Ausbildungsvergütung: Einzelhandelskaufmann im Mittelfeld

Die Ausbildungsvergütung für einen Azubi zum Einzelhandelskaufmann bzw. -frau ist abhängig von lokalen Faktoren, aber auch davon, ob man bei einem großen Handelsunternehmen oder einem Tante-Emma-Laden anfängt. Insgesamt liegt das Ausbildungsgehalt im Mittelfeld.

Was genau versteht man unter Ausbildungsvergütung?

Diese Frage wird immer wieder gestellt. Generell wird in der Wirtschaft zwischen Lohn und Gehalt unterschieden. Während klassische Arbeiter einen Lohn beziehen, spricht man bei Angestellten eher von Gehalt. Bei Ausbildungsberufen ist es rechtlich gesehen aber weder das eine noch das andere, sondern lediglich eine Ausbildungsvergütung. Jeder, der sich zum Einzelhandelskaufmann ausbilden lassen möchte, erhält dieses Ausbildungsgehalt für jeden Monat der Ausbildung. Es ist üblich, dass in jedem Jahr die Bezüge steigen. In vielen Berufen und größeren Unternehmen ist die Höhe der Ausbildungsvergütung durch Tarifverträge festgelegt.

Wer nun die Höhe der Vergütung auf die Arbeitszeit umrechnet, wird feststellen, dass man auf einen sehr geringen Stundenlohn kommt. Immerhin darf dieser inzwischen nicht mehr unter dem gesetzlich festgelegten Mindestlohn liegen. Doch obwohl viele Auszubildende unterhalb des Freibetrags für Steuern und Sozialabgaben bleiben, lässt sich von einem durchschnittlichen Ausbildungsgehalt in der Regel kein eigener Hausstand oder ein unabhängiges Leben finanzieren. Das ist aber auch nicht der Sinn der Ausbildungsvergütung, denn sie soll lediglich eine Art Aufwandsentschädigung für die Kosten des Auszubildenden darstellen.

Video: Die Ausbildungsvergütung | Wissen für die Ausbildung | Prozubi.de

Warum wird keine höhere Ausbildungsvergütung gezahlt?

Gerade in einem Beruf wie dem Einzelhandelskaufmann sind die Berufstätigen hohen körperlichen Belastungen sowie langen Arbeitszeiten ausgesetzt. Dem gegenüber steht eine je nach Arbeitgeber eher geringe Ausbildungsvergütung. Doch so einfach ist es natürlich nicht. Denn im dualen Ausbildungssystem erbringt der Ausbildungsbetrieb ebenfalls eine Gegenleistung – nämlich die der Ausbildung. Kenntnisse werden vermittelt und genügend Zeit für das Erlernen und Üben der neuen Inhalte eingeräumt.

Der Azubi kann also noch nicht als vollwertige Arbeitskraft betrachtet werden. Zudem findet Berufsschulunterricht statt, der sich in Häufigkeit und Dauer je nach Region unterscheiden kann. Während in manchen Betrieben der sogenannte Blockunterricht üblich ist, findet bei anderen Ausbildungsbetrieben ein- oder zweimal wöchentlich ein Berufsschultag statt. Ob Blockunterricht oder nicht, während der Zeit in der Berufsschule steht der Auszubildende natürlich nicht für betriebliche Tätigkeiten zur Verfügung – dennoch wird diese Zeit ebenso vergütet wie die normale Anwesenheit im Betrieb.

Gerade im ersten Lehrjahr ist die Einsetzbarkeit von Auszubildenden im Alltag natürlich noch begrenzt, während sie gegen Ende der Ausbildung dann schon fast als vollwertige Arbeitnehmer eingesetzt werden können. Insgesamt sollten sich die Vor- und Nachteile sowohl für Arbeitgeber als auch für den Auszubildenden die Waage halten. Am Ende der Ausbildung steht immerhin die Abschlussprüfung und als vollwertiger Einzelhandelskaufmann bekommt man dann auch mehr Geld als zuvor.

Im Einzelhandel gibt es in der Regel recht viele freie Ausbildungsplätze, weil immer wieder neue Filialen großer Supermärkte und Discounter eröffnen, die Bedarf an gut ausgebildeten Arbeitskräften haben. (#01)

Im Einzelhandel gibt es in der Regel recht viele freie Ausbildungsplätze, weil immer wieder neue Filialen großer Supermärkte und Discounter eröffnen, die Bedarf an gut ausgebildeten Arbeitskräften haben. (#01)

Gute Aufstiegschancen bei großen Handelsunternehmen

Im Einzelhandel gibt es in der Regel recht viele freie Ausbildungsplätze, weil immer wieder neue Filialen großer Supermärkte und Discounter eröffnen, die Bedarf an gut ausgebildeten Arbeitskräften haben. Da sie zudem einige spezielle Anforderungen an ihre Mitarbeiter stellen, die es in kleineren Betrieben auf dem Land so nicht gibt, haben sich viele große Discounter dazu entschlossen, selbst auszubilden. Das ist nicht selbstverständlich, denn früher konnte man weder bei Aldi noch bei Lidl, Penny oder Netto eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann absolvieren.

Die Vielseitigkeit und die Anforderungen in diesen Läden sind oft größer als in kleineren Einzelhandelsläden und unterscheiden sich vom Sortiment und der betrieblichen Organisation meist ebenfalls. Auf der anderen Seite bekommen die Azubis dort schon im ersten Lehrjahr oft ein höheres Ausbildungsgehalt als in vielen anderen Branchen. Besonders interessant ist zudem die Möglichkeit, dass man als Einzelhandelskaufmann in den großen Unternehmen zusätzlich gefördert wird. Qualifizierte Fortbildungen mit der Aussicht, nach wenigen Jahren Betriebszugehörigkeit bereits in den Rang eines Filialleiters aufsteigen zu können, sind in den meisten anderen Unternehmen so nicht umsetzbar. Zudem verfügen die modernen Märkte meist über aktuelle Betriebsausstattung und bieten bei der Automatisierung und Digitalisierung wesentlich mehr als etwa das Schuhgeschäft in der Kleinstadt.

Schon diese bessere Qualifizierung bringt viele Interessenten dazu, eine Stelle als Einzelhandelskaufmann bei einem der großen Handelsunternehmen anzustreben. Da auch die Ausbildungsvergütung für diese Einzelhandelskaufleute in der Regel höher liegt als im Durchschnitt, ist das verständlich. Auf der anderen Seite muss man natürlich wissen, dass die großen Discounter oft sehr lange Öffnungszeiten haben (insbesondere in Großstädten) und zu Stoßzeiten extremer Stress zum Arbeitsalltag gehört.

Natürlich können nicht alle Interessenten für Ausbildungsplätze bei den großen Discountern untergebracht werden. Als Einzelhandelskaufmann hat man die Wahl aus einer Fülle von Branchen, die alle ihre Besonderheiten haben. (#02)

Natürlich können nicht alle Interessenten für Ausbildungsplätze bei den großen Discountern untergebracht werden. Als Einzelhandelskaufmann hat man die Wahl aus einer Fülle von Branchen, die alle ihre Besonderheiten haben. (#02)

Das Ausbildungsgehalt liegt verglichen mit anderen Berufen im Mittelfeld

Natürlich können nicht alle Interessenten für Ausbildungsplätze bei den großen Discountern untergebracht werden. Als Einzelhandelskaufmann hat man die Wahl aus einer Fülle von Branchen, die alle ihre Besonderheiten haben. Je nach Branche, Region und einigen weiteren Faktoren kann man insgesamt feststellen dass die Einzelhandelskaufleute in Sachen Ausbildungsvergütung im Mittelfeld liegen.

Die Aufstiegschancen sind ebenso wie die Ausbildungsstellen nicht überall gleich gut und die Bewerbung bei kleinen Firmen, die nur wenig freie Ausbildungsstellen zu vergeben haben, kann langwieriger sein als bei größeren Unternehmen im Einzelhandel. Natürlich gibt es auch noch Unterschiede bei den Tarifverträgen, weswegen pauschale Aussagen über die Höhe der Ausbildungsvergütung nicht möglich sind. Ausreißer nach oben und unten gibt es überall, doch im Allgemeinen bewegt sich das Ausbildungsgehalt im folgenden Bereich:

  • 1. Ausbildungsjahr: zwischen 550 und 730 Euro
  • 2. Ausbildungsjahr: zwischen 590 und 820 Euro
  • 3. Ausbildungsjahr: zwischen 710 und 950 Euro

Besonders die Discounter locken teilweise mit sehr viel höheren Beträgen, man kann dort schon im ersten Lehrjahr knapp unter 1000 Euro als Auszubildender zum Einzelhandelskaufmann verdienen. Noch nicht einbezogen sind dabei Sonderzahlungen, also eventuelles Weihnachts- und Urlaubsgeld, die normalerweise über die Tarifverträge geregelt sind. Immer eine große Rolle spielt aber der Ort, an dem man sich befindet, da die regionalen Unterschiede bei der Bezahlung nicht nur während der Ausbildungszeit relativ groß ausfallen können.

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Gibt es auch BaföG während der Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann?

Gerade auf dem Land kann es mit dem Ausbildungsgehalt knapp werden, wenn der Auszubildende weite Strecken mit dem Auto oder dem öffentlichen Nahverkehr bewältigen muss. Selbst wenn die Verbindungen optimal sind, geht das bei einer relativ geringen Ausbildungsvergütung schnell ins Geld. Da auch nicht jeder die Mieten in großen Städten bezahlen kann oder bei den Eltern wohnen bleiben möchte, stellt sich die Frage, ob es Möglichkeiten zur finanziellen Unterstützung für die Ausbildung zum Beruf als Einzelhandelskaufmann gibt. Und das gibt es tatsächlich, denn der Staat unterstützt nicht nur das Studium an Hochschulen mit Hilfen.

Obwohl das sogenannte BaföG für den Einzelhandelskaufmann bzw. die Einzelhandelskauffrau nicht infrage kommt, bieten viele Bundesländer ähnliche Förderprogramme, um die freien Ausbildungsstellen alle besetzen zu können. Auch firmeneigene Fördermechanismen können je nach Unternehmen greifen. Hier sind die Chancen bei den größeren Firmen wiederum besser als bei einem kleinen Einzelhandelsgeschäft, das ohnehin keine großen Möglichkeiten hat. Dafür haben diese Firmen häufig den Vorteil, ortsnah zu sein. Die Unterschiede beim Ausbildungsgehalt können also durch Einsparungen hinsichtlich weiter Wegstrecken wieder wettgemacht werden.

Die Ausbildungsvergütung ist abhängig von Ort und Branche und unter Umständen gerade im ersten Jahr nicht sehr hoch. (#03)

Die Ausbildungsvergütung ist abhängig von Ort und Branche und unter Umständen gerade im ersten Jahr nicht sehr hoch. (#03)

Fazit: Lehrjahre sind keine Herrenjahre, aber der Einzelhandelskaufmann hat Perspektiven

Die Ausbildungsvergütung ist abhängig von Ort und Branche und unter Umständen gerade im ersten Jahr nicht sehr hoch. Dafür kann man durch gute Qualifizierung und Ausbildungsinhalte in vielen verschiedenen Branchen und Unternehmen eine Stelle finden, wenn man die Ausbildung erst einmal abgeschlossen hat. Der Bedarf für den gut ausgebildeten Einzelhandelskaufmann bzw. die Einzelhandelskauffrau ist insbesondere in den wirtschaftlich blühenden Regionen recht hoch.

Insbesondere die Discounter bilden ihren Bedarf an Nachwuchs mittlerweile weitgehend selbst aus, zahlen besser als der Durchschnitt und bieten durch die große Zahl an Filialen schnellere Aufstiegsmöglichkeiten. Doch auch die Bewerbung bei klassischen Ladengeschäften auf dem Land sowie in den Einkaufspassagen und Einkaufszentren der kleinen und großen Städte macht Sinn, weil der Bedarf für Fachkräfte insgesamt groß ist. Das gilt aber nicht für alle Branchen, da der Einzelhandel insgesamt die Konkurrenz aus dem Internet spürt.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: Nicoleta Ionescu -#01: Robert Kneschke  -#02: ALPA PROD -#03:  Robert Kneschke

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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