Lebe (und arbeite) lieber ungewöhnlich: Die etwas andere Berufswahl

Lebe (und arbeite) lieber ungewöhnlich: Die etwas andere Berufswahl

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In der heutigen Zeit werden wir zu Individualisten erzogen, bei der Berufswahl allerdings geht es dann doch allzu häufig in die erfolgversprechendste Richtung – und das ist selten wirklich individuell.

Dabei gibt es so unglaublich viele Berufe, die nur auf ihre (Wieder-)Entdeckung warten. Und da sprechen wir nicht von den wirklich skurrilen Tätigkeiten, die in jeder Rangliste außergewöhnlicher Jobs weit vorne landen. Zugegeben, Wasserrutschen-Tester, Golfballtaucher und Glückskeksautor klingen witzig. Aber die hier vorgestellten Berufe sind neben ihrer teils wirklich außergewöhnlichen Seltenheit vor allem tatsächlich fundierte Ausbildungsberufe. Auch wenn das in manchem Fall vielleicht genauso ungewöhnlich erscheint, wie der Job selbst.

Uhrmacher: Mehr noch als ein gutes Zeitgefühl ist in der Ausbildung zum Uhrmacher das in der Kapitelüberschrift bereits beschworene Fingerspitzengefühl gefragt. (#01)

Uhrmacher: Mehr noch als ein gutes Zeitgefühl ist in der Ausbildung zum Uhrmacher das in der Kapitelüberschrift bereits beschworene Fingerspitzengefühl gefragt. (#01)

Warum klassisch, wenn’s auch ungewöhnlich geht?

In den Kindertagen ist die Beantwortung der Frage, was man denn später einmal werden möchte, meist noch ziemlich einfach, aber wahrscheinlich auch genauso wechselhaft. Als Berufswunsch kommt dann ungefähr alles in Frage, was gerade interessant und spannend klingt. Die Realisierbarkeit spielt dabei erst einmal keine Rolle. Morgen kann ohnehin schon etwas völlig anderes angesagt sein.

Mit zunehmendem Alter erweist sich die Suche nach Antworten auf die berufliche Vorstellung als ernstere Angelegenheit. Da werden die eigenen Fähigkeiten mehr berücksichtigt, die Stärken und Schwächen gegeneinander abgewogen, zukünftige Lebensentwürfe durchgespielt. Am Ende steht oft eine Berufswahl, die vielleicht den schnellsten Weg zu den persönlichen Zielen bedeutet, die aber nicht unbedingt noch etwas mit den Wünschen der Kindheit zu tun hat. Selbstverwirklichung wird dann allzu häufig außerhalb des Berufslebens gesucht, das damit ein Mittel zum Zweck wird.

Das ist ein natürlicher Prozess, der zum Erwachsenwerden dazugehört. Gleichzeitig ist das ein sehr trauriger Prozess, weil er – anders als das in unserer Kindheit der Fall war – Möglichkeiten von vorneherein ausschließt. Was umso trauriger ist, weil es gleichzeitig eine ganze Palette außergewöhnlicher Berufsfelder ausblendet. Dabei sind es doch gerade die ungewöhnlichen Tätigkeiten abseits der Standards (vielleicht einmal abgesehen von der Tatsache, dass die vorgestellten Berufe allesamt klassisch im Dual-System absolviert werden), die die Arbeit erst so interessant machen – und die uns, als die Individuen, die wir nun einmal sind, viel eher gerecht werden. Wer sich mit „normal“ daher nicht zufrieden geben will, kann quer durch alle Branchen die unterschiedlichsten Berufe finden, die alles andere als das sind.

Fingerspitzengefühl: Berufe für handwerklich Begabte

Handwerk hat goldenen Boden und entgegen des ursprünglichen Zusammenhangs dieses Spruches (der im 19. Jahrhundert in sarkastischer Weise auf die Armut vieler Handwerksmeister anspielte) trifft das mittlerweile doch wieder zu. Daran ändern auch Digitalisierung und Automatisierung nur wenig, denn für viele Aufgaben braucht es am Ende dann doch in jeder Hinsicht das nötige Fingerspitzengefühl. Wer dabei im Zusammenhang mit ungewöhnlichen Betätigungsmöglichkeiten nicht gleich an den Erotik-Friseur denkt – das ist wohl eine verzeihliche Wissenslücke. Das scheint zu den wenigen handwerklich orientierten Berufsfeldern zu gehören, denen nicht unbedingt langwährender Erfolg beschieden ist. Aber es gibt selbstverständlich auch andere Beispiele.

Drahtzieher: Ein alter Beruf – immer noch aktuell

Ja, wer will nicht irgendwann irgendwo mal ein wichtiger Drahtzieher sein? Und was wenn sich herausstellte, dass das im nicht-übertragenen Sinne gar keine unglaublich wichtige Person, sondern tatsächlich jemand ist, der mit der Herstellung von Drähten und Kabeln zu tun hat? Klingt gleich viel weniger spannend? Dann ist das möglicherweise eine ziemliche Fehleinschätzung.

Dazu muss man sich nur einmal vor Augen führen, wo heutzutage überall Drähte und Kabel verarbeitet werden – und dann muss man noch eine Idee größer denken. Stahldraht beispielsweise wird auch beim Bauen verwendet und bei Bauwerken wie der Golden Gate Bridge in San Francisco kann der Bedarf schnell in die Tausende Kilometer steigen (es sind übrigens rund 129.000 Kilometer Stahldraht).

Was lernt ein Drahtzieher?

In der Berufsschule werden die notwendigen Kenntnisse zu Metallen, Legierungen und Verarbeitungsverfahren vermittelt, die fachlichen Schwerpunkte liegen dabei auf den Naturwissenschaften wie Chemie, Physik und Mathematik.

In der Praxis geht es darum, die unterschiedlichen Materialien nach ihren jeweiligen Anforderungen zu verarbeiten. Das bedeutet, verschiedene Verfahren zu kennen und anwenden zu können, wozu ebenfalls der Umgang mit Gefahrenstoffen gehört (der Einsatz von Säuren gehört nun einmal dazu, um die Metalle von Oxidresten zu reinigen). Außerdem müssen die Produktionsprozesse überwacht und geleitet werden.

Warum Drahtzieher werden?

Weil der Beruf so grundlegend verschiedene Dimensionen hat – große Maschinen auf der einen Seite, Endprodukte von tausendstel Millimeter Dicke auf der anderen Seite. Und weil er bald vielleicht tatsächlich aussterben könnte. Die Ausbildung zum Drahtzieher könnte unter Umständen in der Ausbildung zur Fachkraft für Metalltechnik aufgehen, mit dem Schwerpunkt Draht- und Federntechnik. Was natürlich gleich viel weniger wohlklingend ist.

Uhrmacher/in

Mehr noch als ein gutes Zeitgefühl ist in der Ausbildung zum Uhrmacher das in der Kapitelüberschrift bereits beschworene Fingerspitzengefühl gefragt. Immerhin werden für die Zeitmesser kleinste Einzelteile gefertigt und zusammengesetzt. Andererseits ist das auch nur einer von vielen Teilaspekten, die zum Berufsfeld des Uhrmachers gehören – denn neben den vorwiegend handwerklichen Kenntnissen (vom schnöden Batteriewechsel bis zum richtigen Umgang mit Chemikalien und Werkzeugen) gehört auch der kaufmännische Bereich zum Ausbildungsumfang dazu.

Die Überprüfung und Reparatur mechanischer Uhren gehört genauso zu den Ausbildungsinhalten, wie der Umgang mit Werkzeugen aus dem Bereich der Mikromechanik zum Herstellen verschiedener Bauteile. (#02)

Die Überprüfung und Reparatur mechanischer Uhren gehört genauso zu den Ausbildungsinhalten, wie der Umgang mit Werkzeugen aus dem Bereich der Mikromechanik zum Herstellen verschiedener Bauteile. (#02)

Was lernt ein Uhrmacher?

Die Ausbildungsinhalte sind vielfältig und im Verlauf immer komplexer. Von Maschinengravuren, Kenntnissen zu Stromkreisläufen, Fehlersuche und –beseitigung über Räderwerke bis hin zur Funktionsweise eines Chronographen reichen die Aufgabengebiete. Wie bei den Drahtziehern sind auch hier das Werken und die Technik, inklusive aller damit verbundenen physikalischen Prozesse von besonderer Bedeutung.

Warum Uhrmacher werden?

Weil der Beruf zwischen Tradition und Zukunftstechnologie viele Entwicklungsmöglichkeiten bietet: Ob der spätere berufliche Schwerpunkt mehr auf der Reparatur und dem Service liegen soll, ob es vielleicht eher in Richtung Einzelhandel gehen soll oder in die industrielle Fertigung – vieles ist möglich. Dazu kommen verschiedene Zusatzqualifikationen in

  • Feinwerktechnik,
  • Gold- und Silberschmiedetechnik,
  • Edelsteinbearbeitung,
  • Elektronik,
  • Verkaufskunde,
  • Arbeitsschutz.

Last but not least kann die Karriere durch Aufstiegsweiterbildungen voran bzw. in eine bestimmte Richtung geleitet werden. Da ist sogar ein Fachstudium in Mikromechanik durchaus möglich.

Glasapparatebauer/in

Zeit braucht es wahrscheinlich auch für angehende Glasapparatebauer, denn der Umgang mit dem speziellen Glas und den Flammen braucht Übung und Disziplin. Obwohl zum Fertigen all dieser wundersam geformten Gefäße, Reagenzgläser oder Destillationskolben letztendlich immer wieder dieselben Handgriffe angewendet werden, muss deren Koordination erst einmal erlernt werden. Nicht nur, weil eben diese Handgriffe gar nicht so einfach sind, sondern weil sie zudem unter extremen Bedingungen getätigt werden müssen: Das verarbeitete Quarzglas etwa lässt sich erst bei Temperaturen um die 2.500 Grad in die gewünschte Form bringen, entsprechend heiß die Arbeitsumgebung – und gefährlich.

Für die Arbeit im Labor braucht es sehr spezielle Glasapparate, die unter anderem sehr hitzebeständig sein müssen – die handwerklich anspruchsvolle Aufgabe ihrer Fertigung fällt den Glasapparatebauern zu. (#03)

Für die Arbeit im Labor braucht es sehr spezielle Glasapparate, die unter anderem sehr hitzebeständig sein müssen – die handwerklich anspruchsvolle Aufgabe ihrer Fertigung fällt den Glasapparatebauern zu. (#03)

Was lernt ein Glasapparatebauer?

Auch wenn der Beruf in erster Linie ein handwerklicher ist, geht es natürlich trotzdem nicht ohne die theoretischen Grundlagen. Das bedeutet, dass Kenntnisse zu den Grundstoffen gesammelt und das Lesen von technischen Zeichnungen (denn die dienen als Vorlage) erlernt werden müssen. All das kann dann bei der Verarbeitung von Glas, Kunststoffen, Metallen und Glaskeramik mit Hilfe von Tischbrennern, Handgebläsen oder Vakuumanlagen zum Einsatz gebracht werden. Hilfreich sind ebenfalls mathematische Fähigkeiten, denn verschiedene Berechnungen (das gilt besonders für die richtige Zusammensetzung des Glases) müssen immer wieder angestellt werden.

Warum Glasapparatebauer werden?

Wie bei vielen handwerklichen Berufen bietet auch der Glasapparatebau die Möglichkeit, wirklich etwas zu erschaffen. Die Berufsbezeichnung sollte dabei nicht in die Irre führen – denn natürlich ist Glas einer der Hauptwerkstoffe, dennoch erfordert die Arbeit immer wieder den Kontakt zu ganz verschiedenen Materialien. Was letztlich aber nur einer der Aspekte ist, die für ein vielfältiges Aufgabenfeld sorgen. Wer ohnehin einen Hang zu sorgfältigstem Arbeiten hat, über eine ordentliche Portion Geduld und die notwendige Fingerfertigkeit verfügt, findet als Glasapparatebauer womöglich die richtige berufliche Umgebung, um diese Fähigkeiten auszuleben.

Ortswechsel: Berufe an ungewöhnlichen Orten

Bei manchem Berufszweig verbindet sich ein ungewöhnliches Tätigkeitsfeld zugleich mit ungewöhnlichen Einsatzorten. Das macht die Ausbildung doppelt reizvoll, bedeutet aber auch sehr spezielle Anforderungen an die Interessenten. Denn längst nicht alle Ausbildungsorte bieten eine derart elegante Arbeitsumgebung, wie sie etwa die Croupiers in den Spielbanken und Casinos während ihrer Ausbildung genießen – und zu der sie gewissermaßen durch ihr gesamtes Auftreten selbst beitragen. Eleganz ist hier Teil des Jobs. Auf der anderen Seite steht immerhin auch nicht in allen Ausbildungsbetrieben die höllische Hitze an, mit der es die Glasapparatebauer zu tun haben. Es bleiben in jedem Fall ausreichend Möglichkeiten, den Einstieg in das Berufsleben außerhalb von Büroräumlichkeiten zu wagen.

Stuckateur/in

Wobei das im Falle des Stuckateurs nicht die ganze Wahrheit ist. Den wenigstens teilweise muss (oder besser: darf) der seine Zeit am Zeichentisch verbringen, um dort neue Stuckprofile zu entwerfen. Ansonsten wartet die Arbeit natürlich eher andernorts und das meint im Prinzip überall. Ob im Neubau, ob bei der Modernisierung von Altbauten oder beim Restaurieren von Baudenkmälern, Stuckateure finden vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Das betrifft sowohl die Orte als auch die jeweiligen Anforderungen, die dort gestellt werden.

Ob Neu- oder Altbau, Stuckateursarbeiten decken einen großen Aufgabenbereich ab – was sowohl die Ausbildung als auch sowohl die Ausbildung als auch das spätere Berufsleben äußerst abwechslungsreich macht. (04)

Ob Neu- oder Altbau, Stuckateursarbeiten decken einen großen Aufgabenbereich ab – was sowohl die Ausbildung als auch sowohl die Ausbildung als auch das spätere Berufsleben äußerst abwechslungsreich macht. (04)

Was lernt ein Stuckateur?

Grundlage für die Arbeit ist auch in diesem Fall der Umgang mit den verwendeten Stoffen und Materialien, ebenso wie das Verständnis für das Lesen von Zeichnungen und die Kenntnisse zum Anfertigen eigener Aufmaßskizzen. Weiterhin gehört es zwingend dazu, Baustellen richtig einzurichten und zu sichern, sowie vor Ort bestehende Schäden zu einzuschätzen und die notwendigen Gegenmaßnahmen einzuleiten (oder eben umgekehrt die Bausubstanz zu erkennen, die erhalten werden kann). Ferner vermittelt die Ausbildung natürlich alle handwerklichen Abläufe, die es zum Verputzen oder zum Gestalten und Anbringen von Zierelementen braucht.

Warum Stuckateur werden?

Weil dieser Beruf gleichzeitig traditionell und zukunftsorientiert ist, weil er gleichermaßen handwerklich und künstlerisch ist und technische Aspekte mit kreativen verbindet. Oder um es kurz zu machen: Weil er unglaublich abwechslungsreich ist, was sowohl für die Aufgabenbereiche als auch die Einsatzgebiete gilt. Nicht zu vergessen die Möglichkeiten, sich nach der Ausbildung zu spezialisieren, etwa als Techniker, der für Planung und Entwürfe zuständig ist oder als Restaurator im Denkmalschutz.

Infografik: Stuakteur - Fakten & Infos

Infografik: Stuckateur – Fakten & Infos

Forstwirt/in

Für diejenigen, die ihren Arbeitsalltag in einem wie auch immer gearteten Gebäudeinneren verbringen müssen, ist ein Ausflug in die Natur der oftmals dringend benötigte Ausgleich. Für andere ist genau das der Place-to-be – nicht nur nach Feierabend, nicht nur im Urlaub und auch nicht nur bei schönem Wetter. Forstwirte können dort arbeiten, wo die meisten anderen Menschen lediglich ihre Freizeit verbringen.

Was lernt ein Forstwirt?

So viel ist sicher, er lernt mehr als das Fällen von Bäumen. Zwar gehört es definitiv zu seinen Aufgaben, allerdings beschränkt sich die Arbeit des Forstwirtes keineswegs auf die Produktion von Holz für den Verkauf. Der wichtigere Teil seiner Tätigkeit besteht im Erhalt der Natur, also der Walderneuerung, im Wald- und Naturschutz und der Landschaftspflege.

Die theoretischen und praktischen Grundkenntnisse werden von verschiedenen Einrichtungen vermittelt. Der schulische Teil wird deshalb in den Berufsschulen und den forstlichen Bildungszentren absolviert, für den praktischen Teil sind Städte, Gemeinden, Privatforstbetriebe oder Forstunternehmer zuständig. Neben dem Umgang mit den dazugehörigen Gerätschaften zählt vor allem das Wissen um das Ökosystem Wald und dessen Bedeutung für die Umwelt im Allgemeinen zu den Ausbildungsinhalten.

Selbstverständlich gehört das Vorbereiten von Holz zum Zwecke des Verkaufs (inklusive der dazu notwendigen Kenntnisse für den Umgang mit dem Genutzten Gerät) auch zum Aufgabenbereich des Forstwirts. In erste Linie dient er aber dem Erhalt des Waldes und der Natur im Allgemeinen. (#05)

Selbstverständlich gehört das Vorbereiten von Holz zum Zwecke des Verkaufs (inklusive der dazu notwendigen Kenntnisse für den Umgang mit dem Genutzten Gerät) auch zum Aufgabenbereich des Forstwirts. In erste Linie dient er aber dem Erhalt des Waldes und der Natur im Allgemeinen. (#05)

Warum Forstwirt werden?

Gar keine so leicht zu beantwortende Frage, denn es kommen selbstverständlich viele Gründe in Frage. Aus der Perspektive der Umwelt gesprochen ist deren Erhalt natürlich von (globaler) Bedeutung. Aber selbst im kleineren Maßstab lassen sich mit dem Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Natur oder schlichtweg dem Wunsch, in seinem Beruf mit vollem Körpereinsatz (und der ist in der Tat gefordert) etwas bewegen zu können, legitime Motive für die Berufswahl finden. Abgesehen davon ist der Naturschutz mehr denn je ein Job mit Zukunftsperspektive.

Binnenschiffer/in

Möglich ist natürlich auch, einen festen Arbeitsplatz zu haben und trotzdem immer unterwegs zu sein – und nein, damit ist nicht das Prinzip Home Office gemeint. Für Binnenschiffer ist genau das allerdings der Arbeitsalltag, denn obwohl das jeweilige Passagier- oder Frachtschiff die eigentliche Arbeitsstätte ist, bringt es der Beruf nun einmal mit sich, niemals lange an einem Ort zu verweilen. Stattdessen stehen tage- oder wochenlange Reisen an.

Binnenschiffer transportieren im Übrigen nicht nur verschiedene Frachten, sondern zeichnen sich ebenso für den Transport von Passagieren verantwortlich. (#06)

Binnenschiffer transportieren im Übrigen nicht nur verschiedene Frachten, sondern zeichnen sich ebenso für den Transport von Passagieren verantwortlich. (#06)

Was lernt ein Binnenschiffer?

In einem Wort: Vieles. Denn vom Deck schrubben über das Schiff beladen und Seekarten lesen bis zum Steuern des Schiffes und dem Anleiten der Crew gehört in der Tat viel zu den Aufgaben des Binnenschiffers. Was gleichzeitig bedeutet, dass während der Ausbildung alle Abteilungen des Schiffes durchlaufen werden. An Deck, im Frachtraum, im Maschinenraum und im Führerstand werden die jeweiligen Kenntnisse direkt im praktischen Umgang erlernt – und zwar Tag und Nacht, bei Wind und Wetter.

Unterbrochen wird die Ausbildung auf dem Schiff nur durch den Besuch der Schifferberufsschule. Das Theoriewissen wird, gezwungenermaßen anders als bei sonstigen Ausbildungsberufen, gebündelt gelehrt. Heißt, die Unterrichtstage werden zu einem Blockunterricht mit einem Umfang von 12 bis 14 Wochen zusammengefasst und am Stück abgehalten. Danach geht es dann wieder zurück auf das Schiff.

Warum Binnenschiffer werden?

Der Job mag kein leichter sein, körperliche Anstrengungen kommen hier mit immer anderen Tagesabläufen und verschiedensten Witterungen zusammen. Auf der anderen Seite winkt die Aussicht, nach ausreichend gesammelter Berufserfahrung und bestandenem Patentlehrgang als Steuermann oder eigenständiger Schiffsführer für ein gesamtes Schiff verantwortlich zu sein. Dazu gehört das Reisen gewissermaßen zur Jobbeschreibung dazu. Wer lieber einen anderen Weg einschlagen möchte, kann alternativ im Hafenbau, im Schiffbau oder beim Frachtumschlag tätig werden.

Textiles Gespür: Arbeiten mit Textilien

Mode ist immer ein großes Thema, aber nicht jeder, der sich dafür interessiert, eignet sich dadurch gleich zum Designer. Die gute Nachricht ist: In der Textil- und Modebranche gibt es deutlich mehr Berufsfelder als das des Designers – und die sind nicht weniger interessant. Die Palette der Möglichkeiten ist zwischen mehr kreativ und mehr handwerklich-technisch breit gefächert.

Modist/in

Der Bezeichnung nach könnte der Modist natürlich erst einmal vieles sein. Aber ganz so weit, wie der Name es vermuten lässt, ist sein Aufgabengebiet dann doch nicht. Tatsächlich verbirgt sich dahinter nämlich der Hutmacher (Hinweis: Das ist NICHT die offizielle Berufsbezeichnung!). Grundvoraussetzung für die Ausübung ist übrigens nicht ein bestimmter Grad an Verrücktheit, wie beim literarischen Pendant von Lewis Carroll, sondern eher die ausgeprägte Neigung zu kreativen Ideen und handwerklicher Betätigung.

Was lernt ein Modist?

Einige der Fähigkeiten, die es als Modist braucht, sind nur schwer zu erlernen. Modebewusstsein etwa oder eben Kreativität. Diese beiden sollten mindestens vorhanden sein, bevor die Entscheidung für diese Ausbildung gefällt wird. Ist das der Fall, gehen die Entwürfe und Skizzen sicher viel leichter von der Hand, ebenso wie der Umgang mit Filz und anderen Materialien, mit Dampfglocke und Schablonen, mit Nadel und Faden. Die entsprechenden Fächer heißen Modellplanung, Gestaltung und Konstruktion.

Daneben gehören auch Allgemeinbildung und kaufmännisches Grundwissen zur Ausbildung, immerhin umfasst die Arbeit in einem Laden ebenso die Beratung von Kunden und – ganz profan, aber unerlässlich – das Bedienen einer Kasse.

Modische Accessoires der exklusiven Art fertigen Modisten – was übrigens die korrkte Berufsbezeichung ist, auf der der Begriff „Hutmacher“ geläufiger ist. (#07)

Modische Accessoires der exklusiven Art fertigen Modisten – was übrigens die korrkte Berufsbezeichung ist, auf der der Begriff „Hutmacher“ geläufiger ist. (#07)

Warum Modist werden?

Weil es eine tolle Möglichkeit ist, den Hang zum Extravaganten ausleben zu können und zwar auf gestalterische Weise. Die Betätigungsfelder eröffnen dabei weitere Chancen mit jeweils ganz eigenen Anforderungen: In der Industrie etwa geht es um die serielle Fertigung, in kulturschaffenden Betrieben wie Opern, Theatern oder in Filmstudios kommt es auf maßgeschneiderte Schöpfungen an.

Textillaborant/in

Eine deutlich technischere Seite erwartet Auszubildende zum Textillaborant. Denn hier geht es nicht so sehr darum, die Textilien weiterzuverarbeiten, als vielmehr dafür zu sorgen, dass sie nach ihrer Weiterverarbeitung zu Kleidungsstücken nicht für Beschwerden sorgen. Etwa, weil die Wolle sich auf dem Körper kratzig anfühlt. Oder die Jeans innerhalb kürzester Zeit und ohne ersichtlichen Grund Auflösungserscheinungen aufweist. Oder weil das neue Shirt für unangenehme Hautausschläge sorgt. Bevor also irgendein Stoff in den Verkauf geht, wirft erst der Textillaborant seinen prüfenden Blick darauf.

Was lernt ein Textillaborant?

Die Lerninhalte während der Ausbildung hängen unter anderem von der Wahl des Schwerpunktes ab. Im Bereich Textilchemie steht die Überprüfung der Textilien auf belastende Stoffe an (siehe oben). Der Schwerpunkt Textiltechnik dreht sich wiederum um solche Textilien, die im Automobil- und Flugzeugbau oder in der Medizin verwendet werden und deshalb besonderen Anforderungen genügen müssen. Falls die Optik interessanter ist als die Materialbeschaffenheit als solche, gibt es mit der Fachrichtung Textilveredelung ebenfalls eine eigene Möglichkeit – dabei stehen Prozesse wie das Färben, Drucken oder Beschichten im Vordergrund. Grundsätzlich gehören aber sämtliche Maßnahmen zum Ausbildungsprogramm, die der Qualitätssicherung und damit dem störungsfreien Ablauf der Produktion dienen. Dazu gehören zum einen das Erkennen von Qualitätsmängeln und zum anderen das Aufdecken von deren Ursache, inklusive Fehlerbehebung.

Infografik Textillaborant - Daten & Fakten

Infografik Textillaborant – Daten & Fakten

Warum Textillaborant werden?

Weil es schon bei den Ausbildungsbetrieben eine Vielzahl an Möglichkeiten gibt – angefangen bei der Textil- und Bekleidungsindustrie als klassischer Anlaufstelle, bilden auch Forschungsinstitute oder die Automobil- und Luftfahrtindustrie in den genannten Schwerpunkten aus. Abgesehen davon finden Textilien fast überall im Alltag Verwendung, noch dazu gehört die deutsche Textilindustrie technologisch zu den weltweit führenden. Gute Aussichten für die Zukunft also.

Gleichzeitig lässt sich hier das Interesse an Chemie, Physik und Mathematik wirklich „handfest“ in der Praxis anwenden. Dass die Anwendungsmöglichkeiten recht vielfältig sind, ist dabei sicherlich ebenfalls kein Nachteil.

Genussmensch: Berufe in der Welt der Kulinarik

Was könnte eine bessere Zukunftsperspektive bieten als eine Branche, an der notwendigerweise niemand vorbeikommt? Denn die einfache Wahrheit ist ja, dass wir alle essen und trinken müssen. Worüber sich allerdings nur wenige wirklich Gedanken machen, ist die Frage, wer für alle die Köstlichkeiten verantwortlich ist, die uns so kredenzt werden. Die Suche nach Antworten auf diese Frage fördert einige ungewöhnliche Berufsfelder zutage, die – das ist das Paradoxe daran – für die Produktion weitverbreiteter Lebensmittel zuständig sind.

Brauer/in

Deutschland ist für viele Dinge bekannt, das ist nicht immer erfreulich und oft mehr als nur am Rande des Klischees, aber in manchen Fällen besteht auch kein Grund, sich dafür zu schämen. Darunter ist wohl die weltweit bekannte und anerkannte Qualität der deutschen Biere zu zählen. Bier gehört nun einmal fest zur kulinarischen Tradition Deutschlands, doch trotz seiner Bedeutung ist der Brauer immer noch ein eher seltener Beruf.

Was lernt ein Brauer?

Die (sehr) kurze Antwort hierauf lautet: Er lernt Bier herzustellen. Dass es dazu eine Ausbildung braucht, macht aber schon klar – ganz so einfach kann es dann doch nicht sein. Vielmehr gehören einige Schritte zur Produktion, die alle vollste Beachtung verlangen. Der erste dieser Schritte und gleichzeitig auch der erste in der Ausbildung ist Herstellung von Malz, danach geht es an die Würze, das Zusetzen der Hopfenextrakte und das Gären.

Bei den heutigen Produktionsmengen sind außerdem Kenntnisse der Maschinen notwendig, die etwa für das Filtern und Abfüllen zuständig sind. Deren Sauberkeit fällt im Übrigen ebenfalls in den Aufgabenbereich eines Auszubildenden zum Brauer – das Reinheitsgebot gilt eben nicht allein für die Zusammensetzung des Bieres, sondern selbstverständlich auch für die Umstände seiner Herstellung.

Regelmässige Kontrollen der Erzeugnisse sind fester Bestandteil der Tätigkeit als Brauere – gleiches gilt für die verwendeten Rohstoffe und die bei der Produktion involvierten Maschinen. (#08)

Regelmässige Kontrollen der Erzeugnisse sind fester Bestandteil der Tätigkeit als Brauere – gleiches gilt für die verwendeten Rohstoffe und die bei der Produktion involvierten Maschinen. (#08)

Warum Brauer werden?

Weil, um noch einmal auf die einleitenden Bemerkungen zu diesem Berufsfeld zu sprechen zu kommen, Bier fest zur kulinarischen Tradition Deutschlands gehört. Das verspricht eine gewisse Sicherheit für die berufliche Zukunft. Gleichzeitig verspricht die Ausbildung ebenfalls Einblicke in verschiedenste Tätigkeiten, denn selbstverständlich geht es nicht nur darum, den reinen Brauprozess zu überwachen (der ja schon komplex und umfangreich genug ist), sondern genauso darum, sich in den Sudhäusern, Gärkellern, Abfüllhallen und Keimstraßen auszukennen.

Nicht zuletzt ist die Arbeit als Brauer die vielleicht beste Möglichkeit, bei der Herstellung eines der beliebtesten Getränke der Deutschen aktiv mitzuwirken. Bei der Produktion, bei der Qualitätssicherung und womöglich sogar bei der Kreation neuer Produkte.

Süßwarentechnologe/-technologin

Andere Lebensmittelgruppe, vielleicht noch größere Beliebtheit: Süßigkeiten sind – nicht nur sprichwörtlich – in aller Munde und nicht wenige würden sich wünschen, ein Leben wie in Charlies Schokoladenfabrik führen zu können. Was nicht der abwegigste Wunsch ist, vielmehr ist er absolut im Bereich des Möglichen. Denn Süßwarentechnologen machen im Grunde genommen genau das, sie arbeiten in

  • Industriebetrieben, die Schokoladenprodukte und Konfekt produzieren,
  • Industriebetrieben, die Bonbons und Zuckerwaren produzieren,
  • Industriebetrieben, die feine Backwaren produzieren,
  • Industriebetrieben, die Knabberartikel produzieren,
  • Industriebetrieben, die Speiseeis produzieren.

Es gibt also einige Möglichkeiten, um die Versorgung mit der Lieblingsnascherei gewissermaßen selbst in die Hand zu nehmen und zu gewährleisten – persönliche Qualitätskontrolle inklusive.

Süßwarentechnologe – ein (Kinder-)Traumberuf?

Was lernt ein Süßwarentechnologe?

Man sollte meinen, dass die tägliche Arbeit im Angesicht von Unmengen Süßigkeiten in erster Linie das Erlernen eiserner Selbstdisziplin erfordert. Allerdings sollte die wohl schon grundsätzlich vorhanden sein. Schwerpunkte der schulischen Ausbildung sind aber eher die Zusammensetzungen und Eigenschaften der verarbeiteten Rohstoffe wie Zucker, Sirup, Nüssen, Trockenfrüchten, Kakao etc. Neben dem Biologie- und Chemieunterricht sind mathematische Fähigkeiten gefragt, denn es geht gleichermaßen darum, die richtigen Mischungsverhältnisse für ein wohlschmeckendes Resultat ermitteln zu können.

Unabhängig vom Schwerpunkt der betrieblichen Ausbildung – im Sinne von, welche Süßigkeiten im Betrieb hauptsächlich hergestellt werden – gibt es einige übergreifende Lerninhalte. Dazu gehören etwa die Themen Arbeitsschutz, Sicherheitsvorkehrungen und vor allem Hygienevorschriften. Außerdem ist Bedienung und Einstellung der Produktionsmaschinen ein zentraler Ausbildungsaspekt. Um Einblicke in den vollständigen Fertigungsprozess zu erhalten, stehen auch das Verpacken und die korrekte Lagerung auf dem Lehrplan.

Für viele ein Arbeitsplatz aus Kinderträumen – allerdings arbeiten Süsswarentechnologen nicht nur in Betrieben, die Schokoladenprodukte herstellen, sondern in ganz unterschiedlichen Bereichen, von der Bonbonproduktion bis hin zur Eisherstellung. (#09)

Für viele ein Arbeitsplatz aus Kinderträumen – allerdings arbeiten Süsswarentechnologen nicht nur in Betrieben, die Schokoladenprodukte herstellen, sondern in ganz unterschiedlichen Bereichen, von der Bonbonproduktion bis hin zur Eisherstellung. (#09)

Warum Süßwarentechnologe werden?

Das muss vielen Menschen als eine rhetorische Frage erscheinen. Immerhin klingt der tägliche Umgang mit Süßwaren sicher für viele – das nötige handwerkliche Geschick und technische Interesse vorausgesetzt – wie ein wahrgewordener Traum. Im Prinzip ist es das ja auch, allerdings sollte darüber nicht vergessen werden, dass auch dieser Traum mit Arbeit verbunden ist. Gelegentliche Verkostungen zur Qualitätsprüfung sind sicherlich ein Highlight, auf der anderen Seite erfordert die Nachfrage aber auch eine Produktion rund um die Uhr und daher Schichtarbeit. Andererseits ist das nichts, was nicht in anderen Branchen ebenfalls üblich wäre – und am Ende werden die Nachteile ohnehin wieder mit Süßigkeiten aufgewogen.

Denn normal gibt’s schon

Die hier aufgeführten Ausbildungsberufe sind selbstverständlich nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was im Spektrum zwischen selten und ungewöhnlich zu finden ist. Manche dieser Berufsfelder sind dabei durchaus zukunftsträchtig, bei anderen muss beachtet werden, ob sie nicht doch schon im Aussterben begriffen sind. Manche sind auch schlichtweg zu exklusiv und elitär, um für jeden in Frage zu kommen – jedenfalls werden nur die wenigsten von klein auf den Wunsch hegen, als Butler zu arbeiten. Dennoch sollte die Berufswahl nach Möglichkeit immer den eigenen Interessen und Fähigkeiten folgen. Nur so können letztlich all diese spannenden und außergewöhnlichen Berufe erhalten werden.


Bildnachweis: © Fotolia Titelbild: Thomas Reimer – #01: NorGal – #02: gitanna – #03: tilialucida – #04: GIBLEHO – #05: AK-DigiArt – #06: Otto Durst- #07: vitaly tiagunov – #08: WavebreakmediaMicro – #09: Jiri Hera

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Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

Marius BeilhammerLebe (und arbeite) lieber ungewöhnlich: Die etwas andere Berufswahl

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