Psychische Überlastung im Job vermeiden: darauf können Mitarbeiter und Kollegen achten

Psychische Überlastung im Job vermeiden: darauf können Mitarbeiter und Kollegen achten

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In den vergangen Jahren haben die Fallzahlen von psychischen Erkrankungen erheblich zugenommen. Einer IGES-Statistik zufolge waren Frauen im Jahr 2006 durchschnittlich mit 26,6 Tagen arbeitsunfähig. Im Jahr 2014 hat sich die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage bei Frauen auf durchschnittlich 34,8 Tage erhöht. Bei Männern zeigt sich ein ähnliches Bild. Während Männer im Jahr 2006 noch durchschnittlich 28,1 Arbeitsunfähigkeitstage verzeichneten, hat sich die Anzahl an Ausfalltagen aufgrund von Arbeitsunfähigkeit bei Männern im Jahr 2014 auf durchschnittlich 35,5 Tage erhöht.

Neben Krankheitsbildern wie der Depression oder Süchten belastet auch das Burn-Out-Syndrom zunehmend betroffene Patienten. Durch Alltag und Beruf geprägt, finden sich viele Mitarbeiter in einer zerstörerischen Spirale wieder. Wie sich Mitarbeiter und Unternehmen vor der Burn-out-Problematik und den Folgen der psychischen Erkrankung schützen können, soll dieser Artikel aufzeigen.

Burn-out erkennen – Probleme vermeiden

Wenn die Belastung zu groß wird, ist Burn-Out oftmals nicht weit.

Wenn die Belastung zu groß wird, ist Burn-Out oftmals nicht weit.

Burn-out bezeichnet einen körperlichen und geistigen Zustand der absoluten Erschöpfung. Als betroffener Burn-out-Patient fühlt man sich leer und ausgebrannt. Die Diagnose selbst ist schwer zu stellen, denn sie ähnelt „simplen“ Stress-Symptomen bis hin zu Symptomen einer Depression – teilweise sind die Anzeichen sogar identisch. Die Gefahr an Burn-out ist, dass es sich um einen schleichenden Prozess handelt, der sich spiralformartig aufbaut. Einmal in der Spirale angekommen, schaffen es Patienten häufig nur schwer, aus dieser wieder hinauszugelangen.

Wird die Erkrankung frühzeitig erkannt, können jedoch bereits einfache Therapiemaßnahmen das innerliche Gleichgewicht wiederherstellen. Doch auch bei einer fortgeschrittenen Erkrankung können Patienten mit dem Genesungsprozess beginnen. Doch woran lässt sich die Erkrankung an Burn-out erkennen? Unterschiedlich Merkmale können auf den Verdacht für Burn-out schließen lassen:

  1. Erschöpfung: Patienten die am Burn-out-Syndrom erkrankt sind, fühlen sich häufig vollkommen erschöpft und müde. Trotz zunehmend mehr Ruhephasen kann sich ihr Körper nicht mehr ausreichend erholen und notwendige Kräfte tanken.
  2. Sinkende Leistungsfähigkeit: Burn-out-Patienten leiden häufig an einer nachlassenden Leistungsfähigkeit. Während sie früher ihre Arbeit leicht bewältigen konnten, können sie sich heute nicht mehr richtig konzentrieren, sind nervös und fühlen sich nicht mehr in der Lage, Entscheidungen zu treffen. Zudem kommen bei den Betroffenen schnell Ängste auf und sie sind emotional kaum noch belastbar.
  3. Innere Leere: Wer an Burn-out erkrankt ist, empfindet häufig eine innere Leere, wobei man im Alltag keine Freude mehr hat, ständig unzufrieden ist oder sich nicht mehr begeistern kann – stattdessen ist man verzweifelt und hoffnungslos.

Doch auch körperliche Symptome können auf Anzeichen von Burn-out hindeuten:

  • Kopfschmerzen,
  • Rückenschmerzen,
  • Schlafstörungen,
  • Permanente Müdigkeit.

Bei diesen Symptomen gilt es zunächst laut der Apotheken Umschau durch den Hausarzt festzustellen, ob es sich nicht um Auswirkungen aufgrund körperlicher Erkrankungen wie beispielsweise einer Schilddrüsenunterfunktion, einer Infektion oder einer Mangelerscheinung handelt.

Mitarbeiter und Personalverantwortliche für das Thema sensibilisieren

Schaut man sich die statistischen Daten an, die einleitend aufgeführt wurden, verzeichnen Unternehmen im Jahr 2014 bei Frauen durchschnittlich 34,8 Ausfalltage und bei Männern durchschnittlich 35,5 Ausfalltage aufgrund psychischer Erkrankungen. Diese Fehltage sind für Unternehmen sehr kostenintensiv. Außerdem werden die im Unternehmen verbleibenden Mitarbeiter mit weiterem Stress konfrontiert, um die Ausfalltage der Kollegen in den Arbeitsaufgaben und betrieblichen Tätigkeiten zu kompensieren.

Sowohl Mitarbeiter als auch Personalverantwortliche im Unternehmen sollten für das Thema der psychischen Erkrankungen sensibilisiert werden, um der steigenden Anzahl der Krankheitsfälle entgegenzuwirken. Um dies zu erreichen, bieten sich unterschiedliche Möglichkeiten:

  • Mithilfe von Schulungen können Mitarbeiter und Personalverantwortliche an das Thema herangeführt werden. Was vielleicht noch als Tabu-Thema im Unternehmen galt, wird durch die Schulungsmaßnahmen transparent und verliert zunehmend den Tabu-Status. So stellt beispielsweise Poko entsprechende Fachseminare für Personalräte zur Verfügung.
  • Mithilfe von Workshops, die von einem erfahrenen Coach oder Moderator geleitet werden, können Mitarbeiter und Personalverantwortliche gemeinsame Lösungen für die Burn-out-Prävention im Unternehmen entwickeln. Dadurch besteht die Chance, dass eine offene Kultur bezüglich psychischer Erkrankungen besteht.
  • Durch ein offenes Kommunikationsverhalten auf allen Hierarchieebenen können Führungskräfte ihre Mitarbeiter dazu ermutigen, ehrlich über ihre Sorgen zu sprechen. Dadurch kann unter Umständen ein Ausbruch der Burn-out-Erkrankung frühzeitig erkannt und abgewendet werden.

Tipps für Betroffene

Psychische Erkrankungen sollten im Betrieb ernst genommen werden. Eine Kommunikation über drohende Überbelastungen kann das Schlimmste mitunter abwenden.

Psychische Erkrankungen sollten im Betrieb ernst genommen werden. Eine Kommunikation über drohende Überbelastungen kann das Schlimmste mitunter abwenden.

Wer das Gefühl hat, am Burn-out-Syndrom erkrankt zu sein, kann eigenständig präventive Maßnahmen einleiten, um nicht in die Spirale zu gelangen. Zwar kann keine allgemeingültige Therapie ausgesprochen werden, da die Behandlung von Burn-out stark vom individuellen Patienten und seiner Lebenslage abhängig ist. Doch mit einigen Tipps können Sie versuchen, Ihr Gleichgewicht und Ihre innere Zufriedenheit wieder zu finden:

  • Bewusstsein schaffen: Für präventive Maßnahmen können Betroffene versuchen, das Bewusstsein für die Dinge im Leben zu schaffen, die ihnen wichtig sind und die sie glücklich machen. Zu diesen Dingen zurückzufinden kann helfen, der Burn-out-Spirale frühzeitig entgegen zu steuern.
  • Sozialleben ausgestalten: Betroffene, die am Burn-out-Syndrom leiden, können über die Ausgestaltung ihres Soziallebens für mehr Zufriedenheit und Ausgeglichenheit sorgen. Familie und Freunde können die Betroffenen unterstützen, den Genesungsprozess voranzutreiben.
  • Ruhephasen planen und einhalten: Wer sich gestresst, erschöpft oder unkonzentriert fühlt, sollte ausreichend Ruhephasen im Alltag einplanen. Wichtig ist dabei, die benötigten Ruhephasen auch einzuhalten und sich nicht unter Druck zu setzen, schnellstmöglich erneute Leistungsbereitschaft zu zeigen.
  • Berufliche Situation ändern: Bei Burn-out-Betroffenen können die Ursachen der Erkrankung auch in der beruflichen Situation liegen. Beispielsweise können hoher Stress, Überlastung in den Aufgaben oder Überforderung mit zwischenmenschlichen Beziehungen als Ursaschen des Burn-outs identifiziert werden. Zum einen können Betroffene mit ihren Vorgesetzten über die Situation sprechen, um gemeinsam eine Lösung zu entwickeln. Ist dies nicht möglich, sollten sich Burn-out-Patienten über eine größere Veränderung machen – sei es der Wechsel von Aufgaben, internen Unternehmensbereichen oder sogar der berufliche Wechsel in ein anderes Unternehmen.

Bildnachweis: © unsplash.com – Titelbild Joshua Earle, pixabay.com – #1 Counselling (CC0-Lizenz), #2 geralt (CC0-Lizenz)

 

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Über 

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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