Schlafen während der Arbeitszeit: Das geht doch gar nicht? Oder doch?

Nachts wird geschlafen und morgens gehen die Menschen gut gelaunt und ausgeschlafen zur Arbeit. Ein Nickerchen am Mittag? Völlig unnötig und nur was für Kleinkinder! Das sieht der Biorhythmus des Menschen aber ganz anders und wer die Gelegenheit hat, sich für eine Viertel und oder halbe Stunde hinzulegen, wird den Effekt direkt spüren. Doch das – neudeutsch genannte – Power-Napping ist in Unternehmen verpönt. Schlafen während der Arbeitszeit geht dem guten Deutschen einfach nicht ins Ohr.

Schlafen während der Arbeitszeit? So ein Penner!

Dieses doch recht üble Schimpfwort wird schnell einem Kollegen verpasst, der am Arbeitsplatz eingenickt ist. Der Respekt dieser Person gegenüber ist dahin und der Betreffende ist peinlich berührt. Doch das muss er gar nicht sein – eigentlich. Denn der Schlaf am Mittag oder in den frühen Nachmittagsstunden ist gesund und bringt Kraft für den weiteren Tag. Leider wird jemand, der zwischendurch eine Erholungspause braucht, gleich als wenig leistungsfähig, unmotiviert und nicht tragbar für das Unternehmen abgestempelt. Dabei haben einige Untersuchungen ergeben, dass Mittagsschläfer von einem besseren Herz-Kreislauf-System profitieren und ihre Leistungsfähigkeit sogar um 35 Prozent steigern können.

Das Nickerchen macht also psychisch und physisch fitter, es darf allerdings höchstens 30 Minuten dauern. Zwischen 12 und 14 Uhr ist die Gefahr am größten, dass wir einschlafen. Der nächste Leistungstiefpunkt kommt zwischen 16 und 18 Uhr, doch da sind die meisten ohnehin längst zu Hause eingespannt. An Schlaf ist dann nicht zu denken, daher ist die Mittagspause doch der ideale Zeitpunkt um Kraft zu tanken!

Video: Schlafen während der Arbeitszeit (Power-Napping) ist gesund!

Man denke hier nur einmal an die Kindheit: Kleine Kinder sollen Mittagsschlaf machen: „Sonst bist du wieder den ganzen Nachmittag quengelig und heulst!“ Spätestens ab dem Grundschulalter ist das vorbei, dann ist keine Zeit mehr zum Müdesein. Dabei spüren Kinder und Erwachsene genau, wann ihr Leistungstief gekommen ist, Biorhythmus und Alltag lassen sich aber nicht vereinbaren bzw. dürfen nicht vereinbart werden. So könnte ein Unternehmen seinen Angestellten doch die Wahl lassen, ob die Mittagspause in der Kantine oder im Ruheraum verbracht wird.

Das Problem an der Sache ist nur, dass in der Kantine alle zeitgleich Pause machen können, im Ruheraum könnten wohl schlecht 20 oder mehr Angestellte zur gleichen Zeit schlafen. Auf dieser Seite sind die positiven Auswirkungen des Mittagsschlafes noch einmal ausgeführt. Wenn man es genau nimmt, fällt so eine Maßnahme sogar unter Betriebliches Gesundheits-Management (BGM) oder doch zumindest unter Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF). Betriebliches Gesundheits-Management und Betriebliche Gesundheitsförderung sind Pflichtaufgaben des Chefs!

Pause ist nicht gleich Pause

Bei näherer Betrachtung ist die Sache doch sehr seltsam: Wer eine Pause macht, weil er rauchen gehen will, muss im schlimmsten Fall diese Zeit nachholen. Einige Firmen gehen hier schon sehr rigoros vor, verbieten ihren Mitarbeitern aber die – offenbar dringend nötige – Raucherpause nicht. Warum darf ein Angestellter dann aber nicht schlafen? Dabei tut er seinem Körper sogar etwas Gutes und wird leistungsfähiger. Genau das wollen die meisten Unternehmen doch aber von ihren Angestellten! Dass Rauchen leistungsfähiger macht, sei einmal dahingestellt.

Schlafen während der Arbeitszeit hat einfach ein schlechtes Image. Wer am Tage schläft, muss in der Nacht doch durchgefeiert haben – wer feiern kann, kann aber auch arbeiten, so der alte Spruch. Andere gehen davon aus, dass der liebe Kollege schlichtweg zu faul zum Arbeiten ist und lieber andere seine Aufgaben erledigen lässt. Da aber die meisten Menschen um ihren Job fürchten, verdrängen sie das Gefühl der Müdigkeit notfalls mit einem extra starken Kaffee oder eben der Zigarette. Ist das aber nicht schizophren seitens der Unternehmensleitung? Auf der einen Seite sollen die Angestellten gesund und leistungsfähig sein, das Unternehmen gen Erfolg führen.

Auf der anderen Seite dürfen sie sich nur ungesunde Pausen mit Kaffee und Zigaretten gönnen. Der Schlaf, der die Leistungsfähigkeit nachweislich anheben würde, ist nicht erwünscht. Sehr seltsame Einstellung. Dennoch lässt sich daran nichts ändern, sofern die Unternehmensleitung nicht dahintersteht. Einige große Firmen gehen hier mit gutem Beispiel voran: Unilever bietet Massageliegen und Entspannungssessel in einem separaten Raum an, alles ist voneinander mit Paravents getrennt und jeder Mitarbeiter kann das Angebot nutzen. Gerade um die Mittagszeit herum werden die Liegen nach Aussage der Unternehmensleitung gut genutzt.

Schlafen während der Arbeitszeit? Was das bloß alles kostet!

Viele Chefs sehen die Kostenfrage zu engstirnig: Die Einrichtung eines separaten Ruheraums kostet Geld, das ist klar. So kosten zum Beispiel lederne Massagesessel über 6000 Euro, wenn gute Modelle gewählt werden. Dazu kommen noch die Wartungs- und gegebenenfalls Reparaturkosten. Wenn nun aber jeder Mitarbeiter, der dieses Angebot nutzt, um bis zu 35 Prozent leistungsfähiger wird, so rechnet sich die Investition rasch wieder. Allerdings muss es soweit nicht einmal gehen, denn nicht in jedem Unternehmen ist ein Hightech-Ruheraum wirklich nötig. Meist reicht es schon, wenn ein Zimmer übrig ist, dieses ansprechend zu gestalten. Eine Liege, wärmeres Licht, eine ausreichende Dämmung – schon ist der Ruheraum fertig. Vielleicht kann auch noch ein CD-Player aufgestellt werden oder die Beschallung erfolgt direkt über die Liege, die in Form eines Musiksessels angeschafft wird. Dabei darf nicht einfach wahllos Musik eingespielt werden, denn sanfte Hilfe beim Einschlafen bietet nur Entspannungsmusik, die eigens dafür komponiert wurde. Einfach nur ruhige Songs einzuspielen, ist teilweise kontraproduktiv, denn der Musikgeschmack des einen entspricht nicht zwangsläufig dem des anderen, der durch die falsche Musik vielleicht sogar richtig aggressiv wird.

Richtiges Power-Napping will gelernt sein

Wenn schon Schlafen während der Arbeitszeit, dann bitte professionell! Power-Napping will gelernt sein: Eigene Entspannungstechniken sind meist erfolgreicher als fest vorgegebene, außerdem ist es wichtig, dass der Schlaf nicht länger als 30 Minuten dauert. Andernfalls sinkt der Körper zu weit in den Schlafmodus ab und die direkt spürbare Erholung ist dahin. Richtig gut muss dagegen der Nachtschlaf sein, damit der Körper Zeit zur Regeneration bekommt. Damit dieser Schlaf aber als gut empfunden wird, muss er ausreichend lange – die benötigte Dauer ist individuell verschieden – und auf einer guten Unterlage stattfinden.

Diese besteht aus einem erstklassigen Lattenrost und einer guten Matratze, die in ihrem Härtegrad den individuellen Bedürfnissen des Schlafenden entspricht. Das liest sich jetzt sehr einfach – letztenendes sollte man genau prüfen, welchen Latterost man erwerben möchte – es hängt einfach zuviel davon ab. Auf www.lattenrost-test.net zum Beispiel werden eine ganze Reihe von Lattenrosten gegenüber gestellt. Da lässt sich leicht vergleichen.

Leider ist der Nachtschlaf meist nicht in der Qualität zu bekommen, wie er benötigt wird. Daher verlangt der Körper noch mehr nach einem kurzen Nickerchen am Tage. Übrigens wird langfristig gesehen auch der Blutdruck positiv durch Power-Napping beeinflusst.

Ich darf am Tage nicht schlafen: Tipps für den Nachtschlaf

Aktuellen Studien zufolge leidet jeder dritte Deutsche an Schlafstörungen, wobei viele davon auch ohne Gang zum Arzt therapiert werden können. Informationen zu Schlafstörungen bietet zum Beispiel dieses Video.

Empfohlen wird zum Beispiel, sich über die eigenen Sorgen und Probleme im Klaren zu sein, damit diese gezielt angegangen werden können. Sie belasten sonst unnötig und der Schlaf leidet darunter. Führen Sie ein Sorgenbuch, viele Dinge wirken aufgeschrieben deutlich weniger schlimm.

Wichtig außerdem: Schlafen Sie im Bett! Das klingt logisch, aber allzu oft wird das Bett zum Multimedia-Bereich. Notebook, Fernseher und Co. haben im Bett nichts zu suchen. Allenfalls der Partner und ein gutes Buch dürfen mit hinein!

Wenn Sie am Tage Kaffee trinken, damit Sie nicht zu müde werden, sollten Sie diesen logischerweise am Abend vermeiden. Nach einem guten Essen noch einen Espresso zu trinken, kann zwar dem Magen helfen, tut dem Schlaf aber nicht gut. Als Faustregel gilt, dass Sie nach 14 Uhr kein Koffein mehr zu sich nehmen sollten. Empfindliche Menschen sollten sogar ab der Mittagszeit auf Kaffee verzichten.

Lange Zeit hielt sich die Empfehlung, abends immer zur gleichen Zeit zu Bett zu gehen, dann könne sich der Körper darauf einstellen und würde angeblich von ganz allein schläfrig. Dann wiederum kam eine Zeit, in der das alles für Blödsinn erklärt wurde – der Körper würde zu jeder Zeit müde werden. Nun haben Forscher aber herausgefunden, dass an der alten Weisheit doch etwas dran ist und dass der Körper seinem einmal gefundenen Rhythmus folgt. Der Haken an der Sache ist aber, dass diese Schlafenszeit dann auch am Wochenende eingehalten werden muss, ansonsten ist der Effekt dahin.

Gut für das Gewicht sowie für einen besseren Schlaf: Essen Sie abends nicht zu üppig. Braten und Co. sollten von Ihrem abendlichen Speiseplan verschwinden, auch Alkohol ist nicht gut. Im ersten Fall ist der Körper zu lange mit der Verdauung beschäftigt, im zweiten Fall verkürzt und reduziert das Trinken die Tiefschlafphasen.
Sie können gar nicht einschlafen? Dann sollten Sie sich eine Beschäftigung suchen. Nichts ist weniger Schlaf fördernd, als auf den Schlaf zu warten. Wer ständig feststellt, dass er doch immer noch wach ist, dass die Uhr so laut tickt, dass das Auto auf der Straße Krach macht und dass die Zeit zum Schlafen immer kürzer wird, findet keine Ruhe. Stehen Sie stattdessen lieber auf und suchen Sie sich eine sinnvolle Tätigkeit. Wenn Sie dann wieder müde sind, gehen Sie ins Bett. Natürlich verkürzt das den Schlaf für diese eine Nacht, dafür wird das bisschen Schlaf aber erholsamer.

Besser Schlafen: nicht einfach, aber diese Tipps helfen!

Weitere Informationen zum besseren Schlafen bietet auch die Huffingtonpost, außerdem finden Sie hier einige Tipps.

Warum ist Schlafen denn aber so wichtig?

Niemand kommt ohne Schlaf aus, diese Zeit braucht der Körper einfach zur Regeneration und Erholung. Es werden sozusagen Reparaturarbeiten im Körper vorgenommen – hier herrscht höchste Aktivität. Auch wenn die Körpertemperatur um bis zu 1,5 °C sinkt und Blutdruck sowie Herzschlag deutlich reduziert werden, vollbringt der Körper Höchstleistungen. Der Energieverbrauch im Schlaf ist interessanterweise ebenso hoch wie im Wachzustand – das erklärt auch, warum wie ohne ausreichend Schlaf zunehmen. Wer länger wach ist, verbraucht zwar Energie, führt diese seinem Körper aber durch zusätzliche Nahrungsaufnahmen – oder schlichtweg Naschereien – wieder zu. Wer jedoch schläft, verbraucht Energie und liefert nicht direkt wieder Nachschub.

Auch das Immunsystem arbeitet auf Hochtouren: Studien haben gezeigt, dass Menschen, die wenig schlafen, bis zu dreimal häufiger erkranken als Menschen mit ausreichend gutem Schlaf. Schlafen während der Arbeitszeit erhöht den Adrenalinspiegel des Chefs – und senkt die Krankenquote. Schon widersinnig, oder?

Das Gedächtnis profitiert übrigens ebenso vom Schlaf, denn das Gehirn wiederholt alles, was tagsüber passiert ist, in der Nacht. Es werden neue Synapsen gebildet und die Daten aus dem Kurzzeitspeicher werden in den Langzeitspeicher verlagert.


Bildnachweis: © pixabay.com – MoreLight

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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