Wie Kleidung der Karriere dienen kann

„Man empfängt Menschen nach dem Kleide und entlässt sie nach dem Verstand.“
Diese Erkenntnis hatte der Dichter Karl Simrock schon im 19. Jahrhundert, und sie hat bis heute weder an Wahrheitsgehalt noch an Aktualität eingebüßt. Denn es ist der erste Eindruck, der entscheidend beeinflusst, was wir von unserem Gegenüber halten. Die Kleidung spielt dabei besonders in der Geschäftswelt eine sehr wichtige Rolle.

Es beginnt beim Vorstellungsgespräch

Wenn Sie vor den Personalern eines möglichen Arbeitgebers sitzen, werden diese Sie zunächst unwillkürlich anhand Ihrer Aufmachung beurteilen. Dieses Phänomen bezeichnet die Psychologie als „schnelles Denken“. Sie können es auch an sich selbst immer wieder im Alltag feststellen. Wenn Sie durch die Stadt laufen, stecken Sie andere Menschen unweigerlich in Schubladen.

Das wäre doch die richtige Bekleidung für ein Vorstellungsgespräch, dass nach Chefetage schreit

Das wäre doch die richtige Bekleidung für ein Vorstellungsgespräch, dass nach Chefetage schreit (#01)

Anzugträger halten Sie oft für Banker bzw. Geschäftsmänner oder, allgemein gesprochen, erfolgreich; wenn Sie jemandem begegnen, der abgetragene oder nicht zueinander passende Kleidung trägt, werden Sie ihm kaum den gleichen Respekt entgegen bringen.

Da dies wie gesagt schon bei einem zwanglosen Spaziergang ständig passiert, können Sie sich vorstellen, wie stark dieser Effekt im Bewerbungsgespräch zu Tage tritt; denn hier ist es ja tatsächlich die Aufgabe der Personaler, sich ein Bild von Ihnen zu machen und einzuschätzen, ob Sie für die zu vergebende Position geeignet sind.
Die Wahl der angemessenen Kleidung ist also von essentieller Wichtigkeit. Das entscheidende Wort ist hier angemessen, denn es bringt auch nichts, wenn Sie völlig overdressed erscheinen. Ihr Outfit muss sowohl zum Unternehmen als auch zur Position passen. Bewerben Sie sich in einer eher konservativen Branche wie einer Bank oder Versicherung, sollten Sie einen Anzug tragen. In anderen Bereichen wie zum Beispiel Werbeagenturen darf es auch gerne etwas lässiger sein.

Machen Sie sich vor Ihrem Termin unbedingt schlau. Schauen Sie auf der Homepage oder der Facebook-Präsenz Ihres potentiellen Arbeitgebers nach. Dort finden Sie im Idealfall neben repräsentativen Fotos auch Bilder aus dem Arbeitsalltag, die Ihnen die Wahl der richtigen Kleidung erleichtern. Alternativ können Sie natürlich auch Bekannte fragen, die in der Branche tätig sind. Wenn Sie sich trotzdem nicht ganz sicher sind, gehen Sie lieber ein bisschen zu schick als zu leger gekleidet.

Doch nicht nur beim Vorstellungsgespräch, sondern auch in allen anderen Bereichen des Geschäftslebens spielt die Kleidung eine wichtige Rolle.

No brown in town

Es kommt dabei nicht nur darauf an, für welche Kleidungsstücke Sie sich entscheiden, auch die Farbe muss richtig gewählt sein. Dabei ist der Pool an etablierten und damit weithin akzeptierten Farbtönen für Männer sehr begrenzt.

Den Meisten fällt hier als erstes das klassische Schwarz ein. Das ist selbstverständlich eine Option, allerdings eher nicht für den Alltag. Gibt es jedoch eine wichtige Entscheidung zu treffen, so sollte es die erste Wahl sein. Es vermittelt, gerade in der stark kontrastierten Kombination mit weiß, Macht und Autorität. Diesen Effekt können Sie durch das Tragen einer roten Krawatte noch verstärken.

Wer so gekleidet zum Meeting erscheint, vermittelt dem Gegenüber absolute Entschlossenheit, erscheint allerdings auch unnahbar.

Etwas verbindlicher wirken da Grautöne. Im Gegensatz zu schwarz sind sie in jeder Situation, also auch im ganz normalen Büroalltag, angemessen. Wenn Sie sie mit einem weißen Hemd kombinieren, wirken sie dabei dennoch durchsetzungsfähig. Dieser Kontrast ist sehr wichtig, denn wenn Sie zu viel grau tragen, wirkt das schnell langweilig. Und diesen Eindruck sollten Sie auf gar keinen Fall erwecken.

Definitiv nichts falsch machen können Sie mit einem dunkelblauen Anzug. Diese Farbe strahlt Autorität und Kompetenz aus und weckt dabei bei Ihrem Gegenüber auch noch Vertrauen. Sie wird nämlich unterbewusst mit Handwerkern oder Piloten assoziiert. So wirken Sie nahbar und gleichzeitig ruhig und voller Selbstvertrauen – im Geschäftsleben eine unschlagbare Kombination.

In den Läden findet man heute auch immer mehr braune Anzüge. Diese sollten Sie aber nur zu privaten Anlässen tragen. Braun lässt sie sehr nahbar, ungekünstelt und sympathisch erscheinen, ist für das Geschäftsleben allerdings noch eine Spur zu casual.

Und auch auf andere Farben wie Gelb, Grün etc. sollten Sie definitiv verzichten. Sie haben in der Geschäftswelt nichts verloren, allerhöchstens in kreativen Branchen. Aber auch da sind sie schwer zu tragen, da sie oft gekünstelt und übertrieben wirken – oder einfach unpassend. Das immer beliebtere violett beispielsweise vermittelt zwar Kreativität, doch Hand aufs Herz: den meisten Männern steht es einfach nicht.

Unabhängig von der konkreten Farbwahl sollten sie die beiden folgenden Regeln stets beachten:

• Außen dunkel, innen hell.
Wenn sie verschiedene Farben kombinieren, sollte das Hemd stets heller sein als das Jackett. Die Hemden können dabei natürlich variieren, pro Anzug sollten Sie vier bis fünf verschiedene besitzen. Wenn Sie hier noch Nachholbedarf haben, können Sie sich beispielsweise im spezialisierten Online-Shop hemdenbox.de mit Business-geeigneten Hemden eindecken.

• Je höher, desto dunkler
Als Praktikant sollten Sie nicht unbedingt in einem schwarzen Anzug auftauchen. Da diese Farbe wie gesagt Autorität und Unnahbarkeit vermittelt, deutet sie in der Regel auch auf eine leitende Position innerhalb des Unternehmens hin.

Wenn Sie sich an all diese Ratschläge halten, können Sie entscheidend beeinflussen, wie Sie auf andere wirken. Dabei wurde allerdings ein sehr bedeutender Faktor bisher völlig außer Acht gelassen: Wie wirken Sie auf sich selbst?

Klar auch wenn Frauen zu einem Vorstellungsgespräch gehen, spielt die Kleidung eine maßgebliche Rolle

Klar auch wenn Frauen zu einem Vorstellungsgespräch gehen, spielt die Kleidung eine maßgebliche Rolle (#02)

Das Outfit wirkt sich auf die Leistung aus

Dass Sie sich in Ihrer Kleidung wohl fühlen müssen, ist selbstverständlich. Denn nur, wenn Sie das tun, können Sie Entspanntheit und damit Selbstvertrauen vermitteln. Wer sich verkleidet fühlt, wird von anderen auch so wahrgenommen. Außerdem erhöht das die Gefahr, dass Sie verkrampfen und deswegen Fehler machen, die Ihnen sonst nie passieren würden.

Sie sollten also im Rahmen der konventionellen Möglichkeiten die Kleidungsstücke und Kombinationen auswählen, die Ihnen am ehesten zusagen. Dies wird Ihnen in puncto Selbstvertrauen, Außenwirkung und Leistung merklich helfen.

Gerade der Einfluss des Outfits auf die eigene Performance ist nicht zu unterschätzen. Denn neben dem hinlänglich bekannten und oben angesprochenen Wohlfühlfaktor hat die Wahl der Kleidung erwiesenermaßen direkte Auswirkungen auf die Konzentrationsfähigkeit und somit auch auf die Arbeit, die zu leisten man im Stande ist.
Das hat der Psychologe Adam Galinsky von der Nortwestern University in einer bemerkenswerten Studie gezeigt.

Dabei wurden zunächst 58 Probanden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Hälfte zog einen Arztkittel über, die zweite behielt ihre Straßenkleidung. Nun mussten alle den so genannten „Stroop-Test“ absolvieren, bei dem man die Farbe eines gezeigten Wortes sagen muss. Erscheint dabei das Wort „rot“ in Rot, das Wort „blau“ in Blau etc., so geht das sehr schnell, da es sich um einen automatisierten Prozess handelt.

Erscheinen Wörter allerdings in einer Farbe, die sich von der Wortbedeutung unterscheidet, braucht das menschliche Gehirn deutlich länger, um diese Information zu verarbeiten und zum richtigen Ergebnis zu gelangen.

Leistungssteigernd nur weil man einen Kittel trägt? Ja das ist wohl so

Leistungssteigernd nur weil man einen Kittel trägt? Ja das ist wohl so (#03)

Die Gruppe, die einen Kittel bekommen hatte, machte bei diesem Test signifikant weniger Fehler als die, die ihre normale Kleidung anbehalten hatte.

In einem zweiten Test bekam eine Gruppe wieder einen Arztkittel, die zweite Gruppe das gleiche Kleidungsstück, das jedoch als Malerkittel bezeichnet wurde, und einer dritten Gruppe wurde ein explizit so genannter Arztkittel gezeigt. Dann mussten alle Probanden vier Unterschiede zwischen zwei Fotos finden. Die Gruppe, die den Arztkittel trug, schnitt mit Abstand am besten ab, zwischen den Ergebnissen der anderen Teilnehmer lagen keine signifikanten Differenzen.

So konnte Galinsky zeigen, dass es für eine verbesserte Leistung wichtig ist, den Kittel – im übertragenen Sinn also das richtige Outfit – tatsächlich zu tragen. Die mit einem Arzt verbundene Assoziation von Sorgfalt und Vertrauenswürdigkeit reicht dazu nicht aus, sonst hätte die dritte Gruppe besser abgeschnitten als die „Maler“.

Kleidung ist ein wichtiger Erfolgsbaustein

Die Wahl eines angemessenen und stimmigen Outfits garantiert natürlich noch keinen beruflichen Erfolg – die Chancen auf eben diesen erhöht sie jedoch deutlich. Denn sie beeinflusst nicht nur die Art und Weise, wie Ihr Gegenüber – sei es im Vorstellungsgespräch oder später im Meeting – Sie wahrnimmt, sondern auch die Art, wie Sie sich im Berufsalltag verhalten.

Außerdem hat sie entscheidenden Einfluss auf die Arbeit, die sie leisten.
Halten Sie sich an die wichtigste Etikette, aber stellen Sie dabei immer sicher, dass Sie sich wohl fühlen – nur so strahlen Sie das Selbstbewusstsein aus, das Sie brauchen, um in der Geschäftswelt voran zu kommen.
Menschen – und somit natürlich auch Geschäftspartner – verlassen sich oft auf den ersten Eindruck, und wenn dieser negativ ist, kann man das meist nur sehr schwer revidieren.

Mit der richtigen Kleidung sorgen Sie dafür, dass diese Probleme gar nicht erst entstehen, sondern dass Sie im Gegenteil von Anfang an postitiv wahrgenommen werden. So ist es auch viel einfacher, im weiteren Verlauf eines Gesprächs mit Ihren Stärken zu punkten und nach Ihren Fähigkeiten beurteilt, sprich „nach Ihrem Verstand entlassen“ zu werden.


Bildnachweis:© Fotolia- Titelbild: Syda Productions-#01: elnariz-#02: Photographee.eu-#03: Syda

Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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