Elternzeit: Fakten, Tipps und mehr rund um die Elternzeit

Eltern sollen nach der Geburt ihres Kindes ausreichend Zeit für die junge Familie haben, ohne sich um das Einkommen Sorgen machen zu müssen. Hier kommen Elternzeit und Elterngeld ins Spiel, welche auch bisherige Sparmaßnahmen überstanden haben – im Gegensatz zum Betreuungsgeld, welches rasch wieder abgeschafft wurde. Das Elterngeld soll es Müttern und Vätern erleichtern, für einige Zeit auf die berufliche Tätigkeit zur Einkommenserzielung zu verzichten. Unterschieden werden muss seit dem 1. Juli 2015 zwischen dem Basiselterngeld und dem Elterngeld-Plus. Auch eine Kombination beider Varianten ist möglich.

Wann wird die Elternzeit angemeldet?

Innerhalb der ersten drei Lebensjahre sollte die Elternzeit beansprucht werden, allerdings gibt es auch die Möglichkeit, die Elternzeit noch später zu nehmen. Der Arbeitgeber muss spätestens sieben Wochen vor Antritt der Elternzeit darüber informiert werden, ab diesem Zeitpunkt gilt ein besonderer Kündigungsschutz für den Arbeitnehmer. Nur in dringenden Fällen ist eine kürzere Frist als diese sieben Wochen möglich.

Zusätzlich zur Anmeldung der Elternzeit müssen die Zeiträume benannt werden, innerhalb derer die Elternzeit genommen werden soll.

Meist wird die Elternzeit auf das erste Lebensjahr des Kindes festgesetzt, da für diesen Zeitraum das Elterngeld gewährt wird.

Ist Teilzeitarbeit möglich?

Elternzeit bedeutet nicht, dass die Erwerbstätigkeit gänzlich aufgegeben wird. Möglich ist auch, dass der betreffende Elternteil in Teilzeit arbeitet, wobei die Grenze hier bei maximal 30 Stunden pro Woche liegt. Wenn in einer Woche mehr als 30 Stunden gearbeitet werden, muss diese Mehrarbeit in einer anderen Woche wieder eingespart werden, denn der Durchschnitt im Monat ist ausschlaggebend. Die Regelung auf Anspruch auf Teilzeitarbeit besteht in Betrieben mit mindestens 15 Mitarbeitern.

Allerdings dürfen keine wichtigen betrieblichen Gründe entgegenstehen, außerdem muss der betreffende Arbeitnehmer seit mindestens sechs Monaten im Unternehmen tätig sein. Außerdem muss sich die Teilzeit für mindestens zwei Monate auf eine Arbeitszeit zwischen 15 und 30 Wochenstunden belaufen. Der entsprechende Antrag muss wiederum mindestens sieben Wochen vor Inanspruchnahme gestellt werden.

Flexible Elternzeitregelungen

Im Zusammenhang mit dem Elterngeld-Plus gibt es seit dem 1. Juli 2015 eine neue Regelung zur flexiblen Lösung der Elternzeit. Bis zum dritten Geburtstag des Kindes können immer noch 36 Monate Elternzeit in Anspruch genommen werden. Davon können allerdings 24 Monate später beansprucht werden, sie müssen dann zwischen dem dritten und dem achten Geburtstag des Kindes verwendet werden. Der Arbeitgeber muss dieser Regelung nicht extra zustimmen, allerdings gibt es eine Anmeldefrist von 13 Wochen. Schließlich braucht auch der Arbeitgeber Zeit, sich auf diese Zeit vorzubereiten und gegebenenfalls eine Vertretung einzustellen.

Zudem kann die Elternzeit in drei statt zwei Abschnitte geteilt werden, sodass es zum Beispiel möglich ist, das Kind dann intensiver zu begleiten, wenn es eine umfassendere Betreuung nötig hat.

Wichtige Fakten zum Elterngeld

Anspruch auf die Zahlung von Elterngeld haben sowohl Mütter als auch Väter, die nach der Geburt ihres Kindes nur noch eingeschränkt arbeiten oder ihren Job für gewisse Zeit gänzlich aufgeben. Das Basiselterngeld wird für maximal 14 Monate gewährt, wobei Mütter und Väter den Zeitraum des Bezugs frei unter sich aufteilen können. Ein Elternteil hat dabei immer die Wahl zwischen minimal zwei und maximal zwölf Monaten Bezugszeit. Die zwei zusätzlichen Monate Elterngeld werden gewährt, wenn der andere Elternteil an der Betreuung des Kindes beteiligt ist und auch für wenigstens zwei Monate die Erwerbstätigkeit einschränkt oder diese aufgibt. Für Alleinerziehende gilt, dass sie die vollen vierzehn Monate Anspruch auf Elterngeld haben, weil bei ihnen der Partner zur Aufteilung des Bezugszeitraums wegfällt.

Neben dem Basiselterngeld gibt es seit Juli 2015 das Elterngeld-Plus für alle Eltern, die schon in der Betreuungszeit und im Zeitraum der Elterngeldzahlung wieder in Teilzeit beschäftigt sein möchten. Sie können durch das Elterngeld-Plus die Leistung länger beanspruchen, wenn sie eine feste Stundenzahl nicht überschreiten. Diese Form des Elterngelds wird für die doppelte Zeit gezahlt, dann allerdings nur in halber Höhe.

Damit bekommen die betreffenden Eltern letzten Endes nicht mehr Geld, es wird nur anders aufgeteilt und das Elterngeldbudget kann besser ausgeschöpft werden. Wenn beide Elternteile für jeweils vier Monate höchstens 25 bis 30 Stunden in der Woche arbeiten, so können sie den Partnerschaftsbonus erhalten, der vier Elterngeld-Plus-Monate für Mutter und Vater ausmacht.

Infografik: Alle Fakten zum Elterngeld

Infografik: Alle Fakten zum Elterngeld

Wie hoch ist das Elterngeld?

Grundlage für die Berechnung des Elterngelds ist das durchschnittliche monatliche Einkommen der Eltern, wobei das Einkommen der Mutter für ihren Elterngeldanteil ausschlaggebend ist, das des Vaters für seinen Anteil. Betrachtet werden dabei die letzten zwölf Monate vor der Geburt des Kindes. Ein eventuell gezahltes Mutterschaftsgeld wird angerechnet, sodass das Elterngeld für die ersten zwei Monate nach der Geburt oft gänzlich wegfällt.

Das Elterngeld wird in einer Höhe von mindestens 300 Euro gezahlt und beträgt maximal 1.800 Euro pro Monat. Die Summen halbieren sich jeweils für das Elterngeld-Plus.

Wenn ein Voreinkommen von 1.000 bis 1.2000 Euro vorhanden war, so wird das Elterngeld auf 67 Prozent dieser Summe festgesetzt. Wer unter 1.000 Euro verdient hat, bekommt eine Ersatzrate gezahlt, die schrittweise auf 100 Prozent erhöht wird. Je niedriger das Einkommen vor der Geburt war, desto höher fällt daher die Ersatzrate aus. Wenn das Nettoeinkommen vor der Geburt des Kindes ab 1.200 Euro betragen hat, so sinkt die Ersatzrate von 67 auf 65 Prozent.

Für alle, die ihr Kind selbst betreuen und bis höchstens 30 Stunden in der Woche erwerbstätig sind, werden mindestens 300 Euro gezahlt. Das gilt auch für Hausfrauen und –männer, für Studierende oder für Eltern, die wegen der Betreuung weiterer Kinder nicht mehr berufstätig sind. Für Mehrkindfamilien gibt es den Geschwisterbonus von 10 Prozent, mindestens aber von 75 Euro. Sämtliche Mindestbeiträge werden bei Zahlung des Elterngeld-Plus halbiert.

Wer genau wissen möchte, wie hoch der eigene Elterngeldanspruch ist, findet einen Rechner unter diesem Link: www.elterngeldrechner.de.

Das Elterngeld wird bei der zuständigen Familienkasse beantragt. Ein Verzeichnis der Elterngeldstellen in den einzelnen Bundesländern ist unter www.elterngeld.net zu finden. Dort gibt es auch den Elterngeldantrag, der für Ihr Bundesland zutreffend ist zum Download.

Wenn Sie Hilfe beim Finden des richtigen Ansprechpartners oder der zuständigen Familienkasse benötigen, besuchen Sie die Seite www.familienkasse-info.de.

Elterngeld und soziale Unterstützung

Für Empfänger von Arbeitslosengeld II oder von Sozialhilfe gilt, dass das Elterngeld voll auf das Einkommen angerechnet wird. Auch beim Kinderzuschlag werden Elterngeldzahlungen als Einkommen angesehen, wobei auch der Mindestbeitrag von 300 Euro schon mit inbegriffen ist. Allerdings gibt es hier noch eine besondere Regelung zu beachten: Die Elterngeldberechtigten, die ALG II oder Sozialhilfe beziehen (oder den Kinderzuschlag erhalten) und vor der Geburt ein eigenes Einkommen erzielt haben, bekommen den Elterngeldfreibetrag zugestanden. Dieser entspricht in seiner Höhe dem Einkommen, welches vor der Geburt bezogen wurde, maximal wird der Freibetrag mit 300 Euro angesetzt. Das Elterngeld bleibt dann bis zu dieser Grenze frei von jeglicher Anrechenbarkeit und kann zusätzlich verwendet werden.

Eltern mit hohem Einkommen

Eltern, die gemeinsam im Kalenderjahr vor der Geburt des Kindes mehr als 500.000 Euro verdient haben, haben keinen Anspruch auf Elterngeld. Ein solcher Wegfall des Anspruchs besteht auch für alleinerziehende Eltern, wenn sie mehr als 250.000 Euro verdient haben.

Wenn zusätzliche Einnahmen bestehen, die nicht im Inland versteuert werden müssen oder wenn es Einnahmen gibt, die diesen nicht im Inland zu versteuernden Einnahmen gleichgestellt sind, so werden diese nicht bei der Berechnung des Elterngeldes berücksichtigt. Versteuerte Einnahmen in der EU sind allerdings den inländischen Einnahmen gleichzusetzen und müssen als Einkommen berücksichtigt werden.

Die gesetzlichen Regelungen zum Elterngeld gibt es unter diesem Link: www.gesetze-im-internet.de

Elterngeld für Mehrlingsgeburten

Die Elternzeit kann natürlich auch in Anspruch genommen werden, wenn Mehrlinge geboren werden – sie wird hier pro Kind berechnet. Dies wirkt sich auf das Elterngeld ebenso aus. Bis zum 31.12.2014 gab es die Regelung, dass der Elterngeldanspruch pro Kind bestehen sollte. Seit dem 1. Januar 2015 hingegen gilt, dass ein geburtsbezogener Anspruch auf Elterngeld vorhanden ist. Der Mehrlingszuschlag hingegen bleibt davon unberührt, das heißt, dass auch weiterhin 300 Euro pro Mehrlingsgeschwisterkind gezahlt werden.

Gezahlt wird am Ende das Elterngeld für das älteste Kind, der Betrag wird auf die jüngeren Mehrlingskinder angerechnet, ein Kind bleibt aber immer von der Anrechnung frei. Das heißt, dass bei Zwillingen zweimal 300 Euro bleiben, bei Drillingen dreimal 300 Euro usw.

Die Mutterschaftsleistungen, die nach der Geburt gezahlt werden, werden auch bei Mehrlingen auf das Elterngeld angerechnet. Der Mutterschutz dehnt sich bei Mehrlingsgeburten auf zwölf Wochen aus, für diese Zeit wird das Elterngeld oft nur eingeschränkt gezahlt oder sogar gar nicht.

 


Bildnachweis: © Benjamin Earwicker

Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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