Situatives Führen: Methodische Mitarbeiterführung mit Erfolg(#00)

Situatives Führen: Methodische Mitarbeiterführung mit Erfolg

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Zu einer erfolgreichen Unternehmungsführung gehört ein engagiertes Miteinander. Situatives Führen ist ein strategisches Konzept, das den Weg zum Erfolg weist.

Wie situatives Führen mit der Hierarchie zusammenhängt

Die Führungsebenen in der Gesellschaft sowie in den Unternehmen haben sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt, doch ohne Leadership ist es schwierig, die Übersicht zu behalten und Verantwortung zu zeigen. Für die Führungskräfte gibt es viele Herausforderungen, die sich teilweise auf die fachliche Ebene beziehen, oft aber auch auf die sozialen und emotionalen Aspekte. Vor diesem Hintergrund setzt situatives Führen auf die ideale Arbeitsverteilung der diversen Aufgaben, unter Berücksichtigung der Kompetenzen und der Belastbarkeit der Angestellten.

Durch ein Verhalten, dass sich an das Team und an die Situation anpasst, kommt es zu einer besonderen Eigendynamik. Damit die Arbeitsgruppen möglichst erfolgreich sein können, ist eine engagierte Planung der Projekte nötig. Die Zielführung sorgt für eine interaktive Abstimmung zwischen den einzelnen Mitarbeitern, gleichzeitig wird die persönliche Motivation angesprochen. Hin und wieder kann es dabei vorübergehend zu Veränderungen zwischen den hierarchischen Ebenen kommen. Im optimalen Fall lässt sich damit das Projekt vorantreiben, sei es durch geschicktes Delegieren oder durch das Übertragen von Verantwortlichkeiten.

Video: Aktueller Film: „Situatives Führen“ mit Kereen Karst

Details zur Arbeitsplanung

Abhängig von der Art der Kommunikation, von den Arbeitsplatzbedingungen und von den Vorgaben für die verschiedenen Prozesse haben die Führungskräfte mehr oder weniger Einfluss auf das Personal. Situatives Führen ist darauf ausgelegt, das Engagement der Betroffenen zu stärken und dabei ihr individuelles Wohlbefinden zu berücksichtigen. Es geht also nicht nur um den Blick nach vorne zum Erfolg, sondern auch um die Kontrolle der Bedingungen.

Die Personalplanung wird heutzutage dadurch erschwert, dass viele Unternehmen ihre Effizienz durch die Einsparung von Arbeitsplätzen steigern möchten. Das erhöht den Erfolgsdruck und führt zu Stress. Zudem müssen die Führungskräfte immer mehr Zeit für das Tagesgeschäft aufwenden: Anstatt direkt mitzuarbeiten, sind sie für die Anweisungen sowie für die Analyse des Feedbacks verantwortlich.

Diese wichtigen Aufgaben werden zum zentralen Arbeitsmittelpunkt, der für eine gewisse Betriebsblindheit sorgen kann und einen Teufelskreis auslöst:

  • Den Führungskräften fehlt die Zeit, ihr Personal gezielt zu fördern,
  • die Angestellten können sich nicht weiterentwickeln,
  • das Team befasst sich mit den üblichen Arbeiten, ohne die Chance auf Verbesserung,
  • die Führungskräfte müssen weiterhin die Verantwortung tragen, was eine große Belastung bedeutet.

Kann dieser Kreislauf durchbrochen werden?

Der Kreislauf der anwachsenden Belastung führt zu einer steigenden Unzufriedenheit und löst weitere Probleme aus. Dadurch, dass die Mitarbeiter nicht die nötige Unterstützung erhalten, kommt es öfter zu Rückfragen und Fehlern. Das führt zu Verzögerungen und wirkt sich negativ auf die Effektivität aus.

Situatives Führen hilft dabei, diesen Knoten aufzulösen. Hier steht die ideale Mitarbeiterführung im Vordergrund, die ein wichtiges Element im Aufgabenbereich der Führungskräfte darstellt. Das erfolgreiche Führungskonzept ist darauf ausgelegt, die Mitarbeiter entsprechend ihres Reifegrads zu fördern. Hauptpunkt ist die situationsgerechte Anpassung der unterstützenden Maßnahmen.

Dabei bezieht sich die Situation einerseits auf das Fachwissen und die Fähigkeiten, andererseits auf die Motivation des Personals. Abhängig von ihrem Reifegrad benötigen die Angestellten etwas mehr oder weniger Unterstützung, etwas genauere Anweisungen oder nur einen kurzen Zuruf.

Hauptpunkt ist die situationsgerechte Anpassung der unterstützenden Maßnahmen.(#01)

Hauptpunkt ist die situationsgerechte Anpassung der unterstützenden Maßnahmen.(#01)

Die Reifegrade als Grundlage für situatives Führen

Situatives Führen, dieses Konzept wurde 1977 ausgearbeitet, unter der Leitung des Verhaltensforschers Paul Hersey und des Professors Ken Blanchard. Die beiden Experten befassten sich mit dem Thema Leadership und Organisationsstrukturen in Unternehmen und analysierten in diesem Rahmen die Verhaltensweise von Vorgesetzten und Mitarbeitern.

Dabei kristallisierten sich die folgenden beiden Arten heraus:

  • Die Aufgabenorientierung mit eindeutigen Ansagen zu den Erwartungen und Zielen,
  • die Personenorientierung mit Fokus auf der sozialen Interaktion, unter Berücksichtigung von Feedback und mit unterstützender Motivation.

Hersey und Blanchard setzten das jeweilige Verhalten der Führungskräfte den Reifegraden gegenüber, die sie für die Teammitarbeiter aufstellten. Bei diesen Reifegraden geht es um die sachlichen und psychologischen Aspekte, nach denen die Betroffenen als reif oder unreif beurteilt werden. Bei der sachlichen Reife steht die Kompetenz im Vordergrund, bei der psychologischen Reife geht es um das Engagement und um den Wunsch nach Erfolg.

Details zu den Reifegraden

Die Fähigkeiten einerseits und die Mitarbeitermotivation andererseits lassen sich in verschiedene Unterkategorien aufteilen. In die sachliche Ebene gehören neben den fachspezifischen Voraussetzungen die Berufserfahrungen, die von den Angestellten eingebracht werden. Bei den Fähigkeiten wird aber auch die zwischenmenschliche Note berücksichtigt. Hierbei geht es beispielsweise um das Durchsetzungsvermögen beim Interagieren mit den Kollegen und Vorgesetzten.

Die Motivation bezieht sich auf einzelne Komponenten wie das eigene Interesse und das Selbstbewusstsein, mit dem die Ideen vorgestellt werden. Einige Personen scheuen davor zurück, Verantwortung zu übernehmen, andere zeigen hier mehr Engagement. Zudem spielt die Loyalität dem Unternehmen gegenüber eine große Rolle. Im Optimalfall richtet das Team die einzelnen Aktivitäten an den organisationseigenen Zielen aus.

Hierbei geht es beispielsweise um das Interagieren mit den Kollegen und Vorgesetzten.(#02)

Hierbei geht es beispielsweise um das Interagieren mit den Kollegen und Vorgesetzten.(#02)

Die vier Führungsstile

Für situatives Führen gibt es vier Standardmodelle, die im Folgenden kurz erklärt werden. Diese Führungsstile haben jeweils ihre Vorteile aber auch Risiken. Wichtig ist, dass die Art der Führung auf den Reifegrad der Teammitarbeiter angepasst wird, damit es nicht zu Problemen kommt.

  • Dirigieren bedeutet, dass die Führungskraft allein für die Entscheidungen zuständig ist. Eindeutige Handlungsanweisungen werden erteilt und das Team erhält bei Erfolg eine positive Rückmeldung. Bei diesem Führungsstil tritt der Teamleiter sehr dominant auf.
  • Einbeziehen setzt auf die direkte Unterstützung der Teamplayer. Hier werden die einzelnen Schritte besprochen und abgestimmt. Jeder kann seine Ideen mit einbringen. Kommunizieren und Zuhören ist dabei extrem wichtig. Dieser Stil kann jedoch dazu führen, dass die Führungskraft als entscheidungsschwach beurteilt wird.
  • Entwickeln heißt, dass die Teammitarbeiter eine gewisse Entscheidungskompetenz haben und eine aktive Unterstützung der Teamleiter erhalten. Gleichzeitig findet ein regelmäßiger Informationsaustausch statt. So sind frühzeitige Reaktionen möglich, zudem erhalten die Teamplayer anerkennendes Feedback. Die leitenden Kräfte können allerdings als übervorsichtig und extrem fürsorglich wahrgenommen werden.
  • Delegieren bezieht sich auf die Übertragung von größeren Aufgabenpaketen, allerdings liegt die Verantwortung dafür nicht nur bei der Führungskraft. Die Teammitarbeiter selbst entscheiden selbst darüber, wer für welche Aufgabe zuständig ist. Hier reduziert sich die Kommunikation zwischen der Führungs- und Mitarbeiterebene. Die Verantwortung und Eigenständigkeit erhöhen sich ebenso wie die Wertschätzung der Führungskräfte. Bei einem geringen Reifegrad können sich die Teammitglieder jedoch allein gelassen und überfordert fühlen.

Die Bedürfnisse des Personals

Die Bedürfnisse der Angestellten fordern viel Aufmerksamkeit von den Chefs. Situatives Führen unterstützt bei der strategischen Planung, bei der Einweisung der Teammitarbeiter und auch bei der Einschätzung, welche Angestellten mit welchen Aufgaben betraut werden können. Ein neues Teammitglied muss zuerst noch eingewiesen werden, während andere Kollegen bereits wissen, wo sie am besten ansetzen. Der Reifegrad sagt also viel über die persönliche Eignung des Personals aus. Ein gut geplantes, situatives Führen sorgt dafür, dass auch die unerfahrenen Leute etwas lernen und nach und nach Verantwortung übernehmen dürfen. Das gilt auch für diejenigen, die sich selbst am Anfang noch nicht so viel zutrauen.

In einem Teamprojekt ist jeder mitverantwortlich, sodass hier eine aktive Steuerung des Teamprozesses möglich ist. Die Motivation richtet sich an alle Mitglieder, allerdings ist es wichtig, die individuellen Fähigkeiten richtig einzuschätzen. Möglicherweise haben einige Teamplayer das Bedürfnis, zumindest kurzfristig allein zu arbeiten, um einen Prozess nachzuvollziehen oder um die eigenen Arbeitsergebnisse zu überprüfen. Unter Berücksichtigung dieser Wünsche lässt sich das Team erfolgreich zum angestrebten Ziel führen: Dieser Meilenstein bedeutet für alle Mitglieder einen wichtigen Erfolg, den sie gemeinsam feiern.

Video: Der situative Führungsstil Personal Lehrvideo

Wie situatives Führen für eine bessere Arbeitsatmosphäre sorgt

Das Verhalten der Vorgesetzten wirkt sich unmittelbar auf die Zusammenarbeit mit dem Personal aus. Allerdings kann auch eine strenge Führungskraft erfolgreiche Arbeit abliefern. Eine Führung nach dem Konzept des Dirigierens muss nicht unbedingt zum Misserfolg oder zu unzufriedenen Angestellten führen. Angenehmer ist es jedoch, wenn die Mitarbeiter mehr Spielraum haben und auch selbst Verantwortung übernehmen dürfen.

Mehr Transparenz und eine optimierte Kommunikation innerhalb der Firma werden heute immer öfter gefordert und auch realisiert. Im Gegensatz zu früher wird das Personal stärker mit in die Entscheidungen einbezogen. Das stärkt das Selbstbewusstsein und damit auch das Engagement der Angestellten. Besonders positiv ist die Stimmung, wenn ein konsequenter Führungsstil durchgeführt wird, der zugleich die einzelnen Fähigkeiten und Schwächen des Personals berücksichtigt. Hier fühlt sich jeder respektiert und profitiert von dem Feedback der Vorgesetzten.

Die optimale Einbindung der einzelnen Kräfte ermöglicht es, das Potenzial voll auszuschöpfen. Wichtig ist, dass die Mitarbeiter weder überlastet noch unterfordert werden. So gewinnt das Team an Motivation. Situatives Führen ist in diesem Zusammenhang ein wesentliches Element für eine positive Stimmung und für den unternehmerischen Erfolg.


Bildnachweis: ©Shutterstock Titelbild: solarseven, #01: Nong Mars, #02: Gorodenkoff

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Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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