Steuern beglichen. Ein gravierender Unterschied zu Deutschland sei an dieser Stelle erwähnt: Arbeitnehmer müssen in Frankreich auch auf Lottogewinne Steuern zahlen!


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Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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