Pressesprecher werden: Diese Voraussetzungen sind zu beachten

Pressesprecher werden: Diese Voraussetzungen sind zu beachten

Pressesprecher werden und die Schnittstelle zwischen Unternehmen und Öffentlichkeit bilden. Dies ist der Traum vieler. Kein Wunder: der Beruf ist sehr vielschichtig. Welche Fähigkeiten sollten Berufsanwärter mitbringen?

Pressesprecher werden: Der typische deutsche Pressesprecher

Er ist im Schnitt 42 Jahre alt, zufrieden mit seinem Beruf, arbeitet seit zwölf Jahren in der Öffentlichkeitsarbeit und in einer Firma mit mehr als 2000 Mitarbeitern: Der durchschnittliche Pressesprecher in Deutschland. Ein Berufsfeld übrigens, in dem mehr Frauen als Männer arbeiten: 57 Prozent aller Pressesprecher hierzulande sind weiblich. Sie verdienen im Schnitt rund 60 000 Euro brutto im Jahr, 20 000 Euro weniger als ihre männlichen Kollegen.

Dem Fach-Portal PR-Journal.de zufolge, arbeiten bei uns ca. 55 000 Menschen in der PR. Freilich nicht alle als Pressesprecher sondern auch in den vielen anderen Jobs, die die „Public Relations“ bieten. So z.B. als Community-Manager, Social-Media-Texter, Marketing-oder PR-Berater. Der Beruf des Pressesprechers ist jenes Feld innerhalb der PR, das am vielseitigsten ist und die meiste Abwechslung bietet. Wohl einer der Gründe, wieso sich so viele junge Menschen vorstellen können, Pressesprecher zu werden. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, da galt Pressesprecher lediglich als „Begabungsberuf“.

Pressesprecher werden: Steffen Seibert, Regierungssprecher und Chef des Presse- und Informationsamts der deutschen Bundesregierung. (#01)

Pressesprecher werden: Steffen Seibert, Regierungssprecher und Chef des Presse- und Informationsamts der deutschen Bundesregierung. (#01)

Die Ausbildung hat sich „akademisiert“

Noch vor einer Dekade gab es – auch in der Branche selbst – Diskussionen darüber, ob man für den Beruf des Pressereferenten überhaupt adäquat akademisch ausbilden könne. Und es nicht vielmehr eine Frage des angeborenen (Kommunikations-)Talents sei, später als Pressesprecher erfolgreich zu werden. Gegner der akademischen Ausbildung führten immer wieder dieselben Argumente an: In der Öffentlichkeitsarbeit seien Kontaktfreude und Kommunikationsfähigkeit am wichtigsten – Fähigkeiten, die man schwer an einer Hochschule erlernen könne, um ein guter Pressesprecher oder PR-Berater zu werden. Getreu dem Motto „Learning by doing“. Die Public Relations als „Do-it-yourself“-Profession? Mitnichten.

Denn mittlerweile sind sich die Fachleute an den Hochschulen und die PR-Beschäftigten in den Verbänden, Organisationen und Firmen einig, dass angeborenes Talent und Begabung nicht ausreichen. Gefragt ist gut ausgebildeter Nachwuchs mit dem nötigen Fachwissen und erforderlichem Handwerkszeug. Wer Pressereferent werden will, braucht also eine fundierte, fachspezifische Ausbildung. Und die erhalten Berufsanwärter vor allem durch ein Studium.

Am Studium führt kaum ein Weg vorbei

Die PR sieht sich selbst längst als ein Berufsfeld, das ernst genommen werden will. Berechtigt, wenn man sieht welchen Stellenwert die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit in vielen Unternehmen einnimmt. Nahezu jede größere Firma hat eine eigene PR-Abteilung, viele Verbände, Behörden und Organisationen sogar einen eigene Presse- bzw. Medienreferenten. Die PR-Abteilungen sind wichtige Sparten, die den Erfolg ihres Unternehmens mitbestimmen. Und da die Verantwortung der PR-Mitarbeiter in den letzten Jahren immer weiter angestiegen ist, sind auch die Voraussetzungen an die Bewerber heute andere als vor zehn oder fünfzehn Jahren.

Nahezu alle Personaler setzen mittlerweile ein Studium voraus. Das können sie, denn: Rund 90 Prozent aller PR-Mitarbeiter haben heute einen Hochschulabschluss. Sieben Prozent haben in ihrem Fach sogar promoviert. Wer später einmal Pressesprecher werden möchte, sollte also ein Studium in Betracht ziehen. Interessenten können aus einer Vielzahl unterschiedlicher Studiengänge wählen, die für Jobs in der PR und Öffentlichkeitsarbeit ausbilden.

Pressesprecher werden: Nahezu alle Personaler setzen mittlerweile ein Studium voraus. (#02)

Pressesprecher werden: Nahezu alle Personaler setzen mittlerweile ein Studium voraus. (#02)

Pressesprecher werden: Große Auswahl an Studiengängen

Die Bedeutung der PR und Öffentlichkeitsarbeit in den Institutionen und Unternehmen stieg in den letzten Jahren noch weiter an. Und mit ihr die Zahl einschlägiger PR-Programme sowie der Weiter- und Ausbildungsangebote. Eine tragende Säule der Ausbildung für diesen Beruf sind die vielen unterschiedlichen PR-Studiengänge an den Universitäten und Fachhochschulen. Die Auswahl an PR-Studiengängen ist riesig. Hier einige Beispiele für Studiengänge, die für Jobs im Bereich „Marketing“ und „Öffentlichkeitsarbeit“ ausbilden:

  • Online-Kommunikation (z.B. an der Hochschule Darmstadt)
  • Internationale Public Relations (LMU München u.a.)
  • Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (HWTK Berlin, HDPK Berlin (privat)
  • Kommunikationsmanagement (z.B. FH Würzburg oder Hochschule Rhein-Main)
  • Journalismus (mit Schwerpunkt Public Relations) (Westfälische Hochschule)

Ob Online-PR oder Journalismus: Die Zugangsvoraussetzungen sind nicht ohne. Im Wintersemester 2016/17 lag der Numerus Clausus für Public Relations / Öffentlichkeitsarbeit bei 1,9 – 2,2. Um Pressesprecher zu werden, ist kein bestimmter PR-Studiengang vorgeschrieben. Vorteilhaft aber ist, einen PR-Schwerpunkt im Studium zu haben.

Andere Wege in die PR

Pressereferent kann man aber durchaus auch ohne einschlägiges PR- (oder PR-nahes)-Studium werden. Denn nicht alle erreichen den NC für diese Studiengänge. Grundsätzlich führen viele Wege in die Public Relations und damit in den Beruf des Pressesprechers. So sind z.B. viele von ihnen ausgebildete Journalisten. Die Ausbildung zum Journalisten erfolgt etwa durch ein fachspezifisches Hochschulstudium. Aber auch die Journalistenschule oder das Volontariat, u.a. bei Presse oder Hörfunk, bilden für den Redakteursberuf aus.

Die notwendigen Kenntnisse im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Marketing erwirbt man dann durch entsprechende PR-Weiterbildungen oder spezifische Kurse. Wichtig jedoch ist immer, egal ob Studium oder Volontariat: Praxiserfahrung, z.B. durch Praktika, freie Mitarbeiten oder Hospitanzen vor, während oder nach der Ausbildung. In aller Regel beginnt man seine berufliche Laufbahn dann als klassische Assistenz in der Kommunikations- oder Marketingabteilung. Vor dort kann man sich zum Pressesprecher hocharbeiten. Übrigens ist auch der Quereinstieg möglich, gerade für junge Leute, die Pressesprecher werden wollen. So sehen es z.B. große Technik- oder IT-Firmen gerne, wenn ihr Pressereferent einschlägiges Fachwissen bietet und weiß wovon er spricht. Dieses Fachwissen kann z.B. durch ein Technik- oder Informatik-Studium erworben sein.

Grundsätzlich führen viele Wege in die Public Relations und damit in den Beruf des Pressesprechers. (#03)

Grundsätzlich führen viele Wege in die Public Relations und damit in den Beruf des Pressesprechers. (#03)

Pressesprecher werden: Diese Fähigkeiten sind wichtig

Wer als Pressesprecher arbeiten möchte, braucht neben der adäquaten Ausbildung vor allem eines: Interesse für die Inhalte und Themen, für die das Unternehmen steht. Eine wichtige Voraussetzung dafür, um sich mit seinem Arbeitgeber und dessen Idealen zu identifizieren. Wem die Identifikation schwer fällt, wird Informationen kaum glaubhaft und überzeugend nach Innen und Außen kommunizieren können. Nachteilig auch: persönliche Profilierung und ein auf Aufmerksamkeit zielendes, exponiertes Verhalten. Der Pressereferent vertritt seinen Arbeitgeber nach außen und kommuniziert dessen Meinungen und Ansichten. Er ist daher vor allem ein ausführendes Organ. Und ein Mittler zwischen dem Unternehmen und der Öffentlichkeit. Weitere wichtige Voraussetzungen:

  • Flexibilität und die Bereitschaft, zu ungewöhnlichen Zeiten zu arbeiten
  • Belastbarkeit und Multitasking-Fähigkeit
  • hervorragende Kontakte zu Medien und deren Vertretern
  • Kenntnisse über die Arbeitsweisen der Medien
  • ein sehr hoher Informationsstand
  • Selbstbewusstsein und Eloquenz sind ebenso wichtig

Voller Überraschungen: Der Arbeitsalltag

Ein Blick auf die Voraussetzungen zeigt, dass die Anforderungen hoch sind. Wer Pressesprecher werden will, muss hinsichtlich seiner Fertigkeiten und Kenntnisse breit aufgestellt sein. Dafür wird ihm nur selten langweilig. Kaum ein Tag gleicht dem anderen und oft erwarten ihn neue, unvorhergesehene Überraschungen. Denn in seinem Alltag ist bei weitem nicht alles planbar. Spontane Pressekonferenzen, unerwartet angeforderte Stellungnahmen über bestimmte Ereignisse, kurzfristige Interviews mit der Presse – gerade in großen Firmen ist dies alles nicht außergewöhnlich. Und das durchaus auch mal in der Nacht.

Das Tagesgeschäft von Presse-Referenten ist vielfältig und bisweilen derart zeitintensiv, dass es zu einem regelrechten Tages- und Nachtgeschäft werden kann. Von einer 40-Stunden-Woche können die meisten PR- und Medienreferenten daher nur träumen. Eine vor einigen Jahren vom PR-Trendmonitor veröffentlichte Studie zur wöchentlichen Arbeitszeit in Pressestellen und PR-Agentur ergab: zwei Drittel aller Mitarbeiter arbeiten zwischen 41 und 60 Stunden.

Stressresistenz und Spontanität sind Grundvoraussetzungen für den Beruf des Pressesprechers. (#04)

Stressresistenz und Spontanität sind Grundvoraussetzungen für den Beruf des Pressesprechers. (#04)

Aufgaben und Tätigkeiten eines Pressesprechers

Im vielschichtigen beruflichen Alltag können u.a. folgende Tätigkeiten anfallen:

  • Verfassen und Bearbeiten von Pressemitteilungen
  • Pressekonferenzen und Firmen-Events organisieren und planen
  • Erstellen von Newslettern, Flyern, Anzeigen und Broschüren
  • Verfassen und Redigieren von Beiträgen für Kunden- und Mitarbeitermagazine
  • Die Pflege der Social-Media-Kanäle, des Internet- und/oder Intranet-Auftritts
  • Aufbau neuer Pressekontakte und Pflege der Bestandskontakte
  • Konzeption und Erstellung von Geschäftsberichten

Krisenmanager, Kommunikator, Sprachrohr, Kontaktmann und Vermittler – das alles ist der Pressesprecher zugleich. Vielfalt und Abwechslung sind in diesem Job garantiert. Vorausgesetzt, man kann gut mit Stress umgehen.


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Über 

Klaus Müller-Stern (25) studiert aktuell Maschinenbau, beschäftigt sich daneben jedoch schon lange mit allen Aspekten rund um Selbstständigkeit und Unternehmensgründung. Eloquent und scharfsinnig bringt er Themen wie Social Media oder den Finanzsektor auf den Punkt. Darüber hinaus blickt der passionierte Laufsportler in seinen Beiträgen hinter die Kulissen erfolgreicher Startup-Firmen.

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