Vorruhestand und Berufsunfähigkeit: Vorzeitig planen und versichern

Immer wieder wird diskutiert, wer wie lange arbeiten soll. Dabei kommen seitens der Politiker die tollsten Vorschläge und es wird sogar in Erwägung gezogen, die Menschen bis zum 70. Lebensjahr arbeiten zu lassen. Dass Leistungsfähigkeit und Lebensfreude dabei auf der Strecke bleiben, spielt scheinbar keine Rolle. Eine Möglichkeit, aus der Arbeit zu gehen, ist der Vorruhestand. Auch die Altersteilzeit kann eine Lösung sein.

Altersteilzeit als modernes Modell

Viele Arbeitnehmer gehen davon aus, dass es die Möglichkeit der Altersteilzeit gar nicht mehr gibt. Doch weit gefehlt! Lediglich die Förderung ist Ende 2009 ausgelaufen – diese wurde durch die Arbeitgeber aber ohnehin nur selten in Anspruch genommen. Angestellte können nach wie vor von diesem Modell profitieren, denn in vielen Verträgen ist geregelt, dass eventuelle Fehlbeträge durch den vorzeitigen – teilweisen – Ruhestand durch die Unternehmen aufgestockt werden können.

Es gibt nun also die Möglichkeit des Vorziehens der Altersrente:

Wenn Sie 35 Beitragsjahre beisammen haben, haben Sie die rentenrechtliche Wartezeit erfüllt. Sie können dann mit 63 Jahren in den Rentenstand gehen, müssen aber finanzielle Abschläge in Kauf nehmen. Die andere Möglichkeit besteht über das Langzeitkonto, mit dessen Hilfe Sie Überstunden ansammeln können, die nicht ausgezahlt werden. Das Guthaben auf diesem Konto kann dann vor Rentenbeginn abgebummelt werden.

Das Altersteilzeitmodell sieht den folgenden Weg vor: Sie gehen zunächst voll arbeiten, bekommen aber nur das halbe Gehalt ausgezahlt. Der Chef stockt dieses um mindestens 20 % auf. Dann folgt eine Freistellungsphase, in der nicht mehr gearbeitet werden muss – das Gehalt wird aber nach wie vor weitergezahlt. Für Unternehmen interessant: So lässt sich älteres Personal gegen junges tauschen, ohne dass allzu hohe Mehrkosten entstehen.

Möglich ist auch, dass die Freistellungsphase komplett entfällt, hierbei wird lediglich ein gleitender Übergang in den Ruhestand angestrebt. Voraussetzung für den direkten Weg in den Ruhestand ist, dass der Mitarbeiter die letzten fünf Jahre mindestens 1080 Tage beschäftigt war, außerdem muss das reduzierte Gehalt immer noch mindestens 400 Euro betragen.

Übrigens sind die Gehaltseinbußen bei dieser Variante gar nicht so hoch, denn der Chef soll das Gehalt um mindestens 20 Prozent aufstocken. In der Praxis ist das meist mehr und die Steuerprogression sorgt dafür, dass noch mehr übrig bleibt. Denn wer weniger verdient, kommt in eine andere Steuerklasse bzw. wird anders berechnet. Ergo – es bleibt mehr Geld vorhanden.

Weitere Informationen rund ums Thema Renteneinstieg – auch zur Rentenmöglichkeit bei Arbeitslosigkeit – werden unter dem genannten Link gegeben.

Die vorgezogene Altersrente

Diese Form ist nichts anderes als der Vorruhestand, der von vielen Arbeitnehmern angestrebt wird. Frühestens ist das mit 63 Jahren möglich, dann aber auch nur, wenn der Betreffende zuvor für mindestens 35 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hat. Diese Jahre gelten als Wartezeit, die vollständig erfüllt werden muss. Hinzugerechnet werden auch Zeiten der Kindererziehung, wobei für Geburten vor 1992 nur ein Jahr angerechnet wird, für Geburten danach sind es drei Kindererziehungsjahre.

Jedoch müssen teils hohe Abschläge hingenommen werden, wenn der Vorruhestand angestrebt wird. Jeder Monat, der zum Vorruhestand zählt, bedeutet 0,3 Prozent Abzug. Außerdem werden weniger Rentenansprüche gesammelt. Tipps rund um den vorzeitigen Altersruhestand sind daher möglichst rechtzeitig einzuholen, wobei ein Ratgeber im Internet sicherlich eine gewisse Übersicht bieten kann – besser ist es jedoch, sich direkt bei der Rentenversicherung beraten zu lassen. Im Rahmen der Klärung des Rentenkontos kann durchgerechnet werden, bei welchem Modell wie viel von den Finanzen übrig bleibt.

Insgesamt ist die Altersteilzeit sicherlich der finanziell gesehen bessere Weg, allerdings ist der Vorruhestand in den meisten Fällen ohnehin für die Besserverdienenden lukrativ. Denn die Abschläge von der gesetzlichen Altersvorsorge bewirken, dass der gewohnte Lebensstandard nicht mehr aufrecht erhalten werden kann. Im Prinzip muss daher das Leben schon frühzeitig geplant werden, sodass auch eine private Vorsorge umfassend angegangen werden kann.

Video: Die Angst vor der Rente

Private Vorsorge durch die Berufsunfähigkeitsversicherung

Der Vorruhestand kann auch durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung – die allerdings privat abgeschlossen werden muss – eingeleitet werden. Allerdings gilt es, die verschiedenen Angebote vor dem Abschluss unbedingt zu vergleichen, denn mit der ausgezahlten Rente muss eine Berufsunfähigkeit auch wirklich abgefangen werden können. Wer sich darauf verlässt, dass der Staat eine ausreichende Rente zahlt, der irrt gewaltig: Hier wird lediglich die Erwerbsunfähigkeitsrente ausgezahlt und diese auch nur dann, wenn Sie gar nicht mehr in der Lage sind, irgendeinen Beruf auszuüben.

Es spielt keine Rolle, dass Sie nicht mehr im erlernten Beruf tätig werden können. Wenn Sie also zum Beispiel als Maschinenbauer Ihr Gehalt beziehen und den Job nicht mehr ausüben können, können Sie aber theoretisch im Theater Karten abreißen und damit etwas zu verdienen. Ob Sie eine Anstellung in solch einem Beruf finden können oder nicht, interessiert dabei niemanden. Es geht lediglich um die theoretische Möglichkeit. Liegt diese vor, gibt es auch keine Erwerbsunfähigkeitsrente. Für nach dem 1. Januar 1961 geborene Angestellte gibt es auch keine gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente mehr, diese muss nun also privat abgeschlossen werden.

Gut zu wissen: Die volle Erwerbsminderungsrente beträgt ohnehin nur 32 Prozent des zuletzt bezogenen Bruttoeinkommens. Wenn Sie zwischen drei und sechs Stunden am Tag arbeiten könnten, bekommen Sie die halbe Erwerbsminderungsrente – darüber hinaus bekommen Sie nichts.

Die Berufsunfähigkeitsrente tritt nun also ein, wenn Sie Ihren Beruf längerfristig nicht mehr ausüben können. Sie bekommen eine monatliche Rentenzahlung, der sich das Leben aber meist nicht wie früher bestreiten lässt.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung sollte so zeitig wie möglich abgeschlossen werden, denn je älter der Versicherungsnehmer ist, desto höher sind die monatlich zu zahlenden Beiträge. Das liegt daran, dass mit zunehmendem Alter das Risiko für eine Berufsunfähigkeit enorm steigt und sich die Versicherungen natürlich absichern wollen – sie gehen kein Risiko eines Verlusts ein. Die Laufzeit der Versicherung sollte so gewählt werden, dass das Rentenalter auch tatsächlich erreicht wird.

Video: Berufsunfähigkeitsversicherung – Schutz vor finanziellem Ruin?

 

Pro und kontra Vorruhestand

Die meisten Angestellten beziehen das Kontra des Vorruhestands vor allem auf den finanziellen Aspekt, dennoch sollten die Finanzen nicht der einzige Faktor sein. Oftmals ist es besser, weiter arbeiten zu gehen, denn wer nicht weiß, was er mit der neu gewonnenen Freiheit anfangen soll, wird auch nicht glücklicher werden.

Die folgenden Tipps helfen daher dabei, realistisch einzuschätzen, ob und wann der Vorruhestand eine gute Idee ist:

  • Suchen Sie sich bereits vorab neue Aufgaben und bereiten Sie den Vorruhestand gründlich vor.
  • Klären Sie für sich selbst, warum Sie bisher arbeiten gegangen sind und welche Bedeutung die Arbeit für Sie hat.
  • Klären Sie, wie Sie die freie Zeit in Zukunft nutzen wollen und was die Arbeit eventuell auch bedeutungsmäßig ersetzen könnte.
  • Sprechen Sie den Schritt mit Ihrem Partner ab, immerhin ist er davon unmittelbar betroffen.
  • Finden Sie Möglichkeiten, eventuelle finanzielle Einbußen aufzufangen oder zu kompensieren.

Eventuell kann es sinnvoll sein, sich einen Nebenjob zu suchen, damit das Leben auch weiterhin ausgefüllt ist. Allerdings sind hier die Zuverdienstgrenzen zu beachten, die teilweise recht eng bemessen sind. Werden diese überschritten, werden die Rentenzahlungen gekürzt.

Wichtige Aspekte zur Vorbereitung des Ruhestands

Wenn Sie den Vorruhestand planen, müssen Sie wissen, welche Abgaben Sie weiterhin zu leisten haben. Dies ist umso wichtiger angesichts der Tatsache, dass die Rentenzahlungen immer weiter gekürzt werden. Woher soll das Geld kommen, mit dem der Lebensunterhalt bestritten werden soll? Sollten Sie kostspielige Hobbys pflegen, sollten Sie auch diese bedenken. Wie finanzieren Sie diese in Zukunft? Denn es kann sehr frustrierend sein, nun endlich Zeit für das Hobby zu haben – es sich aber nicht mehr leisten zu können.

Nicht zu vergessen ist der folgende Punkt: Wenn Sie an die spätere Zeit denken, kann vielleicht auch eine Pflegebedürftigkeit eintreten.

Sie bekommen dann noch weniger Geld. Ist Ihre Familie in der Lage, diesen Verlust aufzufangen, wenn Sie vorher schon weniger verdient haben und kaum Rücklagen bilden konnten? Auch wenn dieses Szenario nicht zwangsläufig eintreten muss, sollten Sie es doch zumindest in Erwägung ziehen.

Auf der anderen Seite bedenken Sie natürlich die neu gewonnene Freiheit, die Zeit, endlich mal das tun zu können, was Sie wollen. Vielleicht möchten Sie reisen, ein Unternehmen gründen oder Zeit mit den Enkeln verbringen? All das ist im vorzeitigen Rentenstand endlich möglich und mag den einen oder anderen Euro weniger doch aufwiegen.


Bildnachweis: © Fotolia Titelbild: stockWERK – #01: Jürgen Hüls

Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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