Gründen mit Freunden: Gute Idee oder nicht?

Gründen mit Freunden: Gute Idee oder nicht?

Viele Menschen möchten ein Unternehmen gründen, trauen sich diesen Schritt jedoch nicht allein zu. Ehe sie mit einem Fremden das Start-up wagen, wenden sie sich an Freunde. Ein Fehler, wie die Praxis oft zeigt.

“Das haben wir doch gestern schon besprochen!“

Wenn gute Freunde ein gemeinsames Unternehmen gründen, kann das schnell schiefgehen. Vor allem der Punkt der Absprachen erweist sich oft als schwierig. Was der eine noch als sicher besprochen und gemeinsam beschlossen in Erinnerung hat, ist bei dem anderen nach dem letzten gemeinsamen Kaffee am vorigen Nachmittag aus dem Gedächtnis verschwunden. Lockere Absprachen sind immer wieder ein Grund dafür, warum geschäftliche Unternehmungen unter Freunden scheitern.

Vertrauen ist nicht alles! Geht es um wichtige Dinge, sollten diese nicht nach Art eines Kaffeeklatsches nebenbei besprochen werden, sondern auch unter Freunden schriftlich festgehalten werden und in einer eher offiziellen Projektbesprechung zur Sprache kommen. Das gilt allerdings nicht nur für Absprachen, die zur Bearbeitung eines Projekts wichtig sind, sondern auch für die Gründung allgemein. Ich mache das, du machst das und dann klappt das schon? Regeln Sie bei Start-ups unter Freunden alles so, als würde es sich um Fremde handeln. Das heißt, es werden schriftliche Verträge aufgesetzt, die bei Bedarf noch notariell beglaubigt werden. Vor allem dann, wenn es ums Geld geht, hört die Freundschaft auf.

Wer bringt wie viel mit ins Unternehmen? Wer haftet in welcher Höhe? Wer ist der Hauptkreditnehmer? Das zu Beginn häufig nötige Darlehen für den Start in die Unternehmerwelt kann auch von allen Beteiligten aufgenommen werden, allerdings ist es oft einfacher, wenn sich ein „Beauftragter“ um die finanziellen Dinge kümmert. Haften muss allerdings die ganze Gesellschaft, denn nur so lassen sich Ungerechtigkeiten vermeiden. Und diese finden sich bei Gründungskrediten, wie sie bei www.foerderportal.at beschrieben werden, immer, wenn keine ausreichenden schriftlichen Regelungen getroffen werden.

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Freundschaft und Geschäft als zwei unterschiedliche Dinge

Ist aus einer Freundschaft heraus ein gemeinsames Unternehmen entstanden, ist das zwar schön. Das kann aber auf Dauer die Freundschaft arg belasten. Spätestens dann, wenn Verbindlichkeiten und Haftungsfragen zu klären sind oder es gar finanzielle Probleme gibt, steht mit dem Unternehmen auch die Freundschaft auf dem Spiel. Daher gilt es von Anfang an, Freundschaft und Geschäft zu trennen. Die anfängliche Euphorie über die gemeinsame Gründung ist verständlich und nachvollziehbar, allerdings wird diese nicht lange anhalten. Wenn der Ernst des Unternehmerlebens droht, folgt die Ernüchterung und mit dem Unternehmen steht oft auch die Freundschaft auf dem Spiel.

Sehen Sie daher Ihren Geschäftspartner in erster Linie als solchen und nicht als guten Freund. Klären Sie daher heikle Fragen zum Anfang und vereinbaren Sie gemeinsam Spielregeln, an die sich beide (oder bei Beteiligung von mehreren Personen alle) zu halten haben. Dazu gehören Gehälter, Arbeitszeiten, Investitionen, Einstellung und Kündigung von Personal, Finanzplanung usw. Außerdem ist die Frage, ob die gemeinsame Firmengründung haupt- oder nebenberuflich erfolgt, relevant. Wenn einer der beteiligten Partner nebenbei seinem Hauptjob nachgeht, der andere sieht diesen aber im gemeinsamen Unternehmen, wird es immer wieder Reibungspunkte geben. Klären Sie daher von Anfang an Verantwortlichkeiten und zeitliche Verfügbarkeit!

Wichtige Fragen, die geklärt werden müssen, sind:

  1. Wer übernimmt welche Aufgaben?
  2. Was erwartet jeder vom gemeinsamen Unternehmen?
  3. Werden Investoren gebraucht und wenn ja, wo sind diese zu finden?
  4. Welche Rechtsform soll das Unternehmen haben?
  5. Gibt es einen Gesellschaftervertrag?
  6. Wer übernimmt welchen Aufgaben im Unternehmen?
  7. Wer bringt wie viel Geld mit ein?
  8. Wer ist mit welchen Anteilen am Gewinn beteiligt?
Eine unabhängige Instanz sorgt dafür, dass Streitigkeiten gar nicht erst entstehen und sollte vor der Entscheidung über die Verwendung von Gewinnen immer hinzugezogen werden. (#01)

Eine unabhängige Instanz sorgt dafür, dass Streitigkeiten gar nicht erst entstehen und sollte vor der Entscheidung über die Verwendung von Gewinnen immer hinzugezogen werden. (#01)

Frage nach den Gewinnen

Ein Unternehmen soll Gewinne abwerfen, so viel ist klar. Doch wer bekommt wie viel vom Kuchen ab? Kann Geld aus der Unternehmenskasse entnommen werden oder ist diese für die Gründer tabu? Wie steht es um den Firmenwagen, darf dieser von einem Partner gekauft werden oder nicht? Auch das sind Fragen, die bereits von Beginn der gemeinsamen Unternehmung an geklärt werden müssen, damit es später nicht zu Streitigkeiten kommt. Meist sind beide Partner gleichberechtigt und pochen darauf auch, wenn sie Geld investieren wollen.

Wer aber nach dem Motto handelt, dass er das gleiche Entscheidungsrecht wie der andere Partner hätte und somit frei entscheiden könne, wofür das Geld investiert wird, kann sich auf Streitigkeiten einstellen. Besser ist es, von Anfang an einen externen Dritten zu bestimmen, der fachkundig die Finanzlage beurteilen und dazu Auskunft geben kann, ob eine gewünschte Investition möglich ist oder ob diese den Partner sowie das Unternehmen benachteiligt. Eine unabhängige Instanz sorgt dafür, dass Streitigkeiten gar nicht erst entstehen und sollte vor der Entscheidung über die Verwendung von Gewinnen immer hinzugezogen werden.

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Kompetenzen sollten sich ergänzen

Ein Beispiel: Zwei Studienfreunde gründen gemeinsam ein Unternehmen. Beide haben Maschinenbau studiert und möchten nun ein Unternehmen führen, welches sich mit dem Laserschneiden befasst. Ahnung von Marketing, Personalführung oder wenigstens Buchführung haben beide nicht. Sie laufen damit Gefahr, besonders wichtige Dinge zu übersehen. Sie sind zwar beide fachlich versiert und kennen sich mit allen technischen Fragen und Anforderungen aus, beobachten auch den Markt und die Konkurrenz. Doch fundierte finanzielle Entscheidungen können sie ebenso wenig treffen, wie sie marketingorientierte Aspekte diskutieren.

Dabei muss hier nicht gleich gelten: Besser nicht mit Freunden zu gründen! Beide Gründer sollten sich von Anfang an darüber im Klaren sein, wofür die Meinung eines Dritten benötigt wird und für welche Bereiche noch jemand eingestellt werden sollte. Das Hinzuziehen eines Steuerbüros oder das Einstellen eines Buchhalter sowie eines Mitarbeiters, der sich mit Controlling und Qualitätsmanagement auskennt, sollte selbstverständlich sein, wenn das eigene Fachwissen in diesen Gebieten fehlt.

Bei einer Gründung unter Freunden sollten die Unternehmensziele von vornherein geklärt werden. Was ist das primäre Ziel, wo soll die Firma in fünf oder zehn Jahren stehen? (#02)

Bei einer Gründung unter Freunden sollten die Unternehmensziele von vornherein geklärt werden. Was ist das primäre Ziel, wo soll die Firma in fünf oder zehn Jahren stehen? (#02)

Ziele abstecken

Bei einer Gründung unter Freunden sollten die Unternehmensziele von vornherein geklärt werden. Was ist das primäre Ziel, wo soll die Firma in fünf oder zehn Jahren stehen? Setzen Sie kurz-, mittel- und langfristige Ziele und stecken Sie Teilziele ab. Diese sollten regelmäßig besprochen und nötigenfalls angepasst werden, damit sie realistisch bleiben. Außerdem ist wichtig, dass im Geschäftsleben die emotionale Seite außen vor bleiben muss. Wer meint, sich blind zu verstehen und nur auf die Freundschaft setzt, wird in vielen Fällen enttäuscht werden.

Wichtig ist generell, dass miteinander gesprochen wird. Ändern sich die Erwartungen in das Unternehmen oder auch nur die private Familiensituation, ist Klärungsbedarf vorhanden. Es muss klar sein, wie es mit der Firma weitergeht und wie das Gleichgewicht zwischen Privatem und Geschäftlichem gehalten werden kann. Auch hierbei muss die Freundschaft eine geringere Gewichtung bekommen als die gemeinsame Tätigkeit als Gesellschafter eines Unternehmens.

Wichtig: Das gemeinsame Unternehmen darf nie als Möglichkeit gesehen werden, weitere Freunde anzustellen und ihnen aus der Not zu helfen. Wenn der Bedarf vorhanden ist, können offene Positionen sicherlich mit ausreichend qualifizierten Freunden besetzt werden. Doch die Qualifikation ist hierbei das Wichtigste! Das Unternehmen darf nicht zum Auffanglager für gescheiterte (oder beinahe gescheiterte) Existenzen werden.

Freunde arbeiten oft gut zusammen, ergänzen einander und bringen im Idealfall verschiedenes Fachwissen mit in die Firma ein. (#03)

Freunde arbeiten oft gut zusammen, ergänzen einander und bringen im Idealfall verschiedenes Fachwissen mit in die Firma ein. (#03)

Chancen durch die gemeinsame Gründung

Es ist keineswegs so, dass eine Unternehmensgründung unter Freunden auf jeden Fall zu verteufeln ist und nie funktionieren kann. Unter Einhaltung der oben genannten Punkte und vor allem durch das Einhalten getroffener Absprachen kann eine solche Unternehmung durchaus zum Erfolg führen. Sie bietet den Vorteil, dass sich die beteiligten Partner kennen und jeder einschätzen kann, „wie der andere tickt“. Wichtig ist aber, dass sich beide darüber im Klaren sind, dass das Vorhaben auch scheitern kann, dass dieses berufliche Scheitern aber nicht für die Freundschaft gilt. Denn auch in einem solchen Fall sollten Berufliches und Privates getrennt betrachtet werden!

Freunde arbeiten oft gut zusammen, ergänzen einander und bringen im Idealfall verschiedenes Fachwissen mit in die Firma ein. Somit ergibt sich eine ausgezeichnete Basis für die weitere Zusammenarbeit, was die Erfolgschancen erhöht. Allerdings funktioniert so etwas nur, wenn beide ähnliche Verantwortlichkeiten übernehmen und gleichberechtigt sind. Ist nur einer der Gründer weisungsbefugt, wird sich der andere binnen kürzester Zeit benachteiligt fühlen, was Freundschaft und gemeinsame Firma ein Stück näher an den Abgrund bringt. Gleichzeitig muss aber jeder die Fähigkeit haben, auch Kritik einzustecken bzw. selbst Kritik zu üben, um konstruktiv zu arbeiten.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: Lipik Stock Media  -#01: REDPIXEL.PL  -#02: Pressmaster -#03: stockfour

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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